Prozess

Nach Urteil droht der Angeklagte dem Richter mit dem Tod

Unzufrieden mit dem Urteil: Sead S., links, neben seinem Verteidiger Peter Steffen.

Unzufrieden mit dem Urteil: Sead S., links, neben seinem Verteidiger Peter Steffen.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Essen/Hattingen.  Ein 41-Jähriger hat einem Richter mit dem Tod gedroht. Verurteilt wurde der Mann, weil er in Hattingen auf seinen Vater eingestochen hatte.

Der Mann, der am 26. Juli vergangenen Jahres im Hattinger Ortsteil Welper auf seinen Vater eingestochen hatte, rastete am Dienstag auch im Urteil aus. Gerade hatte die XVI. Strafkammer am Landgericht Essen den 41 Jahre alten Sead S. zu drei Jahren und zehn Monaten Haft wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, da bedrohte er Richter Björn Schilling mit dem Tode: "Sie wollen mich umbringen, aber ich werde Sie umbringen." Nachher entschuldigte er sich mehrfach.

Es war nicht der Tag des Sead S., der im Strafvollzug als aggressiv und aufbrausend gilt. Am ersten Verhandlungstag Ende Januar hatte das Gericht ihm noch großzügig die Handschellen abnehmen lassen, obwohl das Gefängnis vor seiner Gefährlichkeit gewarnt hatte. Tatsächlich passierte nicht.

Gericht vernahm den Vater als Zeugen

Am Dienstag musste er dagegen den ganzen Tag über gefesselt in der Anklagebank sitzen. Anlass war die Vernehmung seines Vaters, dem er in der Vergangenheit mehrfach zugesetzt hatte. Laut Anklage hatte Seat S. sich 2019 illegal in Hattingen aufgehalten. Zuvor war er von den Behörden in seine Heimat Montenegro abgeschoben worden, ohne Genehmigung aber zurückgekehrt.

Von seinem Vater hatte er laut Anklage wissen wollen, wo seine Frau und die drei gemeinsamen Kinder wohnten. Der weigerte sich aber, ihm deren Aufenthaltsort zu nennen. Da stieß er dem Vater ein Messer in den Bauch, allerdings nicht sehr tief.

Im Wald unglücklich auf Scherbe gefallen

Davon wollte der Vater am Dienstag nichts wissen. Auch wenn er früher in der Vernehmung beim Hattinger Amtsrichter Johannes Kimmeskamp von einem Messer gesprochen habe, stimme das nicht. Tatsächlich sei er im Juli durch den Wald gegangen und sei gestürzt. Dort liege immer viel Gerümpel herum, und offenbar habe sich ihm eine Scherbe in den Bauch gerammt.

Mit Ausnahme von Verteidiger Peter Steffen, der Freispruch beantragte, schenkten die übrigen Juristen dem Vater keinen Glauben. Vermutlich wird er jetzt ein Verfahren wegen Falschaussage bekommen. Staatsanwältin Julia Schweers-Nassif hielt jedenfalls nichts von der Sturzversion und beantragte für den Sohn vier Jahre und vier Monate Haft.

Unzufrieden auch mit seinem Verteidiger

Als Sead S. nach der Urteilsberatung in den Saal geführt wurde, zeigte er sich missmutig. Zuerst raunzte er seinen Verteidiger an. Dann fiel er mehrfach Richter Schilling ins Wort. Der verbat sich das.

Doch der Angeklagte ist nicht zu stoppen. "Diese drei Jahre gehen vorüber", sagt er zum Richter, "aber danach werden Sie bezahlen. Das verspreche ich vor Gott." Als Schilling sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und darum bittet, fortfahren zu dürfen, setzt Sead S. sich wieder hin. "Entschuldigung, tut mir leid", ist von ihm zu hören.

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