Nordstadt

Nordstadt-Kampagne mit Bosheiten soll Vorurteile entkräften

Böse Sprüche hängen vor sanierten Fassaden, wie hier in der Unnaer Straße.

Böse Sprüche hängen vor sanierten Fassaden, wie hier in der Unnaer Straße.

Foto: Jakob Studnar / FUNKE Foto Services

Dortmund.  „Da sieht’s doch aus wie Sau“: Solche Sprüche über die Dortmunder Nordstadt hängen jetzt: in der Nordstadt. Damit sie widerlegt werden.

Wenn du die Dortmunder Nordstadt in die Pfanne hauen willst, frag einfach die Dortmunder. „Da gibt’s doch nur Bruchbuden“, haben sie in einer Umfrage im Stadtkern gesagt, „Da willste nicht tot über’m Zaun hängen“ oder „Da sieht’s doch aus wie Sau.“ Und jetzt stehen die derben Sprüche auch noch auf Plakaten. In der Nordstadt. Was das jetzt wieder soll?

Wenn man genauer hinschaut, stehen sie nicht an den typischen, sondern an den schönen Ecken. An den großartigen Fassaden des Borsigplatzes. Oder an den renovierten Mietshäusern der Unnaer Straße: Balkone, Fassaden, Außenanlagen, Videosprechanlagen, Kunst am Bau – alles neu. Nein, die plakatierten Sprüche sind eine Imagekampagne, die allerdings auch Widerspruch erfährt.

Pauschalurteile sollen durch „spannende und überraschende Fakten“ widerlegt werden

Die Gelsenkirchener Wohnungsgesellschaft Vivawest hat 365 Wohnungen im Nordstadt-Viertel Borsig-West für 17 Millionen Euro saniert. Sie hat da noch 470 weitere, die für noch mehr Geld auch saniert werden in den nächsten Jahren. Und dann am Markt bestehen müssen. In der verrufenen Nordstadt.

Als die Kampagne dieser Tage auf einer Pressekonferenz vorgestellt wird, sagt Karin Fuchs aus dem Vivawest-Marketing daher: „Uns war klar, dass das Image des Viertels nicht besonders gut ist. Da haben wir uns für diesen provokanten Ansatz entschieden.“ Pauschalurteile, heißt es, sollten durch spannende und überraschende Fakten widerlegt werden, zum Beispiel auch hier: www.borsig-west.de

Manche Anwohner fühlen sich beleidigt: Vivawest plant Aufklärung der Mieter

Freilich gibt es auch Anwohner hier, die nehmen die Sprüche eins zu eins. Die sagen, „ich bin schockiert“, oder: „Wir sind alle sehr unzufrieden mit den Plakaten.“ Sätze sind das, die Dortmunds Oberbürgermeister und Kampagnen-Unterstützer Ullrich Sierau (SPD) so versteht: „Das ist doch das Tolle, dass die Einwohner sagen, bei uns ist es ganz anders.“ Zunächst war noch nicht einmal klar gewesen, wer die Plakate überhaupt aufgestellt hatte, und Anwohner riefen die Medien zu Hilfe.

Man habe, sagt die Marketing-Frau Fuchs nun, bereits jetzt „durch die kontroverse Debatte Aufmerksamkeit erzeugt. Die Vorurteile werden diskutiert und widerlegt.“ Aber jedenfalls wolle man „die Mieter in den nächsten Wochen aufklären, warum wir diesen krassen Weg gegangen sind“.

Übrigens sind die abschätzigen Sprüche auf den Großplakaten inzwischen unterlegt nur mit den allerschönsten Fotos: Junge Menschen gucken in schicken Wohnungen in Laptops, stehen vor freundlichen Fassaden, und eine Nachbarschaft grillt im grünen Innenhof. Hof, Fassaden und Wohnung sind echte Nordstadt, die abgebildeten Menschen sind Models. Allerdings, sagt Sierau auf die entsprechende Frage geistesgegenwärtig, „haben die Models alle gesagt, sie wollen jetzt da wohnen“.

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