Plage

Zahlreich und hungrig - warum Wespen derzeit so sehr nerven

Wespen sind nicht eingeladen, kommen aber immer gerne zum Grillen oder ans Kuchenbüffet

Wespen sind nicht eingeladen, kommen aber immer gerne zum Grillen oder ans Kuchenbüffet

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Essen.  Gibt es mehr Wespen in diesem Jahr? Sind sie aggressiver als üblich? Und wie kann ich sie vertreiben? Experten geben Antworten

In den vergangenen Tagen war es ihnen zu kühl und zu windig aber spätestens am Wochenende kommen sie wieder. Zu Kaffee und Kuchen, gerne auch wenn gegrillt wird. Spätsommer ist Wespenzeit. Jedes Jahr. Doch in diesem Jahr scheinen viel mehr Wespen unterwegs zu sein. Und viele Menschen haben das Gefühl, die Insekten seien aggressiver geworden. Stimmt das? Und wann verschwinden die Tierchen wieder?

Ob es wirklich mehr Wespen gibt, kann niemand genau sagen. „Statistisch lässt sich das ja nicht erfassen“, sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV). Grundsätzlich aber, sagt er auch, „ist 2020 ein gutes Jahr für Wespen“. „Warm und regenarm“ war der Frühling, ideal für Insekten. Schon der Winter sei sehr mild gewesen“, fügt Harry Abraham hinzu, Wespenexperte aus Willich. „Deshalb haben sehr viele Königinnen überlebt. Und nun gibt es auch mehr Wespen.“

Die Völker haben ihre maximale Größe erreicht

Eine Einschätzung, die das ständig bei Abraham klingelnde Telefon in den letzten Wochen und Tagen bestätigt. „So viele Anrufe von Schulen und Kindergärten, die Nester auf ihrem Gelände hatten, gab es schon seit Jahren nicht mehr.“ Abraham kommt dann und setzt sie – wenn irgendwie möglich um.

Der Naturschutzbund (Nabu) NRW glaubt dagegen nicht, dass mehr Wespen unterwegs sind als im vergangenen Jahr. „Im Moment ist einfach ihre Hauptzeit“, sagt Nabu-Sprecherin Birgit Königs. „Die Völker haben mit bis zu 1000 Tieren ihre maximale Größe erreicht.“

Zwei Arten sorgen für den schlechten Ruf

Auch der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband in Essen spricht von „gleichbleibender Nachfrage“ beim Entfernen von Nestern. „Aber in den vergangenen warmen Wochen waren die Menschen oft und lange draußen“, sagt Büroleiterin Steffi Klotz. „Da fallen einem die Wespen natürlich viel mehr auf.“

Einig sind sich die Experten allerdings darin, dass die Tiere nicht aggressiver geworden sind. „Wespen sind normalerweise gar nicht aggressiv“, sagt Birgit Kaiser de Garcia vom LANUV. „Sie sind keine Angreifer, sondern verteidigen sich nur“, sagt auch Abraham. Im Übrigen sind es auch nur zwei von europaweit 100 Arten, die für den schlechten Ruf hierzulande sorgen: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe.

Überraschender Angriff auf dem Schulhof

Letztere hat mit mehreren Hundert Exemplaren erst am Montag dieser Woche Kinder einer Schule in Lüdenscheid angegriffen und mehr als ein Dutzend von ihnen durch Stiche verletzt. „Absolut ungewöhnlich“, sagen Experten, glauben an „unbewusste Provokation“ durch Menschen, können aber mangels Fall- und Ortskenntnis nur mutmaßen. „Durch irgendwas haben die Wespen sich bedroht gefühlt.“

Grundsätzlich aber sind die Tiere nicht darauf aus, Menschen zu attackieren. „Die denken nur ans Essen“, sagt die LANUV-Sprecherin. Je süßer, je besser. Die Larven, die vor allem Proteine brauchten, seien inzwischen versorgt, erklärt Deitermann, und die Wespen hätten somit ihre Arbeit erledigt: „Da bricht dann so ein bisschen Anarchie aus. Die Wespen haben frei und müssen nur noch sich selber versorgen – und da sind sie heiß auf Süßes.“ Abraham kennt das. „Das ist für sie wie Flugbenzin.“

Bloß nicht hektisch werden

Beim stetigen „Nachtanken“ kommen sie den Menschen immer wieder näher. Dann bloß nicht hektisch werden, sagt Abraham. Entweder man beweist „Nervenstärke“ und wartet ab, oder man schiebt mit einer langsamen Handbewegung oder Zeitung die Wespe aus seiner Umgebung. Aber Achtung: Angstschweiß kann Angriffe auslösen. Überhaupt können Wespen von Gerüchen wie Parfüm, Cremes, Holzmöbelpolitur oder ähnlichen Düften angezogen werden. Außerdem fliegen Sie gerne auf bunte Kleidung.

Mit ein paar Tipps lassen sich viele Stiche vermeiden. Nicht barfuß über eine Wiese mit Fallobst zu laufen gehört ebenso dazu, wie Kindern, die etwas Süßes gegessen haben den Mund abzuwischen und nie aus einem Behälter zu trinken den man nicht einsehen kann.

Ende der Plage ist absehbar

Abraham hat noch einen Ratschlag für die nächste Gartenparty. „Einfach etwas abseits eine Schüssel mit reifem Obst hinstellen. Die lenkt die Wespen ab.“ Oder einfach später anfangen zu feiern. In der Dunkelheit fliegen Wespen nämlich gar nicht.

Eines allerdings ist sicher: Ein Ende der Plage ist absehbar. Ende September fallen die Jungköniginnen in eine Art Winterstarre. „Alle anderen Wespen“, weiß Abraham, „sterben dann.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben