Nachhaltigkeit

Messen mit nachhaltigen und fairen Produkten in Dortmund

Soeren Ramboy und Pia Steffens, beide 23, haben O'ave gegründet, sie verkaufen Sportkleidung, die sie aus Plastikmüll aus dem Meer herstellen.

Soeren Ramboy und Pia Steffens, beide 23, haben O'ave gegründet, sie verkaufen Sportkleidung, die sie aus Plastikmüll aus dem Meer herstellen.

Foto: Jakob Studnar / FUNKE Foto Services

Dortmund.  In Dortmund haben „Creativa“ und „Fair Friends“ unter Corona-Regeln eröffnet. Auf den Messen werden Bastel- und Fair-Trade-Produkte verkauft.

Hinter seinem Verkaufsstand in der Westfalenhalle in Dortmund nimmt Herr Soballa eine Knoblauchzehe und streicht sie sanft gegen eine der bunten Reiben, die er vor sich aufgebaut hat. Er sagt nichts, trägt Mundschutz. Menschen streifen achtlos vorbei. Es ist noch früh, kurz nach 10 Uhr auf der „Creativa-Messe“. Gegenüber steht eine Gruppe Frauen an einem Stand, wo Wolle verkauft wird. Als sich der Knoblauch in einen feinen Brei verwandelt hat, ruft Herr Soballa: „Normalerweise bleibt ja bei einer Knoblauchpresse die Hälfte drin kleben“, er dreht sich um und hält eine Knoblauchpresse in die Luft – das erste Ehepaar bleibt stehen, „oder wenn sie eine herkömmliche Reibe nehmen, ist immer bisschen Fingernagel dabei. Das schmeckt dann nicht gut.“

Eine junge Frau zückt ihr Handy, um Herrn Soballa zu filmen. Plötzlich stehen sechs Kunden vor ihm. „Jetzt nehme ich meine Spezialbürste und hole das Knoblauchmus aus den Rillen.“ In der Reibe, es ist ein Teller mit rauen, kleinen Nippeln auf dem Boden, bleibt nichts übrig, er wischt das Knoblauchmus auf einen Teller. „Perfekt für Kräuterbutter“, sagt er. „Kostet normalerweise 14,99 Euro, aber heute nur 10 Euro.“ Eine Frau, die ihren Rucksack vor dem Bauch trägt, greift zu. Das Pärchen kauft drei. „Also ich würde ja von jeder Farbe eins nehmen“, sagt Soballa. Alle lachen.

Bis Sonntag findet in der Dortmunder Westfalenhalle die Creativa statt, zeitgleich mit einer weiteren, themenverwandten Messe: der Fair Friends. Auf beiden Messen bieten Aussteller Produkte an, die nachhaltig, fair, oft in der Region produziert wurden. Die Stände sind vielfältig: Wolle und Perlen zum Basteln, Zahnpasta, die man sich aus nur drei Zutaten selbst herstellen kann, Banken, die nur in nachhaltige Firmen investieren. Fridays for Future stellt sich vor, und die Initiative „Waldtage 2020“ hat ein interaktives Holzmodell aufgebaut, an dem man schematisch sehen kann, welche Bedeutung der Wald für den Menschen hat.

Dortmund: In der Westfalenhalle haben die Messen Creativa und Fair Friends eröffnet

Es ist erst die zweite Messe nach dem Corona-Lockdown. Die Gänge sind viel breiter, damit die Besucher den Abstand einhalten können. Es gilt Maskenpflicht, nur in gekennzeichneten Bereichen und draußen, wo es Essen und Trinken gibt, darf man die Maske abziehen. Wenig Besucher sind am Vormittag da, zwei Frauen, die auf einer Bühne diskutieren, haben lediglich eine Handvoll Zuschauer.

In Halle 3 verkaufen Pia Steffens und Soeren Romboy, beide 23 und ein Paar, Sportbekleidung aus Plastikmüll. Vor allem Leggings und T-Shirts. „Die Kleidung besteht aus alten Fischernetzen und Teppichresten ,“ sagt Romboy. Sie schroten, also zerkleinern, das Plastik, schweißen es ein und gewinnen daraus den Garn. Zudem kaufen sie Merinowolle aus Österreich und recyceltes Elastan. „Die Idee ist uns gekommen als wir im Urlaub in Thailand waren und den ganzen Müll im Meer gesehen haben. Da wollten wir was gegen tun.“ Romboy hat Wirtschaft, Steffens hat Mode und Design studiert. Er arbeitet als Fitnesstrainer, sie als Yogalehrerin.

Das Muster, das sie für viele Kleidungsstücke verwendet haben, sieht aus wie Wasser, das in Bewegung ist und von der Sonne beschienen wird. „Wir haben für unsere Prints ein Foto vom Meer aus Thailand genommen.“ Ihnen sei wichtig, dass die Sportkleidung ausgefallen aussieht. Die Jungunternehmer aus Bremen verkaufen ihre Kollektion über einen Online-Shop, auf Messen und in ihrer Wohnung. Sie freuen sich, wenn Kunden nach Terminabsprache zu ihnen kommen, sie reichen dann Kaffee und Tee und man kann entspannt einkaufen.

Exotik nach Hause bringen

Wer wegen Corona nicht verreist, aber auf Exotik nicht verzichten möchte, kann sich bei Grit Belkot aus Holz geschnitzte und bunt angemalte Tiere kaufen. Etwa lebensgroße Papageien oder Pelikane. „Man kann es sich ja auch zu Hause einrichten, wie es in der Ferne aussieht“, erklärt Belkot ihre Idee. „Ich importiere die Tiere aus Ecuador, dort werden sie von Kleinbauern gefertigt, natürlich Fair Trade“, sagt die 57-Jährige. Sie verkauft auch kleine Tiere aus Speckstein. „Alles Naturmaterialien und Unikate.“

Am Stand riecht es nach Räucherstäbchen. Vor dem Spiegel betrachtet eine junge Frau eine bunte Bluse, dreht den Oberkörper und stellt sich dabei auf die Zehenspitzen. Auf ihrem Fuß trägt sie ein Tattoo, etwas verdeckt von ihren Sandalen. Anna Michels, 28, ist extra aus Trier mit ihrer Mutter zur Messe angereist. Sie kauft die Bluse. Sie ist aus Patchworks gefertigt, alten Stoffen, also upgecycelt, wie man das hier nennt. Die Knöpfe sind aus Kokosnuss. „Ich mag die bunten Farben, das haben nicht so viele“, sagt sie. Belkot nickt zufrieden. Und ist doch etwas enttäuscht, dass nur so wenige Menschen da sind. „Aber Hauptsache es geht wieder weiter.“

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