Streik am Flughafen

Streik am Flughafen Düsseldorf: Passagiere bleiben entspannt

Nach einer Streikversammlung fährt Sicherheitspersonal in die Abflughalle hinunter.

Nach einer Streikversammlung fährt Sicherheitspersonal in die Abflughalle hinunter.

Foto: Fabian Strauch

Düsseldorf.  370 von 580 Flügen abgesagt. Viele Passagiere wissen Bescheid und erscheinen gar nicht erst. Manche ahnen aber: Am Ziel wird es auch nicht besser

Eine Reise für Anfänger ist das nicht. Sagt sie selbst und lächelt. Gaby Sampler macht einen langen Hals und sucht auf der Anzeigetafel ihren Heimflug nach New York: Er ist bestätigt, doch noch nicht angezeigt. „Gestern hieß es erst, ich würde über Zürich fliegen, dann, über Lissabon. Das war eine kleine Aufregung“, erinnert sich die US-Deutsche.

Heute heißt es: über Madrid. Und in New York? „Am Flughafen haben sich hunderte Zollbeamte krank gemeldet, weil die Regierung sie nicht bezahlt wegen des Haushaltstreits.“ Wirklich keine Reise für Anfänger. „Ich geh’ jetzt erst mal einen Kaffee trinken“, sagt Sampler.

Abwarten und Kaffee trinken

Das ist auch das Sinnvollste, was man am Donnerstagmorgen am Flughafen Düsseldorf tun kann: abwarten und Kaffee trinken; naja, manche bevorzugen Bier. Es ist ja auch schon fast 7 Uhr.

Wegen des Warnstreiks der Sicherheitsleute fallen hier 370 von 580 Flügen aus. Auf den Tafeln werden die Ziele boshafterweise zwar noch angezeigt – Abu Dhabi, Singapur, Punta Cana, wo der Mensch halt hin will – aber dann gleich wieder überschrieben.

„Wir sind schon zehn Stunden unterwegs“

Oft steht da „Annuliert“ . . . „Annulliert“ . . . „Annulliert“, manche Zielorte sind auch ersetzt durch ein lapidares „Morgen“ oder „Bus Paderb.“: Der Weg nach Hurghada führt heute leider über Ostwestfalen. 145 Kilometer Bus. A 2 statt Ägypten.

Uwe Jahnke jedenfalls ist gesagt worden, dass er fliegt. „Wir sind schon zehn Stunden unterwegs.“ Mittwochabend ist die Familie auf Usedom abgefahren, vorhin angekommen, hat gemacht und getan und erfahren: „Die meisten Flieger gehen nicht, aber unserer in die Dom-Rep“, sagt Jahnke. Da kommt eine Standard-Durchsage: „Achtung! Abflüge werden nicht einzeln aufgerufen.“ Welche Abflüge?

Vielleicht 100 Leute verlieren sich in der Abflughalle

Wie es aussieht, ist praktisch niemand gestrandet, haben sich alle informiert oder wurden angemailt. In der riesigen Abflughalle verlieren sich vielleicht 100 Menschen oder 150, die nicht hier arbeiten: ein schwarzer Tag für Taxifahrer, Kofferversiegler oder Flaschen-Sammler. So still war es hier nicht mehr, seit Eyjafjallajökull, der famose isländische Vulkan, mit Flugasche den Flugbetrieb vereitelte.

Die Restaurants leer, viele Saft- oder Brötchen-Theken kaum gefüllt. Am Eingang zu Terminal A laufen die paar Leute vor rote Kreuze, am Eingang C vor Absperrbänder; das bisschen Personal, das arbeitet, hat der Flughafen an B zusammengezogen, aber auch da ist der Passagierstrom ein Rinnsal.

„Sollen doch einen Flixbus nehmen“

Die Streikenden stehen unterdes draußen in der Kälte und tragen natürlich gelbe Westen: mit „Verdi“-Aufdruck, „Kötter Security“ oder „Apcoa“ (das ist das Parkplatz-Unternehmen hier). Einer von ihnen, der eben doch mit einem Passagier aneinander geraten war, verschafft sich gerade Luft: „ . . . sollen doch nen Flixbus nehmen . . . sparen sich die ganzen Kontrollen . . . ist natürlich teurer als ein Flugticket.“

Ein Fluggast im Vorbeigehen zu den Streikenden: „Hoffentlich bewirkt es was.“ Ein anderer aber schimpft: „Dass so kleine Gruppen ganze Zweige stilllegen können. Sowas gehört in die Hoheit des Staates.“

Ein Haufen Koffer und ein Haufen Ärger

Wieder drin, nah bei C, sitzt das Ehepaar Sch. aus Duisburg auf vier Rollkoffern, zwei Stück Handgepäck und einem Haufen Ärger: „Die Abläufe funktionieren nicht“, sagt sie. Am Mittwoch waren sie angerufen worden, sie sollten vier oder noch besser fünf Stunden vor dem Abflug kommen, weil die Abfertigung länger dauern werde.

„Und jetzt sind die Schalter gar nicht auf.“ Um 14.30 Uhr werden sie nach Dubai fliegen und dort auf Kreuzfahrt gehen. „Jetzt sitzt man hier und kann nichts machen“, ärgert er sich. Aber dann kippt die schlechte Laune: „Wenn nachher der Flug geht, ist alles wieder gut.“

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