Kriminalität in NRW

Kriminalitätsatlas NRW: So gefährlich ist es in Ihrer Gegend

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in NRW sinkt weiter. Ähnlich ist es bei Gewalttaten, Taschendiebstählen und Straßenraub. Nur bei Sexualstrafstaten gibt es in NRW einen Ausschlag nach oben.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in NRW sinkt weiter. Ähnlich ist es bei Gewalttaten, Taschendiebstählen und Straßenraub. Nur bei Sexualstrafstaten gibt es in NRW einen Ausschlag nach oben.

Foto: Silas Stein / dpa

Essen.  Von Wohnungseinbruch bis Körperverletzung: Der interaktive Kriminalitätsatlas für NRW zeigt, wo die meisten Straftaten bekannt werden.

Wir leben in der sichersten aller Zeiten und in Deutschland in einer der sichersten Gesellschaften. Das Risiko, Opfer einer schweren Straftat zu werden, ist hierzulande um ein Vielfaches niedriger als einen Verkehrs- oder Haushaltsunfall zu erleiden. Dennoch haben viele Menschen Angst, selbst zum Opfer einer Straftat zu werden – sie fühlen sich mulmig und unsicher. Doch wie sieht die Realität aus und wo spielt uns unser sehr subjektives Sicherheitsgefühl einen Streich?

Im Kriminalitätsatlas für NRW zeigen wir ab sofort die jüngsten Fallzahlen der 29 Kreispolizeibehörden und 17 Polizeipräsidien im Land. Wo muss man sich in NRW am meisten vor Taschendieben vorsehen? In welcher Stadt gibt es häufiger gewalttätige Übergriffe? Wann ist Hochsaison für Wohnungs-Einbrecher und wo sind sie aktiv?

Kriminalitätsatlas für NRW – Das zeigt die interaktive Karte

Mit jeder Veröffentlichung neuer Monatszahlen wird die Karte aktualisiert und gibt es einen statistischen Überblick über die Straftaten in sechs Deliktfeldern im gesamten Bundesland NRW. Um die Kriminalitätsbelastung visuell vergleichen zu können, sind die Gebiete nach Fällen pro 100.000 Einwohner eingefärbt.

In unserer interaktiven Karte zeigen wir die Fälle, die der Polizei bekannt geworden sind. Da es aber je nach Art des Deliktes auch ein erhebliches Dunkelfeld unentdeckter Taten geben kann, kann der Kriminalitätsatlas für NRW nicht die Verbrechenswirklichkeit abbilden, sondern nur eine Annäherung an die Realität.

Zudem sind die aktuellen Monatszahlen vorläufig. Sie entsprechen zwar methodisch der Polizeilichen Kriminalstatistik, die jährlich von den Polizeibehörden und dem Landeskriminalamt NRW veröffentlicht wird. Die Zahlen sind jedoch nicht deckungsgleich, da für die jährliche bundeseinheitliche Statistik noch kleine Korrekturen – z.B. Nachmeldungen – vorgenommen werden.

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Wohnungseinbrüche

Wenn die Corona-Krise etwas Gutes hat, dann dies: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist während der Kontaktbeschränkungen zur Pandemie-Eindämmung deutlich zurück gegangen. Kein Wunder: Eltern im Homeoffice, Kinder nicht in Kita oder Schule, abends keine Veranstaltungen – eine schlechte Zeit für Einbrecher. Hinzu kommt: Es war während der Pandemie schwierig, Diebesgut wegzuschaffen – egal ob ins In- oder Ausland.

Insbesondere in den Landkreisen Südwestfalens aber stellenweise auch im Ruhrgebiet ist die Zahl der Einbrüche mancherorts im Vergleich zum Vorjahr sogar um ein Viertel gesunken. Etwa im Bereich des Polizeipräsidiums Bochum/Herne/Witten, hier wurden von Mai 2019 bis April 2020 2251 Wohnungseinbrüche angezeigt. Das entspricht einem Rückgang von 25,1 Prozent.

Aber es gibt auch Ausschläge in die andere Richtung. Im grenznahen Bereich zu den Niederlanden, etwa im Kreis Kleve, ist die Zahl der Wohnungseinbrüche hingegen im niedrigen zweistelligen Bereich gestiegen, im Vergleich zum Vorjahr um fast 12 Prozent. Mehr Einbrüche registrierte die Polizei auch in Essen und Mülheim (plus 7,1 Prozent) sowie in Düsseldorf (plus 4,6 Prozent).

Taschendiebstähle

Gerade einmal 40 Taschendiebstähle (das entspricht 30 Fällen pro 100.000 Einwohner) wurden der Polizei im Kreis Olpe zwischen Mai 2019 und April 2020 angezeigt. Die niedrigste Fallzahl in ganz Nordrhein-Westfalen. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Fallzahl auch um 36,5 Prozent zurück.

Das Risiko, Opfer eines Taschendiebstahls zu werden, ist in den großen Städten des Landes um ein Vielfaches höher: So zählte die Düsseldorfer Polizei im gleichen Zeitraum 4242 Anzeigen (684 Fälle pro 100.000 Einwohner), bei Gelsenkirchens Polizei meldeten sich 1579 Menschen, die Opfer eines Taschendiebstahls wurden.

Fahrraddiebstähle

Kein Wunder: Was Fahrradklau angeht, ist Münster auf der NRW-Karte der negative Spritzenreiter. Erwartungsgemäß. Von den rund 70.000 geklauten Fahrrädern wurden rund 5000 in der Rad-Metropole des Landes gestohlen (plus 19,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Im Kreis Olpe werden hingegen landesweit die wenigsten Fahrrad-Diebstähle pro 100.000 Einwohner zur Anzeige gebracht, nämlich 56. Von Mai 2019 bis April 2020 zählte die Polizei hier 75 Fälle.

Straßenraub

Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Straßenraubs zu werden, ist in den größeren Städten Nordrhein-Westfalens erwartungsgemäß höher als im ländlichen Bereich. Über dem Landesschnitt von 24 Fällen pro 100.000 Einwohner sind alle Städte der Ruhrgebietsschiene.

Im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums Dortmund registrierte die Polizei 58 Fälle pro 100.000 Einwohner, insgesamt 388 Taten in den vergangenen zwölf Monaten (plus 6,9 Prozent). Nur 2 Delikte pro 100.000 Einwohner zählte die Kreispolizei in Siegen-Wittgenstein (insgesamt 5 Fälle von Mai 2019 bis April 2020).

Körperverletzung

Das Risiko, Opfer einer tätlichen Angriffs zu werden, ist laut Kriminalitätsstatistik im Kreis Kleve als recht gering einzustufen. Insgesamt 84 Fälle registrierte die Kreispolizei dort von Mai 2019 bis April 2020. Bezogen auf die Einwohnerzahl ist dies der niedrigste Wert in ganz NRW, gemessen auf 100.000 Einwohner zählte die Polizei 27 Körperverletzungsdelikte. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Vorfälle auch noch einmal gesunken, nämlich um 8,7 Prozent.

Anders sieht es in Bereich des für Dortmund und Lünen zuständigen Polizeipräsidiums aus. Hier registrierte die Polizei insgesamt 1129 Körperverletzungsdelikte im genannten Zeitraum, das sind 168 Fälle pro 100.000 Einwohner. Für NRW der höchste Wert, es folgen Köln, Düsseldorf und Gelsenkirchen.

Sexualstraftaten

Während die Straftaten in den übrigen fünf Deliktbereichen in NRW alle rückläufig sind, ist die Zahl der Sexualstraftaten als einzige landesweit gestiegen. Von Mai 2019 bis April 2020 registrierte die Polizei insgesamt 2437 Fälle und damit ein Plus von 0,7 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Zahl der Straftaten auch zunimmt - vielmehr wird das Dunkelfeld kleiner, da mehr Straftaten bei der Polizei angezeigt werden.

Zwar zeigt sich im Verhältnis seit 2009 bei den absoluten Zahlen ein deutlicher Anstieg, allerdings sind die Statistiken nur begrenzt vergleichbar. 2016 wurde das Sexualstrafrecht erweitert und um etwa das Delikt einer Beleidigung auf sexueller Grundlage ergänzt. In der Folge passte das Innenministerium auch die Aufteilung der Sexualstraftaten nach Delikten in der Statistik an.

In der Hälfte der Polizeibehörden in NRW hat die Zahl der Sexualdelikte zugenommen und liegt über dem Landestrend. Negativ-Spitzenreiter in dieser NRW-Statistik ist der Bereich des Polizeipräsidiums Köln (umfasst auch Leverkusen). 291 Fälle wurden dort von Mai 2019 bis April 2020 zur Anzeige gebracht. Auf 100.000 Einwohner kamen dort 23 Fälle. Ähnlich sieht die Lage in Duisburg aus. Hier registrierte die Polizei 21 Fälle pro 100.000 Einwohner. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl der Delikte in Duisburg um 36,4 Prozent.

Unsere interaktive Karte für den Deliktbereich Sexualstraftaten zeigt auch, dass die Fallzahl in den ländlicheren Regionen weitaus niedriger ist als in den Ballungsräumen. Eine Ausnahme ist hier der Kreis Paderborn, in dem die Zahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahreszeitrum um fast 70 Prozent gestiegen ist.

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