Wohntrend

Wohnen im Tiny House – Die wichtigsten Fragen und Antworten

Leben auf 28 Quadratmetern: Hat das Tiny House eine Zukunft?

Wohnraum ist knapp und teuer. Außerdem fehlt es an Flächen. Luisa Alvegas lebt auf 28 Quadratmetern. Hat das Leben im Tiny House eine Zukunft?

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Dortmund.  Wohntrend Tiny House: Für wen ist so ein Minihaus geeignet, was kosten sie und wo kann man sie abstellen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

In Dortmund soll demnächst eine Tiny-House-Siedlung entstehen. Aber was kostet so ein kleines Haus überhaupt. Und brauche ich dafür eine Baugenehmigung. Die wichtigsten Fragen und die Antworten darauf.

Was ist das eigentlich, ein Tiny House?

Tiny kommt aus dem Englischen und heißt winzig. Tiny Houses sind dann auch kleine, frei stehende Einfamilienhäuser mit einer Wohnfläche irgendwo zwischen 20 und 80 Quadratmeter – weitaus weniger als die 150 Quadratmeter, die Einfamilienhäuser in Deutschland üblicherweise haben.

Woher kommt der Trend?

Aus den USA. Das erste Tiny House hat allerdings der Australier Steve Areen in Thailand gebaut. Bekannt geworden ist es durch Facebook.

Wie finden Städte den Trend?

Grundsätzlich gut. „Frei stehende Häuser in den Großstädten sind echte Flächenfresser“, sagt etwa Gerald Kampert vom Stadtplanungs- und Bauordungsamt in Dortmund. „Wir müssen umweltverträgliche, flächenschonende Alternativen anbieten.“ Genau da kommen die Tiny Houses ins Spiel. Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) hält die kleinen Häuschen für einen „spannenden Ansatz“. „Sie können geeignet sein, Wohnraum etwa für Studenten oder Single-Haushalte zu bieten und Städte und Gemeinden in Bezug auf Wohnungsnot zu entlasten“, heißt es.

Gibt es denn schon konkrete Projekte?

Ja, einige wenige. Dortmund etwa plant auf einem ehemaligen Fußballplatz im Stadtteil Sölde ein Tiny House-Dorf (www.kleinehaeuserdortmund.de). „Wir bieten dort kleine, preiswerte Grundstücke und erschließen sie nach dem Bedarf der Tiny-House-Bewohner“, sagt Kampert. In Hannover soll sogar die größte Tiny-House-Siedlung Europas entstehen. Und zwar klimaneutral, mit hohen Ökostandards und zunächst für gut 210 Menschen, wie dort die Initiative Ecovillage betont. „Viele andere Städte werden sich das genau ansehen“, weiß Vera Lindenbauer, von der Schreinerei Dieckmann in Hamm, nach eigenen Angaben einer der größten Anbieter von Tiny Houses.

Wer will denn in ein Tiny House ziehen?

Gerald Kampert fallen da hauptsächlich zwei Gruppen ein. Junge Singles oder Paare, die zwar schon einen gut bezahlten Job haben aber noch nicht sagen können, wo einmal ihr Lebensmittelpunkt sein wird. „Die sind mit einem Tiny House flexibler.“ Und dann sind da noch gut situierte, ältere Menschen, die sich kleiner setzen wollen. „Wenn die Kinder weg sind, sind viele klassische Häuser zu groß.“ Und verursachen zu viel Arbeit.

Wer sollte nicht einziehen?

Jeder, der nicht bereit ist, sich von Dingen zu trennen. Im Tiny House ist kein Platz für die über Jahrzehnte zusammengetragene Schallplatten- oder Bücher-Sammlung. Und auch nicht für begehbare Kleiderschränke. „Diese Wohnform“, warnt dann auch Kampert, „ist nicht für jeden geeignet.“

Wer bietet Tiny Houses an?

In Dortmund z.B. die Firma GreenSpaces (www.greenspaces.de) Ein Musterhaus mit 40 qm Wohnfläche steht in der Rosemeyer Straße 12 (neben Parkett Dittrich / Nähe Mercedes Niederlassung). Auch die Dieckmann-Schreinerei aus Hamm hat mehrere Modelle, die man vor Ort sehen kann. (www.tiny-house-diekmann.de).

Wie hoch sind die Kosten?

Kommt wie immer auf die Größe und Ausstattung an. Das GreenSpaces Musterhaus kostet rund 120000 Euro. Ein Rohbau aus Hamm ist für 45000 Euro zu haben, mit Ausstattung fallen Minimum 60000 Euro an. Ansonsten sind die Baukosten für stationäre Tiny Houses identisch mit denen üblicher Häuser. Weil die Tinys aber kleiner sind, sind auch die Kosten – Grundstück, Betriebskosten usw. geringer.

Sind eigentlich alle Tiny Houses mobil?

In der Regel schon. Das eine mehr, das andere weniger. Wer ein Greenspaces-Modell bewegen will, muss einen Tieflader kommen lassen. Dieckmann-Varianten haben Räder. „Sie sind trotzdem keine Wohnwagen“, stellt Lindenbauer klar. Mit anderen Worten: Für wöchentlichen Standortwechsel sind sie ungeeignet.

Kann ich so ein Tiny Haus eigentlich hinstellen, wo ich will?

In den USA ja, in Deutschland nicht. Will man die Tinys als Eigenheim und festen Wohnsitz nutzen, gelten dieselben Regeln wie beim Einfamilienhaus. Man benötigt also ein erschlossenes Baugrundstück. Das heißt, das Grundstück muss an das öffentliche Straßen- und Wegenetz ebenso angebunden sein wie an das Ver- und Entsorgungsnetz.

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