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Neue Radtouren am Ruhrtalradweg – falls es mal voll wird

Abwechslung ist Trumpf auf dem Ruhrtalradweg: Speziell an den Seen kann es an sonnigen Wochenenden auch voll werden.

Abwechslung ist Trumpf auf dem Ruhrtalradweg: Speziell an den Seen kann es an sonnigen Wochenenden auch voll werden.

Foto: Kai Kitschenberg

Ruhrgebiet.  Der Ruhrtalradweg ist das Zweirad-Highlight der Region. Doch einige wenig bekannte Tagestouren versprechen in Corona-Zeiten mehr Freiraum.

Von Winterberg bis Duisburg: Burgen und Ruinen, Industriekultur und Landschaftskunst, Hafencharme und Idylle – der Ruhrtalradweg ist zu Recht das Zweirad-Highlight der Region. Mittlerweile haben auch 80 Prozent der Cafés, Restaurants und Herbergen wieder geöffnet, die sich auf Radler spezialisiert haben, verspricht „Ruhr Tourismus“. Doch entsprechend voll kann es auf der Strecke an schönen Wochenenden werden. Darum gibt es Alternativen. Doch man muss die Kaue im Dorf lassen, die Engpässe betreffen wirklich nur Punkte wie den Baldeneysee, wo auch Spaziergänger dazukommen.

Der Ruhrtalradweg

240 Kilometer sind es von der Quelle auf dem Ruhrkopf bis zur Mündung in den Rhein in Duisburg. Voll wird es nur dort, wo sich ohnehin viele Ausflügler tummeln: etwa um den Kemnader und den Baldeneysee. In weiten Teilen und zu den meisten Zeiten kann man den Ruhrtalradweg gut befahren ohne Abstandsprobleme.

Dank hervorragender Bahnanbindungen lässt sich die Strecke nach Belieben und Fitness in Abschnitte unterteilen. Zum Beispiel von Winterberg bis Arnsberg (64 km), weiter bis Hagen (65 km), nach Essen (63 km) und noch ein kleines Stück nach Duisburg (38 km). Der erste Tag bietet: Nadelhölzer, sanfte Hänge, geschieferte Häuser, schmucke Dörfchen und den Hennesee. Am zweiten Tag ist die Ruhr schon ein mitreißender Fluss, der Inselchen bildet, Heimat von Eisvögeln. Immer wieder diese typischen Sauerländer Gewerbestreifen: Werkzeugbarone, Heftzweckenherzöge und Lampenkönige. Dann die Mündung der Möhne und Auelandschaft.

Der Fluss ist das größte Denkmal der Industriekultur

Am dritten Tag entern wir das östliche Ruhrgebiet, das Harkort-Land, geprägt von Friedrich Harkort, dem Eisenbahnpionier. Der Harkortsee, das Ruhr-Viadukt in Herdecke (von 1879) für seine Eisenbahn. Und die Burgruine Wetter, der er seine Dampfmaschinenfabrik aufpfropfte. Zu sehen ist sie nicht mehr, aber vielleicht wird eben hier die Ruhr zu dem Fluss, der den Ruhrgebietsbewohnern ihre Geschichte flüstert. Nun, das größte Industriedenkmal ist wohl der Fluss selbst, die wiederauferstandene Industrieleiche. An die Zeit davor erinnern die Hattinger Altstadt und die Burgruine Hardenstein, wo der Zwergenkönig Goldemar einen vorwitzigen Küchenjungen gebraten haben soll.

Der vierte Tag führt uns rasch nach Werden und Kettwig – ein zweites Frühstück? Und weiter nach Mintard, dieses hübsche Dorf unter der Ruhrtalbrücke – welch ein Kontrast: Pferde vor Fachwerk und darüber dieses brutalistische Monument. Auf die Rohrkolben, Eschen und Schwarz-Erlen der Mülheimer Aue folgen ein kleiner und bald ein gigantischer Hafen: Duisburg, rau und herzlich-erzlich.

Die Alternativrouten

Die Alternativen nun sind 13 Touren, die vom Ruhrtalradweg abgehen: Über Brücken und Viadukte führt etwa der 40 Kilometer lange Panoramaradweg Niederbergbahn . Von Essen-Kettwig aus führt er über Heiligenhaus und Velbert nach Wülfrath und zum Dorf Gruiten in Haan.

„Von Ruhr zur Ruhr“ heißt eine Schleife, die den Ruhrtalradweg auch optional um einen Tag verlängert: Von Hattingen geht es 60 Kilometer durch das liebliche Ruhrhügelland im Ennepe-Ruhr-Kreis – dank alter Bahntrassen zunächst eben. Dann durch einen Radtunnel ins Rheinland, über die Höhen Wuppertals und wieder zurück ins Ruhrtal – oder weiter auf dem Bergischen Panorama-Radweg.

Die Route „Handelswege“ beschreibt eine Runde von Unna, hoch auf die Hügel des Haarstrangs mit Ausblick auf Dortmund, hinabgesaust ins Ruhrtal nach Wickede und zurück über den Ruhrtalradweg. Übrigens hat das Zentrum für internationale Lichtkunst in Unna hat wieder geöffnet, wie bei allen Museen ist der Eintritt in Corona-Zeiten limitiert. In diesem Fall muss man per Internet reservieren.

Zwischen Winterberg und Olsberg gibt es eine Parallelroute zum Ruhrtalradweg: die „GeoRadroute Ruhr-Eder“ , die als Rundkurs selbst stattliche 210 Kilometer misst. Sie führt durch die Täler von Ruhr und Eder (mit dem Edersee) und viele Kilometer über ehemalige Bahntrassen. das große Thema ist die Erdgeschichte mit Schiefergrube, Goldlagerstätten, Fossilienmuseum und diversen Aufschlüssen.

Der Ruhr-Lenne-Achter ist eine 70 Kilometer lange Tour, die Landschaft und Industriegeschichte im nördlichen Sauerland und dem Ruhrgebiet verbindet. Steigungsarm geht es auf Bahntrassen oder flussbegleitendend zwischen Iserlohn und Menden hin und her. Die Dechenhöhle liegt am Weg.

Rheinradweg und HOAG-Bahn : Von der Zeche Sterkrade in Oberhausen zum Rheinhafen Duisburg wurde einst die Kohle auf der Hoag-Bahntrasse transportiert. Sie geht in den Rheinradweg über. Der trifft südlich in Mülheim auf den Radschnellweg Ruhr. Über die Route der Industriekultur kommt man zurück zum Ausgangsort. Macht 60 Kilometer überwiegend entspanntes Radeln. Eine kürzere Variante führt über den Landschaftspark Nord.

Für Gravelbiker, also Schotterpistenfreunde, eignet sich der rund 45 Kilometer lange Rundkurs der Ennepe-Runde . Es sind sportliche 460 Höhenmeter zwischen Hagen-Haspe und Breckerfeld angesagt. Auf einer kurvenreiche Kleinbahntrasse geht es hoch zur Hasper Talsperre. Von der Ennepetalsperre fährt man rasant bergab.

>> Info: Der Emscher-Weg folgt dem Fluss

Vom Hinterhof des Reviers zu seinem Vorgarten: Der Emscher-Umbau macht aus offenen Kloaken ein blaues Flüsschen mit grünen Ufern, wenn die Emscher auch weiterhin meist in ihrem geraden Bett verläuft. Der rund 100 Kilometer lange Emscher-Weg folgt dem Fluss von der Quelle in Holzwickede bis zur Mündung in Dinslaken. (Und ist nicht zu verwechseln mit dem Rundkurs „Emscher Park Radweg“, der einen großen Bogen schlägt. Nur Teile sind identisch.) Zum Teil führt er über Betriebswege. Auf www.emscher-weg.de wird über Routen, Baustellen und Highlights informiert.

Tagestouren auf der Römer-Lippe-Route

Biber und Fischotter, Uferschwalbe, Eisvogel und Weißstorch sind zurück: Die Lippe war nicht zu unrecht „Flusslandschaft des Jahres 2018/2019“. Die inklusive Schlaufen 479 Kilometer lange Römer-Lippe-Route begleitet den Fluss, der einst das römische Imperium von den germanischen Stämmen im Norden abgrenzte. Die Varusschlacht im Teutoburger Wald, das Halterner Römermuseum oder das Xantener Amphitheater mit seinem Archäologischen Park sind nur einige der historischen Höhepunkte auf diesem Radweg, der sich auch wunderbar auf Tagestouren entdecken lässt: www.roemerlipperoute.de.

Die beliebtesten „RevierRouten“

Das Radwegenetz im „Radrevier.Ruhr“ (das ist auch die Internetadresse) ist riesig. Allein die „Route der Industriekultur bietet 700 Radkilometer, was zum Eindruck der Unübersichtlichkeit führen kann. Aber keine Sorge, es gibt Hilfe: Die 15 beliebtesten Tagestouren haben die Touristiker als „RevierRouten“ zusammengestellt: vom „Probierstück“ für Einsteiger zwischen Zollverein und der Halde Rheinelbe (29 km) bis zur 70 Kilometer langen „Elefantenrunde“ (Maximilianpark Hamm und durch die Wiesen und Felder der Börde). Neun Entdeckertouren bieten Ausweichmöglichkeiten, falls es zu voll wird.

Drei Führer bringen Übersicht

Die Zahl der lohnenswerten Radtouren im und ums Revier ist groß. Folgende Führer aus dem Klartext-Verlag bringen Übersicht: „Der große Fahrrad-Tourenatlas Ruhrgebiet“ (320 S., 15,95 Euro)ist für Freizeitradler und Touristen das Richtige. Die 30 Rundkurse sind zwischen 25 und 60 Kilometer lang und führen entlang von Flüssen und Kanälen zu Höhepunkten des Ruhrgebiets. „Bahnradeln im Ruhrgebiet“ (104 S., 14,95 Euro) stellt zwölf Strecken abseits des Autoverkehrs vor. Wer ganz NRW zu seinem Revier machen möchte, ist mit „Autofreie Radrouten“ (160 S., 12,95 Euro) gut aufgehoben.

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