DSGVO

Handschriftliche Zeugnisse - Schulen hadern mit Datenschutz

Spezielle Zeugnisprogramme können Abhilfe schaffen. Foto:Silas Stein/dpa

Spezielle Zeugnisprogramme können Abhilfe schaffen. Foto:Silas Stein/dpa

Witten.   Lehrer können Zeugnisse nicht mehr einfach so zuhause schreiben. Notlösungen müssen her, einige schreiben ihre Zeugnisse nun gar von Hand.

Seit man selbst beim Arzt ein Formular zur Datenschutzgrundverordnung unterschreiben muss, wundert fast nichts mehr. Aber handschriftliche Zeugnisse? Die Lehrer an der Grundschule Kaiserswerth in Düsseldorf wissen sich offenbar nicht mehr anders zu helfen und fliehen nun von der digitalen zurück in die analoge Welt: Sie schreiben ihre Noten und Beurteilungen von Hand und gehen damit auf Nummer sicher – was aus einer großen Verunsicherung resultiert.

Lehrer können für nichts garantieren

Denn die Lehrer müssten die Sicherheit der Daten garantieren. und das können oder wollen die wenigsten, wenn sie die Texte zuhause am vielleicht ungeschützten Privat-PC schreiben. Einige haben ihre Rechner mit einer recht teuren Zeugnissoftware nachgerüstet. Jenseits solcher Initiative macht die DSGVO Probleme vor allem an Schulen, die nur mit wenigen Computern ausgestattet sind, also vor allem an den Grundschulen, wo oft nur zwei Rechner über den städtischen Server gesichert sind: einer für die Schulleitung, einer für die Sekretärin: „Soll ich Zeiten einrichten, wann welcher Kollege den Computer nutzen darf“, fragt Susanne Daum, Leiterin der Bruchschule und Sprecherin der Wittener Grundschulen. „Selbst dann könnten die Kollegen ihre Daten untereinander einsehen.“

Aufs Handschriftliche will die Bruchschule nicht zurückfallen, aber sie hat sich eine andere Notlösung gebastelt. Die Lehrer schreiben die Texte ohne Namen. Lisa Müller wird beispielsweise zu LM2b. Die Schulleitung ersetzt dann in Sisyphosarbeit an ihrem Computer LM2b wieder durch Lisa Müller. 200 Zeugnisköpfe wurden so bereits an der Bruchschule ausgetauscht. „Und dazu haben wir eigentlich keine Zeit“, sagt Susanne Daum.

Sie begrüßt, dass der Umgang mit sensiblen Daten verschärft worden sei. „Gerade bei Kindern mit Förderbedarf, wenn zum Beispiel Daten und Gutachten zwischen Schule, Logopäde oder Psychologe verschickt werden, kann es ja nicht sicher genug sein.“ Die Schulleiterin kritisiert aber, die Art und Weise, wie die Schulen vor vollendete Tatsachen gesetzt wurden: „Wir hätten eine Übergangsfrist gebraucht. Wir habe keine Zeit und keine Ressourcen.“ Ihrer Meinung nach müssten die Kommunen den Schulen einheitliche Lösungen anbieten: Baukastensysteme, nach denen man seine Schulhomepage gestalten kann oder Programme, um die Zeugnisse zu schreiben.

Eine Folge des Zeitmangels: Die Zeugnisse für Erst- und Zweitklässler werden schlechter – was ihre Aussagekraft für Schüler und Eltern angeht. „Das sind sehr persönliche Beurteilungen, für die man sich Zeit nimmt“, sagt Alexandra Schlieper, Leiterin der Vormholzer Grundschule in Witten. „Wenn ich die nicht mehr zuhause schreiben darf, führt das zwangsläufig dazu, dass die Beurteilungen unpersönlicher werden und aus Satzbausteinen bestehen.“

>> Infobox: Viele Internetseiten sind abgeschaltet

Eine weitere Folge der DSGVO: Einige Schulen haben ihre Homepages abgeschaltet, weil Fotos der Schulkinder nur gezeigt werden dürfen, wenn von beiden Elternteilen Einverständniserklärungen vorliegen. Dies war zwar prinzipiell bereits der Fall, doch die Strafen haben sich erhöht wie offenbar die Unsicherheit.

Die Schulhomepages werden meist von technisch versierten Lehrern oder Vätern betreut. „Die juristischen Begrifflichkeiten, die keiner versteht, gepaart mit einer gestiegenen Verantwortung und dem Trend, dass Eltern sich immer schneller beschweren, macht Angst“, sagt Schulleiterin Susanne Daum.


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