Katholikentag

Münsteraner suchen in der weißen Zeltstadt den Frieden

Das Plakat hängt, Lampen und Leuchten über der Bühne ebenfalls: Es kann losgehen.

Das Plakat hängt, Lampen und Leuchten über der Bühne ebenfalls: Es kann losgehen.

Foto: Ralf Rottmann

Münster.   Die Vorbereitungen in der Domstadt laufen auf Hochtouren. Vom 9. bis 13. Mai findet in Münster der 101. Katholikentag statt.

Er hat mich für den Lieferanten der Dixie-Klos gehalten, deshalb mit der Fahrradklingel geklingelt und scharf gebremst. „Bringen Sie die Dixie-Klos?“ Nein, beim besten Willen nicht. Bauleiter Volker Haut blickt sich also weiter suchend um. Wo steckt der Mensch nur?

Ach, es ist ja so viel zu tun gerade in der großen, weißen, leeren Zeltstadt auf dem Münsteraner Schlossplatz: Die Mobiltoiletten kommen, irgendwo hier. Die Absperrgitter kommen. Die Messemöbel kommen. Die Teppiche kommen, „manche wollten Teppiche in ihren Pavillons“, sagt Haut, leicht verwundert, wie es klingt. Eigentlich müsste er ja längst an der „Aktionsfläche Süd“ sein. Dann das Funkgerät: „Wolfgang für Volker bitte!“ Kurzes Gespräch zwischen den beiden. „Okay, ich guck’ mal, ob ich den Gittermenschen finde.“ Vergessen der Toilettenmensch. Haut steigt auf sein Rad. Weg ist er.

Dieser Katholikentag hat fast 20 Bauleiter

Münster strahlt schon seit Tagen, und noch mehr, seit jemand Hunderte dieser Partyzelte in die Innenstadt gewürfelt hat. In ihnen offenbart sich der 101. Deutsche Katholikentag, der heute beginnt. Vor dem Hauptbahnhof stehen diese Zelte, auf dem Domplatz, am Aasee; auf dem Schlossplatz eben, der entstehenden „Kirchenmeile“. Sie wird das Herzstück sein, 350 Gruppen präsentieren sich hier: der „Verein katholischer deutscher Lehrerinnen“ und der „Neuevangelisierung e.V.“, ein „Institut für Zoologische Theologie“, „Kirchengewerkschaft“, „Nightfever Initiative“ – und dann das „Spülzelt“.

Die Sicherheit ist nach der Amokfahrt in Münster Anfang April zwar ein Thema, aber es drängt sich nicht auf. Nach der Autoattacke haben die Verantwortlichen das 99-seitige Sicherheitskonzept überprüft – und für sicher genug befunden. Die Besucher müssen sich auf den Anblick von Wassertanks gefasst machen, zudem auf erhöhte Polizeipräsenz – also das, was sie von Weihnachtsmärkten kennen. Das war schon vor der Amokfahrt mit drei Toten und 20 Verletzten geplant. Taschenkontrollen und lange Wartezeiten gab es bereits beim Kirchentag 2017 in Berlin, in Münster sind sie nur für einzelne Veranstaltungen vorgesehen.

"Suche den Frieden" lautet das diesjährige Motto

In Sorge scheint die Stadt nicht. Wen man auch fragt nach der Stimmung, alle benutzen ein Wort: „Freundlich.“ Zwei Ausnahmen gibt es, doch die kommen in dieser Geschichte erst ganz zum Schluss. Schwester Mara Engel (88) sagt es stellvertretend so: „Man spürt eine Freude auf den Kirchentag, auch bei den Menschen.“ Die Franziskanerin hofft, dass „das ein nachhaltiges Fest wird und ein neuer Anschub im Glauben, dafür wird auch viel gebetet“. Was sie erwartet, weiß sie genau: „Mehr Übernachtungsgäste.“

Münster ist nämlich schon jetzt voll, und in der Innenstadt fuhrwerken wegen des Aufbaus eines ganzen Katholikentages viele Lkw und versperren jeden Weg. Ein Bauarbeiter, der an einer von allein sieben großen Bühnen baut, sagt: „Freitag um elf bin ich hier weg, ich will ja auch mal wieder schlafen.“

Münster ist schon türkisfarben. „Suche Frieden“, das Motto des Treffens, Aufforderung und Hilferuf zugleich, „Suche Frieden“ also steht weiß auf türkis an den Bannern, die vor den Geschäftshäusern hängen; steht in Schaufenstern und über Eingängen und an vielen Artikeln, die man im Katholikentagsladen kaufen kann. Suche-Frieden-Kerzen gibt es da und Suche-Frieden-Tassen, -Rucksäcke und -Nackenrollen und Suche-Frieden-Radhelme. Ach, Münster.

Eröffnung ist am Mittwochabend

„Haben Sie schon den Schal?“, fragt eine Kundin. „Mittwoch soll der kommen“, sagt Sophia Waßmann ihr: „Es haben schon viele gefragt. Ich bin gespannt, wie schnell der weg ist.“ So viel katholische Nachfrage hat auch den Bäcker wach gerüttelt: Auf einem – türkisfarbenen – Plakat wirbt er für „Friedenskruste (himmlisch lecker)“.

Ach so, noch zu den Ausnahmen. Da war die Studentin, die erzählt hat, viele junge Leute, die sie kenne, „flüchten für diese Tage aus der Stadt. Es ist ihnen zu voll.“ Und die ältere Dame, im Gespräch mit einer Bekannten, so laut, dass es nicht zu überhören war. „Ich gehe nur zu der Messe am Donnerstag. Wozu soviel Rummel? Man wird davon doch nicht katholischer.“

Die Eröffnungsveranstaltung wird am Mittwoch ab 17.45 Uhr live im WDR-Fernsehen übertragen.

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