Großdemo

10.000 Kurden demonstrieren in Köln für Frieden in Syrien

Kurden und Demonstranten aus dem linken Spektrum demonstrieren am Samstag, 19. Oktober 2019, bei einem Marsch in der Kölner Innenstadt. 10.000 Menschen gingen auf die Straße, um ihren Unmut über die Türkische Militär-Offensive in Nordsyrien zu äußern - die Proteste verliefen friedlich. Viele Menschen waren eigens aus dem Ruhrgebiet angereist. Die Veranstalter hatten mit mehr Aktivisten gerechnet.

Kurden und Demonstranten aus dem linken Spektrum demonstrieren am Samstag, 19. Oktober 2019, bei einem Marsch in der Kölner Innenstadt. 10.000 Menschen gingen auf die Straße, um ihren Unmut über die Türkische Militär-Offensive in Nordsyrien zu äußern - die Proteste verliefen friedlich. Viele Menschen waren eigens aus dem Ruhrgebiet angereist. Die Veranstalter hatten mit mehr Aktivisten gerechnet.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Köln.  Unter den rund 10.000 Teilnehmern der Demo in Köln waren viele Menschen aus dem Ruhrgebiet. Die Veranstalter hätten mit mehr Menschen gerechnet.

Trotz befürchteter Ausschreitungen haben am Samstag nach Schätzungen der Polizei rund 10.000 Menschen gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien demonstriert. Die Lage blieb weitgehend friedlich, gegen 15 .30 Uhr hatte sich die Demo weitgehend aufgelöst - wohl nicht zuletzt wegen des heftigen Regens, der über der Domstadt niederging.

Am Mittag hatte die Polizei hunderte Flaggen und Transparente kontrolliert. Darunter waren zahlreiche Flaggen mit dem Emblem der "YPG", dem Zusammenschluss kurdischer Milizen in Syrien. Auf Transparenten war unter anderem zu lesen: „Keine Deals mit dem AKP-Regime“ oder „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“. Unter den Demonstranten waren auch zahlreiche Flüchtlinge, die aus dem betroffenen Kriegsgebiet in Nordsyrien stammen.

Unter den Demonstranten sind auch Flüchtlinge aus Nordsyrien

Darunter etwa Ali (18) aus Bochum: Er flüchtete selbst aus dem umkämpften Gebiet in Nordsyrien, will mit seiner Teilnahme an der Demo ein Zeichen setzen: "Das ist meine Heimat, meine Familie, mein Alles. Ich bin nicht in Syrien aber ich möchte etwas tun", sagte er am Ebertplatz. Dort hatten sich die Teilnehmer aus dem Ruhrgebiet versammelt, um gemeinsam loszuziehen: begleitet von einem riesigen Polizeiaufgebot

Dabei betonten viele Demonstranten, wie friedlich sie sind, etwa die Krankenschwester Mizigin (25) aus Gelsenkirchen. Sie war nach ihrer Nachtschicht um 7 Uhr direkt nach Köln gefahren: "Wir tragen so viel Leid in uns und müssen für den Frieden in unserer Heimat kämpfen", sagte sie und fügte hinzu: "Wir haben unter den Türken gelitten und jetzt sollen wir Kurden die Terroristen sein." Selbst in Deutschland würden die Kurden nicht in Ruhe gelassen, kommentierte die junge Kurdin das riesige Polizeiaufgebot.

Polizei korrigiert Teilnehmerzahl am Nachmittag auf 10.000 Menschen

Tatsächlich war die Polizei auf Nummer sicher gegangen und war mit mehreren Hundertschaften und Wasserwerfern vor Ort. Nicht zuletzt der heftig einsetzende Regen sorgte wohl dafür, dass die Teilnehmerzahlen unter den Erwartungen bleiben. Nach ersten Angaben der Polizei beteiligten sich rund 10.000 Menschen an der Demo: die Polizei hatte noch am Freitag mit rund 20.000 Demonstranten gerechnet.

Gegen 14.30 Uhr trafen die ersten Demonstranten zur Abschlusskundgebung am Hohenzollernring ein. PKK-Rufe wurden dabei von den Demonstranten sofort niedergepfiffen, es blieb friedlich. Die Polizei hatte den Zug lediglich wegen nicht erlaubter Pyrotechnik zwischendurch immer wieder anhalten müssen.

Lagen zwischen Türken und Kurden im Ruhrgebiet ist seit Tagen angespannt

Die Lagen zwischen Türken und Kurden im Ruhrgebiet ist seit Tagen angespannt: Am Mittwochabend war in Bottrop eine Kundgebung eskaliert, nachdem es aus beiden Lagern Schmähgesänge gegeben hatte und türkischstämmig Gegenprotestler das Zeichen der nationalistischen Grauen Wölfe gezeigt hatten. Acht Menschen wurden verletzt, darunter fünf Polizisten.

Aufgeheizte Atmosphäre zwischen Türken und Kurden

In Lüdenscheid hatte es während einer Mahnwache einen Massenschlägerei zwischen Kurden und Türken gegeben, ein 50-Jähriger war durch einen Messerstich in den Rücken schwer verletzt worden. Der Täter ist bislang nicht gefasst, Mordkommission und Staatsschutz ermitteln.

Die beiden Vorfälle zeigen, wie aufgeheizt die Stimmung zwischen beiden Lagern ist. „Noch nie in meinem Leben ist mir ein solcher Hass begegnet“, sagte etwa der Organisator der Mahnwache nach dem Vorfall in der Innenstadt von Lüdenscheid. Vor diesem Hintergrund appelliert Kölns Polizeipräsident Uwe Jacob an alle Beteiligten, sich friedlich zu verhalten. „Wir werden mit der Bereitschaftspolizei und Zivilkräften die Augen offen halten und unser Möglichstes tun, um Provokationen früh zu erkennen, sie zu unterbinden und Ausschreitungen zu verhindern“, sagte Jacob.

Polizeichef Jacob hatte im Vorfeld auch einen Brief an den türkischen Generalkonsul geschrieben, damit dieser ebenfalls an seine Landsleute appelliert: „Da wir um die emotionale Betroffenheit der hier lebenden Menschen wissen, die Verwandte und Freunde im umkämpften Gebiet haben, haben wir auch schon seit Tagen Objekte und Einrichtungen im Visier, die einen Bezug zu dem Konflikt im Nahen Osten haben.“

Demo-Anmelder rechnet mit 15.000 Teilnehmern - aber auch weitaus mehr möglich

Zwei linke Bündnisse hatten unter dem Motto „Gegen den türkischen Angriffskrieg in Nordsyrien - Solidarität mit Rojava“ als Veranstalter rund 15.000 Teilnehmer angemeldet. (mawo/ JeS/ mit dpa)

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