Sprengung

Kraftwerk Knepper bei Dortmund mit lautem Knall gesprengt

Mehr als 200 Kilo Sprengstoff wurden benötigt, um die drei Kolosse zu Fall zu bringen.

Mehr als 200 Kilo Sprengstoff wurden benötigt, um die drei Kolosse zu Fall zu bringen.

Foto: dpa

Castrop-Rauxel/Dortmund/Duisburg.   Das alte Kraftwerk Knepper zwischen Dortmund und Castrop-Rauxel ist am Sonntag gesprengt worden. Das Kesselhaus war zuvor gefallen.

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Ein monumentales Stück Industriegeschichte ist am Sonntag an der Dortmunder Stadtgrenze in Schutt und Asche gelegt worden. Kesselhaus, Kühlturm und Schornstein des stillgelegten Steinkohlekraftwerks Knepper wurden geradezu lehrbuchmäßig gesprengt. «Alles wie geplant und ohne Komplikationen», sagte eine Sprecherin der Abbruchfirma. Fünf Wochen später steht einem Hochhaus in Duisburg das gleiche Schicksal bevor.

Sprengung des Steinkohlekraftwerks Knepper

In mehreren Schritten wurde das ehemalige Kohlekraftwerk Knepper an der Stadtgrenze zwischen Dortmund und Castrop-Rauxel am Sonntag gesprengt.
Sprengung des Steinkohlekraftwerks Knepper

Geradezu begeistert äußerte sich ein Berater der Firma im Westdeutschen Rundfunk, der das Spektakel live im Fernsehen übertrug. «Eine schönere Choreographie kann man für eine Bauwerkssprengung nicht erzeugen», schwärmte der erfahrene bayerische Sprengmeister Eduard Reisch. «Das ist wirklich Ballett.»

In der Tat fiel unter anerkennenden Rufen der Anwohner der fast 130 Meter hohe, runde Kühlturm in einer eleganten Drehung zu Boden. Nur Sekunden später folgte der Schornstein, der mit seinen 210 Metern sogar den Kölner Dom um gut 50 Meter überragt. Eine halbe Stunde zuvor war - ebenfalls bilderbuchmäßig - das Kesselhaus gesprengt worden. Wasserkanonen bekämpften die mächtigen, dunklen Staubwolken.

Wegen der hohen Staubentwicklung wurde die Bahnstrecke zwischen Dortmund-Mengede und Castrop-Rauxel Hbf nach der Sprengung für eine halbe Stunde gesperrt. Die Züge hielten am nächsten Bahnhof und warteten zunächst.

Nach Angaben der Abbruchfirma waren insgesamt mehr als 200 Kilo Sprengstoff im Einsatz, um die drei Kolosse zu Fall zu bringen. Übrig bleiben rund 28 000 Tonnen Stahlschrott und Bauschutt. Steine und Beton sollen in den kommenden Monaten mit Spezialgerät zerkleinert, auf der Fläche verteilt und die verwertbaren Stahlmaterialien abtransportiert werden.

Etwa 120 Anwohner mussten während der Sprengung ihre Häuser in dem weiträumig abgesperrten Gelände verlassen. Sie durften das eindrucksvolle Schauspiel als einzige von einer Zuschauertribüne aus verfolgen. Sie sei aufgeregt, habe aber alles Wichtige aus der Wohnung geholt, erzählte eine Anwohnerin. «Ich habe mein Handtäschchen, meinen Hund und meinen Mann mitgenommen.» Hunderte weitere Zaungäste hatten sich bei schönstem Ausflugswetter an einem Ackerrand mit guten Ausblick postiert.

Das ehemalige Eon-Kraftwerk auf der Stadtgrenze von Dortmund und Castrop-Rauxel war 2014 wegen mangelnder Rentabilität stillgelegt worden. Das Kraftwerk war 1971 in Betrieb gegangen und hatte seitdem mehrfach den Besitzer gewechselt. Auf der 59 Hektar großen Fläche soll nun ein Gewerbegebiet entstehen.

In Duisburg fällt Ende März der „Weiße Riese“

Schon fünf Wochen später steht das Ruhrgebiet vor einer weiteren aufsehenerregenden Sprengung: In Duisburg wird am 24. März eines von sechs 20-geschossigen Hochhäusern gesprengt – inmitten dichter Wohnbebauung. Das Verschwinden der in die Jahre gekommenen Wohnblöcke will die Stadt als Aufbruchsignal für den Brennpunkt-Stadtteil verstanden wissen.

Die sogenannten „Weißen Riesen“ im Stadtteil Hochheide stammen aus den frühen 1970er-Jahren. Doch die massiven Hochhäuser entsprächen nicht mehr den heutigen Bedürfnissen, heißt es in einem Ratsbeschluss. Einen Steinwurf weit entfernt mussten erst am Donnerstagabend 200 Bewohner eines weiteren Hochhauses ihre Wohnungen verlassen – der Brandschutz habe eklatante Mängel. (dpa)

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