Herbst

Laub auf Gehwegen: Diese Pflichten gelten für Hauseigentümer

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Gefährlich: Nasses Herbstlaub kann Bürgersteige schnell in rutschige Flächen verwandeln. Räumen ist deshalb für Hauseigentümer oder Mieter in vielen Kommunen Pflicht.

Gefährlich: Nasses Herbstlaub kann Bürgersteige schnell in rutschige Flächen verwandeln. Räumen ist deshalb für Hauseigentümer oder Mieter in vielen Kommunen Pflicht.

Foto: Hagen Lehmann / obs

Essen.  Der Herbst ist da, für Hauseigentümer heißt das: Laub kehren. Welche Regeln und Pflichten gelten und wie man Herbstlaub am besten entsorgt.

Die Temperaturen sind vielerorts noch mild, aber die bunten Blätter an den Bäumen sprechen eine klare Sprache: Es ist Herbst in Deutschland. Was ein schöner Anblick ist, kann auf Gehwegen schnell zu einer gefährlichen Rutschpartie für Passanten werden. Um dieses Risiko zu minimieren, heißt es: Laub fegen! Doch wer ist dafür zuständig? Und wohin mit den Laubhaufen? Fragen und Antworten.

Wer muss Laub fegen?

Grundsätzlich müssen Gemeinden im Rahmen ihrer Verkehrssicherungspflicht dafür sorgen, dass die Straßen und Gehwege gefahrlos durch die Bürger genutzt werden können, heißt es vom Versicherungskonzern ARAG. Hat die Gemeinde die Pflicht zum Kehren auf die Hauseigentümer übertragen, müssen diese das Laub beseitigen.

Kann der Vermieter seine Mieter verpflichten?

Wer ein Grundstück nicht selbst nutzt, ist nicht aus dem Schneider: „Vermietung oder Verpachtung befreit den Grundstückseigentümer nicht von seiner Pflicht zur Gefahrenabwehr“, erklärt Ingmar Vergau vom Eigentümerverband „Haus & Grund“. Der Besitzer kann die Reinigungspflicht aber an die Mieter übertragen. Dann steht ein Passus im Pacht- oder Mietvertrag. Der Grundstücksbesitzer kann auch eine Dienstleistungsfirma beauftragen. Aber selbst dann ist er weiter in der Kontrollpflicht: Er muss regelmäßig prüfen, ob der Gehweg auch wirklich vom Laub befreit und die Rutschgefahr beseitigt ist.

Wer haftet bei Unfällen?

Rutschen Passanten auf glitschigem Herbstlaub aus und verletzen sich, ist man als Eigentümer in der Regel im Rahmen einer Haus- und Grundeigentümer-Haftpflichtversicherung abgesichert. Mieter sind über ihre private Haftpflichtversicherung abgesichert.

Wann, wo und wie oft muss man räumen?

Meist gilt fürs Laubkehren dieselbe Zeit wie für den Winterdienst, also werktags zwischen 7 und 20 Uhr, am Wochenende ab 9 Uhr. Wie oft der Eigentümer oder Mieter fegen muss, hängt auch von der Laubmenge ab. Hauseigentümer können sich bei der Gemeinde über Zeiten, Intensität und weitere Details erkundigen, etwa ob nur der Gehweg oder auch die Fahrbahn geräumt werden muss.

Dürfen Laubsauger verwendet werden?

Das Umweltbundesamt und Umweltschützer raten davon dringend ab. Laubsauger und -bläser seien laut, schmutzig und gefährlich für Tiere und die Gesundheit. Sie können zwischen 90 und 120 Dezibel laut werden und machen damit so viel Krach wie eine Kettensäge oder ein Presslufthammer. Geräte mit Verbrennungsmotor erzeugen zudem Luftschadstoffe, die meist ungefiltert in die Umgebung geblasen werden. Am Boden und im Laub lebende Mikroben, Pilze und Tierkot werden durch solche Gartengeräte fein in der Luft verteilt, was vor allem für die Benutzer gesundheitlich bedenklich ist.

Welche Gefahr besteht für Kleintiere?

„Millionenfach werden Kleinstlebewesen zusammen mit dem Laub aufgesaugt und zerstückelt“, warnt der Naturschutzbund (Nabu). Für den Sog werden Luftgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern und Saugleistungen von etwa zehn Kubikmetern pro Minute erzeugt. Käfer, Spinnen, Tausendfüßer, Asseln und Amphibien haben kaum eine Chance. Bei Geräten mit Häckselfunktion werden die Tiere und Insekten gleich mit zerstückelt. Experten raten daher lieber zu Besen und Rechen.

Laubsäcke, Kompost, Biotonne – wohin mit dem Laub?

Am besten ist es, Gartenabfälle auf dem eigenen Grundstück zu kompostieren. Die Blätter zersetzen sich gemeinsam mit den anderen Gartenabfällen zu wertvollem Dünger und Erde. Da Laub eher schlecht verrottet, darf es jedoch keinen zu hohen Anteil im Kompost haben.

In viele Städten und Gemeinden stehen zudem Laubkörbe an den Straßen oder es werden Laubsäcke angeboten, die zu bestimmten Zeiten abgeholt werden. Wer eine Biotonne hat, kann Laub auch darin entsorgen. Im Restmüll haben Gartenabfälle dagegen nichts zu suchen. Und auch wenn „Blätter“ auf den ersten Blick in die Papiertonne passen – auch dort dürfen sie nicht entsorgt werden.

Warum dürfen Laubhaufen nicht verbrannt werden?

Die Verbrennung von Herbstlaub auf dem eigenen Grundstück ist verboten. Die Regelung gilt seit 2015. Grundlage ist das Kreislaufwirtschaftsgesetz. Demnach ist das Verbrennen von Gartenabfällen wie Laub, Rasen-, Strauch- oder Baumschnitt unzulässig und wird nur in Ausnahmefällen erlaubt. Verstöße können als Ordnungswidrigkeit und daher mit Geldbußen geahndet werden. Bioabfälle müssen getrennt gesammelt werden, um sie besser wiederverwerten zu können. Durch das Verbrennen gehe wertvolle Biomasse verloren, argumentieren Umweltschützer und das Bundesumweltministerium.

Beim Verbrennen von Reisig- und Laubhaufen sterben zudem nicht nur Kleintiere, die dort Schutz suchen. Es werden auch viele Schadstoffe und Feinstaub freigesetzt, weil das Laub meist noch sehr feucht ist. Es verbrennt dadurch nur unvollständig und verursacht starken Rauch. Abgesehen von der Geruchsbelästigung leiden darunter besonders Allergiker und Menschen mit Atemwegserkrankungen.

Kann Laub auch anderen Nutzen erfüllen?

Neben dem Kompost eignet sich Laub auch zum Herstellen von Mulch. Zusammen mit Rasenschnitt und zerkleinerten Zweigen entsteht Mulch, der Boden und Pflanzenwurzeln im Winter schützt. Im Frühjahr kann der Mulch als Dünger eingearbeitet werden. Laub kann auch über Reisighaufen geschichtet werden, wodurch ein idealer Winterschlafplatz für Igel, aber auch ein Schutz für Kröten und Eidechsen entsteht.

Was ist mit dem Laub in meinem Garten?

Keine gute Idee ist es, das Laub auf dem Rasen liegen zu lassen. Denn dort schadet es den Gräsern. Die Blätter verfaulen oder schimmeln mit der Zeit, da sich unter der Blätterdecke Feuchtigkeit gut hält. Außerdem bekommt der Rasen unter der dichten Laubschicht keine Luft mehr ab.

Auch aus dem Gartenteich muss Laub herausgefischt werden. Denn bei seiner Zersetzung reichert es das Wasser mit Nährstoffen an – was zu viel für das Gewässer sein kann und im nächsten Jahr das Wachstum von Algen fördert, erklärt die Bayerische Gartenakademie.

Muss der Nachbar „sein“ Laub aus meinem Garten fegen?

Ein häufiger Streitpunkt unter Nachbarn ist herübergewehtes Laub. Die im Herbst üblichen Blättermengen muss ein Nachbar in der Regel akzeptieren und auch das „fremde“ Laub von Grundstück oder Gehweg beseitigen. Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist zwar eine „Laubrente“ genannt – aber Anspruch auf diese Entschädigung hat der Nachbar nur bei einer ungewöhnlich großen und unzumutbaren Beeinträchtigung.

mit dpa/AFP

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