Silvester

Ruhrgebiet erlebt Silvester eher als stille Nacht

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Rakete und Rauschwaden wie hier in Witten waren in der Silvesternacht deutlich weniger zu sehen als sonst.

Rakete und Rauschwaden wie hier in Witten waren in der Silvesternacht deutlich weniger zu sehen als sonst.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Ruhrgebiet.  Wenig Feuerwerk, wenige Menschen draußen: Das war ein eher ruhiges Silvester. Die Polizei sammelte vor allem Schreckschusswaffen ein.

Hier böllert sonst der Bär. Vor dem Bochumer Schauspielhaus treffen sich zu Silvester eigentlich hunderte, sie knallen, trinken, feiern. Und diesmal? Findet man da morgens früh genau zwei Schachteln von Konfettikanonen, eine leere Packung Wunderkerzen, 13 Luftschlangen und eine kleine Flasche Bier. Na, sie ist wenigstens leer.

Das war nicht Silvester, das war die Stille Nacht im Ruhrgebiet. Es gibt Raketen und Feuerwerk, aber wenig. Es sind Leute auf der Straße, aber in der Regel zu zweit, dritt, viert. Es wird geknallt, wo es erlaubt ist - aber in den Verbotszonen auch nicht. Die Leute halten die Corona-Regeln ein. Und das kalte, feuchte Wetter macht auch nicht gerade Lust auf draußen.

Etliche Menschen beschwerten sich, dass überhaupt geknallt wurde

Kurioserweise zählt die Polizei in den Revierstädten etliche Anrufe von Leuten, die sich über das Böllern an sich beschweren - weil sie fälschlich annehmen, es sei verboten. In den lokalen Bilanzen von Polizei und Feuerwehr finden sich ansonsten vor allem die Wörter ruhig, "äußerst ruhig" (Feuerwehr Essen), "verhältnismäßig ruhig" (Polizei Bochum) oder auch die Variante "ruhiger als gewohnt" (Feuerwehr Oberhausen).

Die Essener Polizei hat es in der Nacht unter anderem mit Randalierern auf einem Marktplatz zu tun, die Haltestellen und Sitzbänke zerstörten. Und aus einer anderen Gruppe von circa 30 Jugendlichen werden Knaller auf Feuerwehrleute und Polizisten geworfen. Niemand wird verletzt, die Polizei nimmt einen 16-Jährigen fest: "Nach Abschluss der Maßnahmen wurde er seinen Erziehungsberechtigten übergeben", heißt es.

In Hagen angekündigter "Krieg gegen die Polizei" ist ausgeblieben

In Bochum wird die Polizei kurz vor Mitternacht alarmiert, dass eine Gruppe von Männern mit Schreckschusspistolen in die Luft schießt. Als Zivilbeamte sich ihnen nähern und sich zu erkennen geben, versucht ein 26-Jähriger zu fliehen. Die Polizei nimmt ihn in Gewahrsam und stellt eine Pistole sowie illegale Feuerwerkskörper sicher.

In Hagen hatte die Polizei sich auf eine schwierige Nacht vorbereitet, weil im Internet zu einem "Krieg gegen die Polizei" aufgerufen wurde. Auch ein Staatsanwalt und ein Richter sitzen in Bereitschaft, doch der "Krieg" bleibt aus. Auch hier kommen zwei junge Männer in Gewahrsam, die mit Schreckschusswaffen hantiert hatten.

Polizei nimmt Mann mit und entdeckt Haftbefehl gegen ihn

In Gelsenkirchen geraten ein Vater und sein Sohn dermaßen aneinander, dass die Polizei hinzugerufen wird. Die beiden wenden sich gegen die Beamten und werden wegen Widerstands in Gewahrsam genommen. Auf der Wache stellt sich heraus, dass gegen den Sohn ein Haftbefehl vorlag. Dort sitzt er nun.

Und der Rest vom Fest? Was immer passiert: Hier und da brennen Mülltonnen oder Container, es gibt Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, betrunkene Autofahrer und hilflose Personen - aber alles in weit geringerer Zahl als sonst. Bei einer einzigen Ordnungswidrigkeit sind die Zahlen von null aus angestiegen: bei Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnung. Zu viele Leute auf der Straße beisammen, zu viele Haushalte in einer Gruppe vertreten: Aber eine echte Größenordnung erreicht auch das nicht.

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