Kokain aus Holland

Jagd auf Drogenschmuggler - Zoll röntgt auch komplette Lkw

Auf einem Parkplatz nahe der A40 kontrolliert der Zoll verdächtige LKW mit einer mobilen Röntgenanlage

Auf einem Parkplatz nahe der A40 kontrolliert der Zoll verdächtige LKW mit einer mobilen Röntgenanlage

Foto: Fabian Strauch / Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Es geht um Drogen, es geht um Zigaretten - mit gigantischen Röntgenanlagen jagt der Zoll Schmuggler an der Grenze zu den Niederlanden.

Frank Kimpfel kann sich noch daran erinnern, wie das war damals, als die Schlagbäume verschwanden und es keine Grenzen mehr gab in Europa. „Chaotisch“, nennt er die ersten Monate im vereinten Europa, denn: „Da gab es so gut wie keine Kontrollen und das hat sich schnell herumgesprochen.“ Lange vorbei. „Wir haben“, sagt Kimpfel, Leiter des Sachgebietes Kontrolle beim Hauptzollamt in Duisburg, „unsere Arbeitsweise dann schnell umgestellt.“ Längst gehen die Grenzschützer mit High-Tech gegen Schmuggler vor. Nicht nur, aber ganz besonders an der A 40.

Nur aus der Ferne ist die Autobahn zu hören, hier auf dem abgelegenen, aber großen Parkplatz in der der Nähe zur Grenze. Auf der die Männer des Zolls rund um die Uhr unterwegs sind in ihren Streifenwagen und zivilen Fahrzeugen.

Drei Anlagen in Deutschland – jede kostet rund 1,6 Millionen Euro

Bis sie glauben, ein verdächtiges Fahrzeug entdeckt zu haben und das Leuchtschild einschalten, auf dem steht: „Bitte Folgen.“ Dann führen sie die Lkw zum Parkplatz, wo der Schrecken aller Schmuggler schon wartet. Weiß, groß, unbestechlich. Die „Vollmobile Röntgenanlage“ – kurz VMR genannt. Ganze drei Stück davon gibt es in Deutschland, jede hat rund 1,6 Millionen Euro gekostet .

Auf dem Platz dirigiert ein Beamter die Laster unter einen großen, ausklappbaren und rechtwinkligen Röntgenarm, der selbst auf einem LKW montiert ist. Dann müssen die Fahrer aussteigen. Der Zeitverlust nervt sie, aber kein Trucker wirkt nervös. „Viele wissen gar nicht, wenn sie etwas schmuggeln“, sagt Zöllner Horst Weber (Name geändert). „Deshalb bleiben sie gelassen.“

Anlage blickt durch 280 Millimeter dicken Stahl

In einer speziell geschützten Kabine drücken die Techniker des Zolls dann auf die Knöpfe und schon fährt der gigantische Arm los und durchleuchtet Führerkabine und Aufleger. Keine Minute dauert es und der Arm ist einmal hin und her gefahren. „Wir können noch durch 280 Millimeter dicken Stahl durchgucken“, sagt Weber. Doch an diesem Tag haben sie bisher nichts gefunden – bis auf mehrere Fälle von schlecht gesicherter Ladung. Aber das übernehmen dann die Kollegen vom Bundesamt für Güterverkehr (BAG).

„Grundsätzlich“, sagt Kimpfel, „sind die Zugriffszahlen hoch derzeit.“ Oft geht es um Drogen und Medikamente. 90 Kilogramm illegale Drogen hat der Zoll im Jahr 2018 sichergestellt. 18 Kilogramm Kokain und Heroin, sechs Kilogramm Amphetamine, 65 Kilogramm Marihuana und Haschisch sowie 15.866 Ecstasy-Tabletten. Derzeit werden vor allem Kokain und Amphetamine geschmuggelt, Heroin eher weniger, Cannabis kaum noch. Momentaufnahmen all das. „Kann sich immer wieder ändern“, weiß Kimpfel aus Erfahrung. Lässt sich auch nicht wirklich erklären. Möglicherweise, heißt es bei den Fahndern, habe Kokain mittlerweile einfach ein besseres Image als Heroin. Eher Schicki-Micki-Party als

Bahnhofstoilette. „Außerdem schnupfen die Leute lieber, als dass sie spritzen.“

Zigaretten kommen immer öfter über die Seehäfen ins Land

Zigaretten sind auch immer noch ein Thema. Sie kommen – gefälscht und unversteuert - immer öfter nicht über die Ostroute via A2, sondern über die großen Seehäfen wie Rotterdam. Genau wie der Shisha-Tabak, der immer beliebter wird. 1000 Kilogramm Tabakwaren haben die Beamtinnen und Beamten 2018 sichergestellt. Ein Jahr zuvor waren es nur 90 Kilogramm.

Und dann ist da noch der Kaffee. Der ist legal, muss aber versteuert werden. Wird er aber oft nicht. Im gesamten Jahr 2018 wurden durch die Kontrolleinheiten über 30 Tonnen unversteuerter Kaffee sichergestellt. 21 Tonnen davon, bei einer einzigen Kontrolle auf der A3.

Ob sie mehr finden würden, wenn es wieder eine Grenze gäbe? Kimpfel glaubt das nicht. „Ja, früher war das Netz der Kontrollen engmaschiger.“ Aber heute wäre das so kaum möglich. „Dafür ist das Verkehrsaufkommen in den vergangenen 25 Jahren viel zu groß geworden.“

„Wir haben klar gemacht: Es gibt keine Freifahrtscheine“

Natürlich wissen die Zöllner, dass sie nicht jeden erwischen. Aber darum gehe es auch nicht, das betonen sie alle. Wichtig sei es, „ein Gefühl der Unsicherheit auf der Gegenseite“ zu erzeugen. Ein Gefühl, dass man jederzeit erwischt werden könnte. Der Zoll sieht sich auf einem gutem Weg. „Wir haben den Menschen klar gemacht“, sagt Kimpfel, „dass es auch nach dem Wegfall der Grenzen keine Freifahrtscheine gibt.“

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