Medizin

Patientenschützer wollen auch Infusionen kontrollieren

Was Patienten bekommen, soll besser kontrolliert werden.

Foto: Sven Hoppe/dpa

Was Patienten bekommen, soll besser kontrolliert werden. Foto: Sven Hoppe/dpa

Bottrop/Düsseldorf.   Nach dem Krebsmittel-Skandal von Bottrop: Neuer Erlass von Gesundheitsminister Laumann ist für Patienten „überfällig“, aber nicht ausreichend.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bald ein Dreivierteljahr ist es her, dass der Bottroper Apotheker Schlagzeilen machte: jener Peter S., der über Jahre Krebsmedikamente bis zur Wirkungslosigkeit verdünnt und teuer verkauft haben soll. Neun Monate, in denen immer noch nicht alle Patienten und Hinterbliebenen wissen, ob sie betroffen sind.

Neun Monate, in denen sie fordern, dass Vergleichbares nicht wieder passieren kann. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat reagiert: Per Erlass forderte er Städte und Kreise auf, Apotheken strenger zu überwachen. Bei unangemeldeten Inspektionen müssen nun insbesondere das Personal und die Herstellung von Infusionen kontrolliert werden.

Laut Anklage soll der Bottroper Pharmazeut in seiner Schwerpunktapotheke in mindestens 62.000 Fällen Infusionen gepanscht und dabei auch unhygienisch gearbeitet haben. Dabei beziehen sich die Ermittler nur auf die letzten fünf Jahre und den finanziellen Schaden, der allein den gesetzlichen Krankenkassen entstanden sein soll.

Stiftung Patientenschutz geht die Neuregelung nicht weit genug

Laumann erhofft sich von seiner Anordnung eine „intensivere amtliche Überwachung. Gerade Patienten, die eine medikamentöse Krebstherapie erhalten, müssen darauf vertrauen können, dass sie die richtigen Arzneimittel in der richtigen Zusammensetzung erhalten“, erklärte der Minister.

„Überfällig“ nennt Deutschlands oberster Patientenschützer Eugen Brysch den Erlass aus Düsseldorf. Die anderen Bundesländer müssten hier „umgehend nachziehen“. In Deutschland gibt es zwischen 200 und 300 vergleichbarer Schwerpunkt-Apotheken.

Ohnehin geht dem Vorstand der Stiftung Patientenschutz die Neuregelung nicht weit genug: Nötig sei auch eine Kontrolle der Medikamente – was das Bundes-Arzneimittelgesetz sogar vorsieht. Nicht verbrauchte individuelle Infusionen, so Brysch, müssten zentral gesammelt und stichprobenartig untersucht werden. „Bottrop war auch möglich, weil die Rückläufer wieder an die Apotheke gingen.“ Der Skandal war aufgeflogen, als eine Mitarbeiterin einen Infusionsbeutel nicht zurücknahm, sondern zur Polizei brachte.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik