Transaktion

Wem gehören die LEG-Wohnungen wirklich?

Foto: NRZ

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Düsseldorf. Es war einer der größten Immobiliengeschäfte in NRW: Der Verkauf der landeseigenen LEG mit 93.000 Wohnungen an einen US-Investor namens "Whitehall Real Estate Funds". Doch der Fonds taucht in der Liste der Käufer nicht auf, und alles andere ist streng geheim - und einigermaßen dubios.

Die Namen klingen merkwürdig. Weder das NRW-Finanzministerium, noch die LEG (Landesentwicklungsgesellschaft) selbst möchten sie preisgeben. Wer in der Nacht zum 11. Juni 2008 vom Land tatsächlich den Zuschlag zum Kauf ihrer LEG-Anteile bekam, wird bis heute als Verschlusssache behandelt. In öffentlichen Erklärungen heißt es stets, es handele sich um die „Whitehall Real Estate Funds". Doch der Immobilienfonds taucht in der Liste der Käufer gar nicht auf.

Vier Namen stehen nach Informationen unserer Zeitung dort. An erster Stelle: die „Lancaster GmbH & Co. KG". Eine Gesellschaft mit zumindest skurril anmutendem Hintergrund. Ihre persönlich haftende Gesellschafterin war ursprünglich eine „Vendetta 1 GmbH" (italienisch für Blutrache). Doch das Risiko einer Schlagzeile wie „Land verkauft seine Sozialwohnungen an Blutrache" war den Beteiligten – trotz strengster Geheimhaltung – offenbar zu hoch. Einen Tag vor dem großen Deal gab Vendetta 1 aus Frankfurt im Bundesanzeiger ihre Umbenennung in „Lancaster Holding GmbH" bekannt. Es handelt sich um eine Gesellschaft mit lediglich zwei Mitarbeitern und nicht mehr als 25 000 Euro Stammkapital.

Zwei Mitarbeiter und 25.000 Euro Stammkapital

Hinter Lancaster als „Käuferin 1" tauchen weitere illustre Namen auf. Die „Kronen tausend230 GmbH & Co. VorratsKG", inzwischen in „Rote Rose GmbH & Co. KG" umbenannt. Eine „Restio B.V." aus Amsterdam und eine „Perry Lux Co S.a.r.l." aus Luxemburg, die beide offenbar schon wieder als LEG-Eigentümer ausgeschieden sind. Denn im Handelsregister eingetragen sind lediglich Lancaster (mit 82,7 Prozent) und Rote Rose (15,43 Prozent), die mittlerweile beide unter der Düsseldorfer Adresse der LEG-Zentrale firmieren. Wie bei Lancaster verfügt auch die Mutter der Roten Rose, die sich „Weisse Rose GmbH" nennt, über nicht mehr als zwei Mitarbeiter und lediglich 25.000 Euro Stammkapital.

Gegenüber unserer Zeitung lehnten LEG und NRW-Finanzministerium jegliche Auskünfte über die wahren Eigentümer der LEG mit Hinweis auf Vertraulichkeitsvereinbarungen ab. Dabei wird laut Kaufvertrag (Ziffer 23) einer Veröffentlichung von „Name und Geschäftsgegenstand" der Käufer zugestimmt.

Nur ausgewählter Kreis erhielt kurzen Einblick

Doch selbst Landtagsabgeordneten in Düsseldorf werden solche Details mit der Begründung „geheime Verschlusssache" verwehrt. Nur einem ausgewählten kleinen Kreis wurde bislang ein kurzer Einblick in das Vertragswerk gewährt. Obwohl sich darin ein Passus findet, nach dem alle „Anfragen aus dem parlamentarischen Raum" von der Geheimhaltung ausgenommen sind.

Nach der Enthüllung des Landesrechnungshofs, das Land habe nach der Veräußerung seiner LEG-Anteile durch einen Fehler bei der Kaufpreisaufteilung rund 36,7 Millionen Euro verloren, wirft die Verschwiegenheit der schwarz-gelben Landesregierung zu den Käufern neue Fragen auf.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (31) Kommentar schreiben