Missbrauchsserie

Missbrauch in Lügde: Prozess soll am 27. Juni beginnen

Tatort Wohnwagen: Auf einem Campingplatz im westfälischen Lügde spielte sich über Jahre eine beispiellose Missbrauchsserie ab.Das Landgericht Detmold will Ende Juni den Prozess beginnen.

Tatort Wohnwagen: Auf einem Campingplatz im westfälischen Lügde spielte sich über Jahre eine beispiellose Missbrauchsserie ab.Das Landgericht Detmold will Ende Juni den Prozess beginnen.

Foto: Guido Kirchner/dpa

Lügde/Detmold.   Die Missbrauchsserie von Lügde soll ab Ende Juni juristisch aufgearbeitet werden. Mehrere Organisationen fordern weitergehende Konsequenzen.

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Der Prozess um den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde soll nach Planung des Landgerichts Detmold am 27. Juni beginnen. Voraussetzung sei, dass die Anklage gegen einen dritten Verdächtigen noch rechtzeitig eintreffe und alle Anklagen zugelassen werden, sagte ein Gerichtssprecher am Samstag auf Anfrage.

Das „Westfalen-Blatt“ hatte zuerst über den Termin berichtet. Mehrere Organisationen forderten unterdessen weitergehende Konsequenzen aus dem Missbrauchsfall.

Kinderschutzbund fordert Enquete-Kommission

Das Versagen staatlicher Institutionen habe erneut unvorstellbares Leid zahlreicher Kinder ermöglicht, kritisierte der Deutsche Kinderverein in Essen. Dies müsse kritisch und unabhängig aufgearbeitet werden. Dazu sollte eine Enquete-Kommission in NRW und Niedersachsen eingesetzt werden, die das Vorgehen der Behörden in Lügde und Hameln aufarbeite.

Außerdem sollte ein unabhängiger Kinderschutz-Beauftragter zur Anlaufstelle für Beschwerden und sogenannte Whistleblower werden. Er sollte der Landesregierung Hinweise geben, wie der Kinderschutz grundlegend verbessert und das Dunkelfeld minimiert werden kann. Es stelle sich auch die Frage nach einer Fachaufsicht für die Jugendämter.

Zusammenarbeit von Institutionen soll besser werden

Jugendmediziner forderten in Lünen ebenfalls einen besseren Schutz für Kinder vor Gewalt. Erschütternde Fälle wie der jahrelange Missbrauch in Lügde zeigten, wie wichtig die enge Zusammenarbeit von Medizinern, Jugendämtern und Strafverfolgungsbehörden sei. Das multiprofessionelle Zusammenwirken müsse besser werden, forderte Bernd Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin.

Der Arzt sei Anwalt der Kinder und wichtiger Akteur im Kampf gegen Missbrauch, aber zugleich auf ein funktionierendes Netz angewiesen. In NRW wurden 2018 laut Landeskriminalamt 2422 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch bekannt.

Anklage wirft Hauptbeschuldigten fast 300 Taten vor

Die bereits vor einigen Tagen beim Gericht eingegangene Anklage wirft dem 56-jährigen Hauptverdächtigen im Fall Lügde 293 Straftaten vor. Demnach soll sich der Mann unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie des Besitzes von Kinderpornografie verantworten.

Die Anklageschrift führt 22 Opfer auf, die zum Zeitpunkt der Taten alle minderjährig gewesen seien. Sein mutmaßlicher Komplize (49) aus Stade solle im Besitz von fast 43 000 Bild- und Videodateien mit Kinder- und Jugendpornografie gewesen sein. Außer den beiden Angeklagten sitzt noch ein 34-Jähriger in Untersuchungshaft, der noch angeklagt werden soll. Gegen weitere fünf Personen wird noch ermittelt. (dpa)

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