Nachruf

Wittener Original „Pepe“ war ein Mann mit zwei Gesichtern

Unter seinem Spitznamen „Pepe“  kannten und mochten viele Wittener Wolfgang Kemmer. Mütze, Stock und Burberry-Trenchcoat waren seine Markenzeichen. Am Mittwoch wird das Wittener Original beigesetzt.

Foto: Christiane L.

Unter seinem Spitznamen „Pepe“ kannten und mochten viele Wittener Wolfgang Kemmer. Mütze, Stock und Burberry-Trenchcoat waren seine Markenzeichen. Am Mittwoch wird das Wittener Original beigesetzt. Foto: Christiane L.

witten.   Das Wittener Original ist tot. Viele kannten Wolfgang Kemmer (72) als kauzigen Zeitgenossen. Doch er war gebildet und weit gereist.

„Pepe“ ist tot. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht in den sozialen Netzwerken. Viele Menschen sind dem Mann mit der unverkennbaren Kappe, Stock und Burberry-Trenchcoat, regelmäßig in der Stadt oder in mancher Kneipe begegnet. Am Mittwoch (15.11.) wird er um 13 Uhr in Heven beigesetzt. Doch Wolfgang Kemmer, wie er eigentlich hieß, konnte nicht nur kauzig, laut und ein kesser Sprücheklopfer sein, sondern er hatte auch leise und sensible Seiten. In seinem Fall waren die stillen Wasser noch weitaus tiefer, als viele Wittener vermuteten.

Wolfgang Kemmer, der jetzt mit 72 Jahren gestorben ist, stammte aus einer begüterten und tief in der Ruhrstadt verwurzelten Familie. Der gehörte einst das Lederwarengeschäft Hammerschmidt auf der Bahnhofstraße, das über viele Jahre Anlaufpunkt für Kunden war, die auf stilvolle Qualität setzten. Sohn Wolfgang war noch ein Kriegskind, im Bunker geboren.

„Er war ein sehr angenehmer Mensch. Stets korrekt gekleidet, gebildet und weit gereist“, erinnert sich Margit Kühne. Die Ärztin mit Wittener Wurzeln, die heute bei Hannover lebt, war von 1967 bis 1973 mit Kemmer liiert. Beide studierten damals Medizin. „Wir haben noch gemeinsam an unseren Doktorarbeiten gearbeitet“, erinnert sich die heute 70-Jährige, die aus der ebenfalls bekannten Fahrschulfamilie Wassmann von der Ruhrstraße stammt. Doch noch vor dem Examen erkrankte Wolfgang Kemmer schwer. Und zwar an einer Hirnhautentzündung. Nur mühsam kämpfte er sich zurück ins Leben, musste erst wieder Schreiben, Sprechen und Laufen lernen.

„Er hat mich auch später noch öfter besucht“, erzählt Margit Kühne, die da schon nicht mehr in Witten und mit ihm zusammen war. Bis zu seinem Lebensende wohnte das stadtbekannte Wittener Original im einstigen Elternhaus oberhalb des Kohlensiepen. „Ich habe noch nie so viele Bildbände gesehen. Wolfgang hat sie nicht nur fast alle gelesen, sondern auch viele der darin abgebildeten Länder bereist“, erzählt eine gute Bekannte aus seinen letzten Lebensjahren. Besonders die britischen Inseln, deren Mode und das Lachsfischen hätten es ihm angetan. „Er beherrschte sieben Sprachen, darunter englisch, französisch, türkisch und griechisch“, erzählt sie. Erst spät habe er ein TV-Gerät besessen und sich meist Dokumentar- und Politsendungen angeschaut. „Besonders die Erdogan-Politik ärgerte ihn maßlos.“ Aber wenn Wolfgang Kemmer auch auf Wittens Straßen oft laut und kommunikativ gewirkt habe, sei er letztlich ein einsamer Mensch gewesen.

„Ich weiß noch, wie er immer vorne im Bus saß und zu älteren Damen ,heiße Schnecke’ oder ,scharfes Radieschen’ sagte“, erinnert sich eine Facebook-Nutzerin. Ein anderer meint: „Ohne dich wird Wittenes Gastronomie nie mehr so sein, wie sie gewesen ist.“ Und von der anderen Seite des Tresens heißt es: „Ich habe dich so oft bedient und habe es geliebt, mit dir zu sprechen. Pepe war ein hochintelligenter Mensch, der Schillers Gedicht von der Glocke ebenso gut aufgesagt hat wie alles von Heinz Erhardt. Viele kennen diese ruhige Seite von Pepe nicht.“

Wenn Wolfgang Kemmer am Mittwoch seine letzte Reise antritt, dürfen drei Sachen nicht fehlen: Mütze, Stock und Burberry-Trenchcoat werden seinem Sarg beigelegt. Und viele Wittener, die ihn mochten, werden einen Moment innehalten und denken: „Adieu, Pepe.“

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