Verkehr

Lange Wartezeit: Mehr Bürokratie bremst Schwertransporte aus

Der neue Radweg hat - noch - ein Loch: Über den Deilbach fehlt die Brücke.

Foto: Funke Foto Services

Der neue Radweg hat - noch - ein Loch: Über den Deilbach fehlt die Brücke. Foto: Funke Foto Services

Velbert.  Für den Transport einer Brücke nach Velbert fehlten nötige Genehmigungen. Die Logistik-Branche beklagt Wartezeiten und schlechte Infrastruktur.

Der neue Radweg von Essen-Kupferdreh nach Velbert-Nierenhof hat ein Loch. Noch. Es müsste hier eine Brücke hin über den Deilbach, sie ist auch schon fertig, allein, sie liegt am Bodensee, bei ihrem Hersteller. Bach und Brücke, sie konnten zusammen bislang nicht kommen, weil dem Spediteur zwei Genehmigungen fehlten. Zwei von 13, nötig für einen eher leichten Schwerlasttransport.

Keine 17 Meter lang, gerade einmal 4000 Kilo schwer, darüber lachen Logistiker sonst, die zig Tonnen können. Aber das Lachen ist vielen vergangen, auch Markus Thelen von den Technischen Betrieben Velbert hatte zuletzt „nur noch Galgenhumor“. Am 21. September sollte die Lücke im Radweg schon geschlossen werden, dann am 27., nun am 17. Oktober, am 20. – aber immer fehlte das Okay für den Transport.

Elf Behörden auf der Strecke hatten „Ja“ gesagt, Hessen und Rheinland-Pfalz schwiegen. Sie lassen ihre Internetseiten reden: „Aufgrund hohen Antragsaufkommens und krankheitsbedingter Ausfälle kommt es derzeit leider zu erheblichen Verzögerungen bei der Bearbeitung“, heißt es beim „Landesbetrieb Mobilität“ in Mainz. Die Bearbeitungsdauer, warnt „Hessen mobil“, betrage „aktuell etwa sechs Wochen“.

Genehmigungsstau und „Regelungswut“

Von akutem „Genehmigungsstau“ spricht der stellvertretende Geschäftsführer des Verbands Verkehrswirtschaft und Logistik (VVL) NRW, Benedikt Althaus. Über „dramatische Folgen einer unglaublichen Regelungswut“ klagt Rüdiger Ostrowski, Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik (VSL) NRW.

Schon im Juli schrieben sie zusammen mit 21 Branchen-, Industrie- und Unternehmensverbänden einen Brandbrief an die Verkehrsminister; ein weiteres Schreiben, auch an Berlin, folgte vergangene Woche. Darin prangern sie „gravierende Verzögerungen“ bei der Erteilung von Genehmigungen für Schwertransporte an: „Bearbeitungszeiten über fünf Wochen sind an der Tagesordnung.“ Fünf Tage müssten indes ausreichen.

Für die Unternehmen bedeute alles andere „enorme Schwierigkeiten bei der Einhaltung von Termingeschäften“ und Lieferketten. Verlässliche Absprachen seien „für alle nicht mehr möglich“. Das führe zu einem „enormen Imageschaden“, Firmen müssten Vertragsstrafen zahlen. „Es ist nicht nur ein Transportproblem“, sagt VVL-Mann Althaus, „es ist ein existenzielles Problem.“ Die Zahl der Eilanträge sei inzwischen auf mehr als 80 Prozent gestiegen, „sonst geht schon gar nichts“. Kollege Ostrowski drückt es drastischer aus: „Wir drehen hier durch.“

Behörden haben mit immer mehr Anträgen mehr zu tun

Tatsächlich, das geben auch die Logistiker zu, haben die Behörden mit immer mehr Anträgen auch mehr zu tun: Allein für die Windkraft rollen zunehmend die riesigen Flügel über Deutschlands Straßen. Aber auch die Bürokratie ist gewachsen – ausgerechnet durch eine neue Verwaltungsvorschrift, die im Juni eigentlich Erleichterungen bringen sollte.

„Ich muss ungefähr vier- bis fünfmal so viele Anträge schreiben wie zuvor“, sagt der zuständige Fachmann eines großen Schwerlast-Spediteurs aus dem Ruhrgebiet. „Vor Juni konnten wir einen Antrag schreiben für mehrere Fahrzeuge, sowohl was Nummernschilder, als auch was Typen angeht, und wenn Hin- und Rückweg dieselbe Strecke war, konnte man das auch zusammenfassen. Heute muss ich für jeden Laster und jede Strecke den ganzen Papierkram machen. Und die Sachbearbeiter in den Ämtern werden damit überflutet.“ Verbands-Geschäftsführer Benedikt Althaus weiß von einem Unternehmer, der für einen Transport dadurch 2000 Prozent mehr Gebühren bezahlen musste als früher.

Digitales Straßennetz soll vor Sperrungen warnen

Dabei ist das Problem mit der Bürokratie nicht das einzige der Branche. Auch die schlechte Verkehrs-Infrastruktur lässt die Kosten steigen. Wegen Straßen und vor allem Brücken, die schwere Lasten nicht mehr tragen können, müssten die Spediteure häufig bis zu doppelt so lange Umwege fahren, rechnet Althaus vor.

Auch deshalb fordern die Verbände neben einem einfacheren Verkehrsmanagement dringend ein digitales Straßennetz, das Baustellen und Brückenlasten erfasst – damit eine Firma vorher weiß, wann welche Strecke warum für welches Gewicht gesperrt ist.

Velberts Brücke übrigens soll nun am Dienstag kommen. Alle 13 Genehmigungen sind jetzt da, mehr als einen Monat nach dem geplanten Termin. Besser spät als nie. Markus Thelen hatte schon „nicht mehr dran geglaubt“.

>>> INFO: MINISTER WILL HELFEN

  • Die Politik in NRW hat das Problem erkannt. Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) antwortete in dieser Woche auf eine Kleine Anfrage der AfD, man prüfe Schulungsmöglichkeiten für Behördenmitarbeiter.

  • Man wolle künftig verlässliche Schwerlastrouten ausweisen und sich beim Bund für eine Flexibilisierung der Regelungen einsetzen.

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