Messerattacke

Student erstochen: Bluttat hat rätselhafte Vorgeschichte

Auf dem Bürgersteig am Tatort an der Alleestraße hat jemanden ein Grablicht angezündet und eine weiße Rose auf den Gehweg hingelegt. Im Hintergrund der Ampelübergang, wo der 23-Jährige die tödlichen Messersticheerhielt.

Foto: Dietmar Wäsche

Auf dem Bürgersteig am Tatort an der Alleestraße hat jemanden ein Grablicht angezündet und eine weiße Rose auf den Gehweg hingelegt. Im Hintergrund der Ampelübergang, wo der 23-Jährige die tödlichen Messersticheerhielt.

Bochum.   Bevor der 23-jährige Student erstochen wurde, wurden in seinem Technik-Verein die Scheiben zerstört. Außerdem gibt es eine Droh-Email.

Die tödliche Messerattacke auf einen Studenten der Elektrotechnik mitten auf der Bochumer Alleestraße hat möglicherweise etwas mit dem Technik-Verein „Labor e.V.“ an der Alleestraße zu tun. Der Verstorbene war aktives Mitglied des Vereins, dessen Räume sich nur wenige Schritte vom Tatort entfernt befinden .

Der Verein hatte wenige Tage zuvor Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Bedrohung und Sachbeschädigung erstattet, weil jemand die Fenster des Vereins zerstört und eine Droh-Mail verfasst hatte.

In Mail ist Rede von „Cocktail der besonderen Art“

Es sei „natürlich sehr naheliegend“, dass dahinter der Mann stecke, der den 23-jährigen Studenten getötet haben soll, sagte am Freitag Endres Puschner vom Vorstand des Vereins auf Anfrage der WAZ.

Grundsätzlich könne man das aber nicht nachprüfen. In den Nächten des 31. August und 2. September waren drei große Scheiben direkt neben dem Eingang zerschlagen worden; bis heute ist der Schaden nur provisorisch repariert. Am 5. September folgte eine anonyme Mail an den Verein mit bedrohlichem Inhalt: Darin ist die Rede von einem „Cocktail der besonderen Art“, der bald serviert werden solle.

Ein Küchenmesser traf Lunge und Herz

Am Mittwoch (12.) wurde der Verein dann von einer unendlich schlimmeren Nachricht getroffen. Ein Mitglied wurde wenige Meter von den Vereinsräumen entfernt, beim Überqueren des Ampelübergangs, völlig unvermittelt erstochen. Ein Küchenmesser traf Lunge und Herz. Der Mann starb. Dringend verdächtig ist ein ebenfalls 23-jähriger Student aus Bochum. Er sitzt wegen des Verdachts des heimtückischen Mordes in U-Haft. Er soll dem Opfer auf der Alleestraße aufgelauert haben. Beide kannten sich seit mehreren Jahren.

Die Mordkommission prüft jetzt, ob der Beschuldigte auch die Droh-Mail verfasst und die Fenster zerschlagen hat. Eine Erklärung, warum der Verein so angefeindet worden ist, hat Puschner nicht. Es ist rätselhaft. Der Beschuldigte selbst war nicht Mitglied des Vereins, soll ihn aber ab und zu besucht haben.

Schon einmal in neurologischer Behandlung

Rätselhaft bleibt auch weiter das Motiv für die Messerattacke am frühen Mittwochabend. „Wir stehen noch ziemlich am Anfang“, sagt Staatsanwalt Michael Nogaj über die Ermittlungen. Schon jetzt aber erklärt er: „Ich glaube, dass das Tatmotiv nicht so ohne weiteres rational nachzuvollziehen sein wird.“ Möglicherweise wird der Beschuldigte psychiatrisch untersucht. Er soll schon einmal in neurologischer Behandlung gewesen sein.

„Es ist ein großer Verlust für uns alle“, sagt Puschner über die unbegreifliche Bluttat und das Opfer. „Das hätte nicht so sein müssen.“ Der Verstorbene, der an der Hochschule Bochum studierte, sei ein friedlicher Mensch gewesen. Schon seit 2011 gehöre er dem Verein an. Dort sei er „sehr aktiv“ gewesen und habe viele Projekte gemacht.

„Labor e.V.“ wurde 2005 gegründet und zählt rund 150 Mitglieder. Das sind nicht nur Technik-Studenten, sondern zum Beispiel auch Schüler und Rentner.

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