Corona

Warum Antigen-Schnelltests nicht öfter eingesetzt werden

Mit Hilfe des Schnelltests können die Testergebnisse innerhalb von 15 Minuten entnommen werden. Foto: Vincent Jannink/ANP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Mit Hilfe des Schnelltests können die Testergebnisse innerhalb von 15 Minuten entnommen werden. Foto: Vincent Jannink/ANP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Vincent Jannink / dpa

Essen/Witten.  Antigen-Schnelltests könnten nach Ansicht viele Ärzte helfen, die Pandemie zu bremsen. Warum sie trotzdem nur zögerlich zum Einsatz kommen.

Da sitzen sie bei ihrem Hausarzt und klagen über laufende Nasen, Husten oder Kratzen im Hals. Und dann? Arne Meinshausen, Facharzt für Allgemeinmedizin und Geschäftsführer der Ärztlichen Qualitätsgemeinschaft Witten (ÄQW) zuckt mit den Schultern. Erkältung? Grippe? Corona? „Das können wir ja nicht an der Nasenspitze erkennen.“ Ein Antigen-Schnelltest würde in nur wenigen Minuten helfen, wird von den gesetzlichen Krankenkassen aber derzeit nicht bezahlt. „Das muss sich ändern“, sagt Meinshausen.

Tut es das nicht, bleibt den Hausärzten weiterhin nur der weitaus teurere PCR-Test, bei dem das Ergebnis frühestens nach zwei, Tagen vorliegt. Meinshausen und viele seiner Kollegen können das nicht verstehen. Ein schnelles Erkennen einer Infektion mit Corona sei gerade in diesen Tagen extrem wichtig. Der Wittener Arzt nennt es sogar „entscheidend für eine rasche Pandemieeindämmung“.

Ohne Test ist es schwierig, Corona von Grippe zu unterscheiden

Nicht nur, weil Kontaktpersonen unmittelbar erkannt werden könnten, vor allem auch, weil der Patient Klarheit habe. „Wenn sie schwarz auf weiß haben, dass Sie infiziert sind, halten sie sich an die Quarantäne“, ist Meinshausen überzeugt. Wer dagegen mehrere Tage auf ein Ergebnis warten müsse, nehme es in dieser Zeit manchmal nicht so genau mit der Isolation, hat der Mediziner festgestellt. „Manche haben ja auch keine Symptome.“ Genau das mache es ja für das Praxis-Personal auch so schwierig, Corona-Patienten von anderen Patienten zu unterscheiden.

Das weiß man bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein wohl auch, stellt dennoch klar: „Tests sind nicht beliebig verfügbar – und sie sind nicht mit Blick auf Convenience-Aspekte, sondern eine gesicherte medizinische Verwendung bzw. Diagnostik anzuwenden.“ Auch beim Verband der Ersatzkassen NRW (TK, BARMER, DAK-Gesundheit, KKH, hkk, HEK) glaubt Sprecherin Sigrid Averesch-Tietz, dass derzeit nicht genügend Tests vorhanden sind, um die ganze Bevölkerung zu testen.

In der Nationalen Teststrategie nicht vorgesehen

Das will Meinshausen auch gar nicht. „Es geht um die Corona-Antigentests zur Sofortdiagnose symptomatischer Patienten.“ Und an die Tests zu kommen, sei nach seinen Erfahrungen kein Problem. In der Tat hat allein der Schweizer Konzern Roche angekündigt, bis Ende des Jahres jeden Monat weltweit über 80 Millionen Antigen-Schnelltests auf den Markt zu bringen. Andere Pharmaunternehmen versprechen ebenfalls Millionen von kurzfristig lieferbaren Tests.

Dennoch wollen die Kassen die Kosten für den Schnelltest nicht übernehmen. Das könne man gar nicht, heißt es unter Verweis auf die neue Nationale Teststrategie des Bundesgesundheitsministeriums. Darin seien Antigentests für Hausarztpatienten nicht vorgesehen. „Und das ist für uns verbindlich,“ sagt Averesch-Tietz. PCR-Tests in diesem Bereich würden wie bisher weiter erstattet.

Patienten zahlen aus eigener Tasche

Und die KV Niederrhein ergänzt: Antigentests bzw. „Schnelltests“ stellen aufgrund ihrer deutlich geringeren Spezifität und Sensitivität grundsätzlich keinen vollwertigen Ersatz zu den PCR-Tests dar und sollten deshalb auch nicht verwendet werden, nur weil beispielsweise die Wartezeit auf das Testergebnis als zu lang empfunden wird. Die Zuverlässigkeit der Antigentests, widerspricht Meinshausen, liege nur knapp unter der von PCR-Tests. Und der Umstand, dass die Abstriche von Antigentests nur von Fachpersonal gemacht werden dürfen, einen PCR-Abstrich aber möglicherweise Infizierte selbst machen können, gleiche das wieder aus, denn: „Dabei passieren oft Fehler.“

Auch Experten wie Alexander S. Kekulé, Professor für Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wissen, dass Antigen-Schnelltests nicht ganz so zuverlässig sind wie PCR-Tests. Aber, sagt Kekulé, wenn die Antigen-Tests in der Breite in der Masse verwendet würden, „dann ist das immer noch besser als nicht zu testen“. Das sehen viele Patienten offenbar ähnlich und bezahlen den Test aus eigener Tasche – bei Meinshausen sind das 30 Euro.

„Es kommt auf jeden Tag an“

Bei diesen Tests, erzählt der Wittener Mediziner, seien allein am vergangenen Freitag acht positive Fälle entdeckt worden, auf die man schnell habe reagieren können. Eine weitere Verzögerung der flächendeckenden Einführung des Antigen-Schnelltests, lässt er sich dann auch nicht beirren, gefährde Menschenleben. „Zur Zeit, „kommt es auf jeden Tag an.“

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