Bergbau

Was die RAG-Stiftung mit dem Grubenwasser vorhat

Auf Zollverein in Essen soll der größte von sechs Pumpstandorten eingerichtet werden.

Auf Zollverein in Essen soll der größte von sechs Pumpstandorten eingerichtet werden.

Foto: Jochen Tack

Gelsenkirchen-Rotthausen.   In der Bergbausammlung Rotthausen erläuterte ein Experte der RAG-Stiftung das Konzept für die Grubenwasserhaltung nach dem Ende des Bergbaus.

Ende des Jahres ist Schicht im Schacht für den Bergbau in Deutschland. Auch wenn die Hobel sich dann nicht mehr in die Steinkohle fressen, geht die Arbeit in 1000 Meter Tiefe weiter. Die Stiftung der Ruhrkohle AG muss die so genannten Ewigkeitskosten stemmen. Das muss weiter abgepumpt werden. Wie sieht das Konzept des Konzerns aus? Der Heimatverein hatte mit Dr. Holger Witthaus einen RAG-Experten in die Bergbausammlung Rotthausen eingeladen, der das Konzept erläuterte.

Zu aktiven Förderzeiten wurde das Grubenwasser zum Schutz der Kumpel abgepumpt. Witthaus: „„Jetzt ist es unsere Aufgabe, die Schächte nicht absaufen zu lassen und das Grubenwasser weiterhin an die Oberfläche zu pumpen und eine Verunreinigung des Trinkwassers zu vermeiden.“ Heute werde von 13 Wasserhaltungsstandorten Grubenwasser in Emscher, Ruhr und Lippe geleitet.

Umrüstung auf Brunnenwasserhaltung bis 2035

Bis 2035 will die RAG diese auf sechs reduziert und auf Brunnenwasserhaltung umgerüstet haben. Die Reduzierung der Standorte macht einen Anstieg des Grubenwassers erforderlich. Pumpwerke stillgelegter Bergwerke werden zu so genannten Wasserprovinzen zusammengefasst. Das gesamte Grubenwasser soll an einem zentralen Pumpstandort gehoben werden. „Für die RAG“, so Witthaus, „wird es eine Herausforderung, die Auflagen, die die Qualität des Grubenwassers betreffen, zu erfüllen.“ Die Kennwerte des Wassers müssen eingehalten werden, das Grubenwasser muss aufbereitet werden, weiß der Experte.

Wasser auf 600 Meter anheben

Fördergerüste, Zeugen aktiver Zechen, wird es auch zukünftig geben. Sie werden umgebaut und mit Pumpen versehen. Auch Strom-, Steuer- und Sicherungsleitungen müssen eingebaut werden, damit das Wasser von über 1000 Meter aus der Tiefe bis an die Oberfläche befördert werden kann. 220 Millionen Euro investiert die RAG-Stiftung in Pumptechnik.

Abschnittsweise werden Rohre installiert, die die RAG später als Standard auf 1400 mm Durchmesser vergrößern will. Die durchschnittliche Pumphöhe soll Schritt für Schritt von 900 Meter Tiefe auf 600 Meter angehoben werden. „Da sind wir immer noch weit entfernt vom Grundwasserbereich“, sagt der Experte. 150 Meter Sicherheitsabstand zwischen gehobenem Grubenwasser und dem Trinkwasservorkommen werde die RAG einhalten. Da Flöz führende Bereiche überflutet werden, müssen die Ingenieure den Gasaustritt kontinuierlich überwachen.

Die Emscher wird vom Grubenwasser befreit

Durch das Anheben des Grubenwassers werde das Gas auf natürlichem Weg eingeschlossen und dadurch abgedichtet, sagt Witthaus. Die RAG spart durch den kürzeren Weg des Wassers an die Oberfläche nicht nur Energie. „Mit der Umrüstung auf Brunnenwasserhaltung und einer Anhebung des Pumpniveaus“, so Witthaus,, „können bis 2035 etwa 240 Kilometer Flussbereich im Ruhrgebiet vom Grubenwasser entlastet werden. In die Schächte werden Hüllrohre eingelassen. Durch sie werden Tauchpumpen von über Tage bis in das Wasser führende Niveau gebracht.

Von dort aus heben sie das Wasser. Bisher hat die RAG über 70 Millionen Kubikmeter Grubenwasser pro Jahr in Lippe, Emscher, Ruhr und Rhein geleitet. Mit den langfristig geplanten sechs Wasserhaltungen wird die dann vermutlich schon renaturierte Emscher komplett vom Grubenwasser befreit.

>>> 400 Mitarbeiter arbeiten für die Grubenwasserhaltung

  • Dr. Holger Witthaus arbeitet seit 2004 bei der RAG. Nach dem Bereich Gebirgsmechanik verantwortet er nun die Grubenwasserhaltung .
  • Bei der RAG werden 400 Mitarbeiter für die Grubenwasserhaltung beschäftigt. Zum Team gehören 20 Ingenieure. Ein Ingenieurbüro mit 30 Spezialisten erstellte das Gutachten.
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