Tanklasterunglück

Noch zwei Brücken fallen: A40 muss erneut gesperrt werden!

Der Tanklasterunfall vom 17. September hat weitere, dramatische Folgen: Noch zwei weitere Bahnbrücken sind so stark beschädigt, dass sie abgerissen werden müssen

Der Tanklasterunfall vom 17. September hat weitere, dramatische Folgen: Noch zwei weitere Bahnbrücken sind so stark beschädigt, dass sie abgerissen werden müssen

Foto: Oliver Müller / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  Hiobsbotschaft für Bahnpendler und Autofahrer im Revier: Es kommt zu weiteren Sperrungen der A40 und monatelangen Behinderungen für Bahnkunden.

Das Tanklasterunglück auf der A40 am 17. September hat noch weit schwerwiegendere Folgen für die Infrastruktur vor allem der Bahn als bislang bekannt. Zwei weitere Eisenbahnbrücken über die A40 nahe der Unglücksstelle in Mülheim-Styrum sind nach Informationen dieser Zeitung irreparabel beschädigt und müssen in den nächsten Wochen abgerissen werden. Die Autobahn A40 wird deswegen ab dem 4. Dezember vermutlich für zehn Tage gesperrt, für Bahnkunden bedeutet dies einen monatelangen Ausfall der S-Bahnlinie 3 zwischen Oberhausen und Styrum sowie des RE49 (Wesel-Wuppertal).

Die Begutachtung der Bauwerke hat ergeben: Die enorme Hitzeentwicklung des Tanklasterbrandes hat demnach die äußerlich unversehrt aussehenden Brücken in ihrem Innenleben so stark beschädigt, dass Gutachter ihre Tragfähigkeit in Zweifel ziehen. Die Brücken sind folglich für Züge nicht mehr passierbar und müssen weg - dabei sind sie erst 55 Jahre alt. Für Brücken fast nichts.

Das bedeutet für die Autofahrer: Mindestens für die Dauer der Abrissarbeiten wird die A40 zwischen dem Kreuz Duisburg-Kaiserberg und der Anschlussstelle Mülheim-Styrum erneut gesperrt werden müssen. Nach dem Unfall vom 17. September war die A40 rund zwei Wochen dicht, jetzt jedoch kann man den Abriss planmäßig vorbereiten. Die Verantwortlichen haben bewusst die erste Dezemberhälfte ins Auge gefasst.

S-Bahnstrecke Mülheim-Oberhausen fällt monatelang aus

Und das hat auch für Bahnreisende erhebliche Folgen: Auf einer der irreparabel beschädigten Brücken verläuft die S-Bahnlinie 3 (Oberhausen-Mülheim-Essen-Hattingen), zudem verkehrt dort der RE 49 (Wesel-Oberhausen-Essen-Wuppertal). Besonders ärgerlich aus Bahnsicht: Die Brücke 2 muss ebenfalls weg. Auf ihr liegt ein Güterzuggleis liegt, das vor allem der Anbindung des Stahlröhrenwerks dient.

Doch über dieses Gleis hätte man zumindest den RE 49 umleiten können. Der hätte dann zwar den Halt in Mülheim-Styrum auslassen müssen und in Richtung Essen gewissermaßen gegen die übliche Fahrtrichtung rollen müssen, jedoch wenigstens eine notdürftige Verbindung auf dem Schienenweg zwischen Oberhausen und Mülheim sichergestellt.

Sperrung von Bahnstrecke und Autobahn ab dem 3. Dezember 2020 geplant

So aber müssen Bahnpendler mindestens monatelang auf Ersatzbusse ausweichen, die erwartungsgemäß während der A40-Sperrung ebenfalls im Stau stehen werden. Derzeit fahren nur sehr eingeschränkt Züge. Nach Angaben des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) fahren normalerweise insgesamt etwa 700 bis 800 Züge am Tag auf dieser Eisenbahnstrecke. Die A40 ist nicht nur für etliche Pendler eine wichtig Verkehrsader, sie ist auch eine bedeutende Transitstrecke für den Fernverkehr. Nach Angaben des Landesbetriebes Straßen.NRW fahren etwa 70.000 bis 90.000 Fahrzeuge pro Tag in dem Bereich der A40.

Die Bahn will im Zeitraum vom 3. bis 14. Dezember ihre Bauarbeiten bündeln - vom 2. bis 7. Dezember war ohnehin eine komplette Sperrung der Strecken zwischen Duisburg, Oberhausen und Mülheim geplant. In der jetzt verlängerten Sperrpause sollen die beiden Brücken fallen, gleichzeitig aber die Behelfsbrücken für die Strecke Essen-Duisburg eingebaut werden.

Behelfsbrücke: Fahrzeit zwischen Essen und Duisburg verlängert sich

Ab nächste Woche beginnen die Bohr- und Betonarbeiten für die Widerlager der Brücken. Nach dem Einbau der Behelfsbrücken in der ersten Dezemberhälfte dauert es schätzungsweise bis zum Jahreswechsel, ehe der Bahnverkehr auf der wichtigsten Ost-West-Verbindung im Ruhrgebiet wieder weitgehend planmäßig laufen.

Kleine Einschränkung: Die Behelfsbrücken bremsen die Züge etwas, statt der üblichen 140 bis 160 km/h dürfen sie nur mit 90 bis 100 km/h passiert werden. Die Fahrzeit zwischen Essen und Duisburg würde sich daher vor allem im Fernverkehr um ein bis zwei Minuten verlängern - für die Züge der S1 mit Halt in Styrum ändert sich fast nichts, weil die Brücke ziemlich direkt hinter dem Bahnhof liegt und die Züge dort noch nicht so schnell sind.

Auch für die Brücke Nummer 3, also für S-Bahnlinie 3 Mülheim-Oberhausen und den RE49 (Wesel-Oberhausen-Essen-Wuppertal) wird eine Behelfsbrücke erwogen. Wann diese jedoch eingebaut wird (mit erneuter Sperrung auch der A40, ist derzeit noch völlig offen.

Lichtblick: RRX-Linie RE6 nimmt Betrieb ab 2. November wieder auf

Einen kleinen Lichtblick für Bahnreisende im Revier gibt es jetzt schon: Ab dem 26. Oktober fährt die S 1 von Duisburg kommend bis Mülheim-Styrum und von dort auch wieder zurück nach Duisburg und Düsseldorf - quasi auf dem „falschen“ Gleis gegen die gewohnte Fahrtrichtung. Fahrgäste können dann in Styrum auf die S-Bahnen Richtung Hattingen und Dortmund umsteigen.

Hinzu kommt abb dem 2. November wird der RE 6 wieder durchgehend vom Flughafen Köln/Bonn über Düsseldorf nach Dortmund und weiter nach Minden fahren. In Richtung Minden nimmt er den Weg über Mülheim und Essen, in Richtung Köln muss er bis auf weiteres über Gelsenkirchen Essen-Altenessen und Oberhausen umgeleitet werden. Vorteil: Neben den besseren Verbindungen nach Köln und Ostwestfalen: die Linie RE6 ist bereits mit RRX-Zügen ausgestattet, die mehr Platz bieten.

Um allerdings entsprechend Platz auf dieser Strecke zu schaffen, muss der RE3 weichen, der sonst von Düsseldorf nach Hamm über diese Strecke fährt und nun lediglich zwischen Essen und Hamm über Bochum pendeln wird.

Leserkommentare (7) Kommentar schreiben