Bauen

Ruhrgebiet: Fünf Bauprojekte greifen nach den Sternen

So soll die neue Firmenzentrale von Ardex in Witten einmal aussehen.

So soll die neue Firmenzentrale von Ardex in Witten einmal aussehen.

Foto: Ardex / Handout

Ruhrgebiet.  Im Ruhrgebiet wird viel von der Stange gebaut. Doch momentan gibt es einige ungewöhnliche Projekte – bis hin zu einer ganz neuen Altstadt.

Der blaue Himmel lacht gerade Witten an, da kommt man sich schon einmal näher: Der „Ardex-Tower“ im Stadtteil Annen soll 90 Meter hoch werden – der höchste Neubau im Ruhrgebiet seit mehr als zehn Jahren. Der Bauherr spricht von einer „Orientierungs- und Identifikationsmarke für Stadtbewohner, Mitarbeiter und Besucher des Unternehmens“. Nach Plänen des Architekten Gerhard Spangenberg aus Berlin.

Ardex ist ein 70 Jahre altes Familienunternehmen und nach eigener Darstellung „Weltmarktführer für bau-chemische Spezialbaustoffe“. Zahlen gibt es nicht, nur eine pauschale Angabe: 100 Millionen Euro will man insgesamt ausgeben für das Hochhaus als neuem Firmensitz, für den Ausbau der Produktion und das neue Logistikzentrum. Mit dem Baubeginn rechnet man in Witten „bald“. 2022 soll der Bau an den Wolken kratzen.

Duisburg: Eine neue Altstadt nach den alten Maßen

So ein Bauzaun um eine Brache ist ja immer auch ein Versprechen. Und wenn dann noch ein Plakat daran hängt: „Ich sehe was, was du noch nicht siehst.“ Der Bauzaun steht mitten in Duisburg, nicht weit vom Rathaus. In den letzten Jahren haben Archäologen hier 25 bis 30 Fundamente ausgegraben aus der mittelalterlichen Vergangenheit der Stadt, haben alles dokumentiert und wieder zugeschüttet.

Jetzt entsteht hier das „Mercatorviertel“: Angelehnt an die alten Grundrisse, Maße und Gassen, soll das Gelände mit 350 Wohnungen bebaut werden. Enger, schmaler, heimeliger. Eine Altstadt für Duisburg. „Lasst uns den Duisburgern ihre alte Stadtmitte wiedergeben“, sagt Oberbürgermeister Sören Link (SPD).

Und der Duisburger Mittelalterarchäologe Thomas Platz hofft, die Stadt könne „viel Flair zurückgewinnen“.

Bochum: Erstmals seit langem wieder eine Markthalle im Ruhrgebiet

Gegenüber dem Bochumer Rathaus steht ein Klotz aus rotem Ziegel, so zentral und nicht genutzt, ein Jammer. Doch Ende 2019 gab es in dem dazugehörigen Architekturwettbewerb einen Sieger (Cross Architecture Aachen), und nun werden die Arbeiten irgendwann beginnen. Der Klotz wird für vorgesehene 90 Millionen Euro das „Haus des Wissens (HdW)“ für Stadtbücherei, Volkshochschule und den Bochumer Hochschulverbund „Univercity“ – und das ist noch nicht der Clou.

Der Clou ist die geplante Markthalle im dann überdachten Innenhof, heute parken dort Mitarbeiter der Stadtverwaltung ihre Autos rum. Das ganze Ruhrgebiet hat seit Jahrzehnten keine Markthalle mehr. Hier sollen täglich frische, besonders gute Lebensmittel verkauft werden. Sozusagen eine Etage „KaDeWe“ in HdW. Im Essener Norden plant ein privater Investor etwas Ähnliches.

Dortmund: Neue Uni-Bibliothek mit Strahlkraft für die Region

In Dortmund haben sie so lange über den Umbau der alten Universitätsbibliothek geredet, dass nun ein kompletter Neubau daraus wird. Wie die neue Bücherei der Hochschule aussehen soll, daran arbeitet das Berliner Architekturbüro Max Dudler. Es hat in der Vergangenheit bereits mehrere andere Universitäts- und Bibliotheksgebäude in Deutschland geplant.

„Hier entsteht ein Gebäude, das weit über Dortmund hinaus Strahlkraft für die Region haben wird“, sagt Rektorin Ursula Gather. Im Jahr 2025 soll es jetzt soweit sein, die Kosten belaufen sich wohl auf eine hohe zweistellige Millionensumme. Mit der neuen Bibliothek werden sich auch die Abläufe ändern, denn es dreht sich nicht mehr alles um das gedruckte Buch. Stattdessen soll das Lernen Vorrang erhalten an vielen neuen PC-Arbeitsplätzen. Nach Zahlen der Technischen Universität selbst hat sich die leibhaftige Entleihe seit 2008 geviertelt, dafür gibt es MIllionen Zugriffe auf E-Bücher.

Essen: Neue Hochtief-Zentrale mit begrünten und benutzbaren Innenhöfen

Für den Neubau seiner Firmenzentrale hat Deutschlands größter Baukonzern „Hochtief“ die bestehende Zentrale zurückgekauft. Am traditionellen Standort am Essener Opernplatz sollte der denkmalgeschützte Teil der bisherigen Immobilie eigentlich integriert werden in die neue, doch das geht nicht. Er verschwindet.

Für diesen Neubau hat der Konzern fünf Architekturbüros aus verschiedenen Ländern zu einem Gestaltungswettbewerb eingeladen. Die Entscheidung fiel für den Entwurf von „slapa oberholz pszczulny / sop Architekten“ aus Düsseldorf. Vorgesehen ist ein sechsgeschossiges Gebäude mit begrünten und nutzbaren Innenhöfen und Dachbereichen. Die geplante Zentrale, sagt Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU), „fügt sich städtebaulich gut in das Viertel ein“. Sie steht bei RWE-Turm und Aalto-Theater. Im Frühjahr beginnt der Abriss der alten. „Man muss auch Abschied nehmen können“, sagt Essens Planungsdezernent Hans-Jürgen Best.

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