Unterrichtsausfall

Klimademo „Fridays for Future“ spaltet die Eltern in NRW

Am Rathaus in Oberhausen demonstrierten Schüler für mehr Klimaschutz.

Am Rathaus in Oberhausen demonstrierten Schüler für mehr Klimaschutz.

Foto: Jörg Schimmel

Ruhrgebiet.   Eltern wie Lehrer ringen um Positionen zum Unterrichtsausfall durch „Fridays for Future“. Je länger die Demos andauern, desto schwieriger wird’s.

Soll es nun bestraft werden oder nicht, das Schuleschwänzen für den Klimaschutz? Politiker, Lehrer und Eltern ringen noch immer um eine Position zu den „Friday for future“-Demonstrationen während der Schulzeit. Denn je größer sie werden, je regelmäßiger sie stattfinden, verändert sich auch ihr Charakter – von einer Ausnahme, die man tolerieren kann, hin zu einem noch nicht abschätzbaren Problem für die Schulen.

Vier Tage haben etwa die sechs Vorstände des Elternvereins NRW diskutiert in vielen Telefonaten und Mails – und sind zu einem harten Schluss gekommen: „Das Schuleschwänzen muss lückenlos sanktioniert werden – und der versäumte Unterricht nachgearbeitet werden.“ Die Vorsitzende Andrea Heck berichtet: „Bei uns haben sich Eltern gemeldet, die sagten: Die ganze Klasse wird demonstrieren gehen, mein Kind will aber nicht dort stehen und Plakate hochhalten.“ Auch Heck findet das Engagement der Schüler gut: „Unterbinden kann und sollte man die Proteste nicht. Aber wer nicht zur Schule geht, muss die Konsequenzen spüren.“ Was bedeutet: Nachsitzen oder unentschuldigte Stunden auf dem Zeugnis.

„Sanktionen sind der falsche Weg“

Die deutlich mitgliederstärkere Landeselternschaft der Gymnasien dagegen positioniert sich weicher. „Wir können Unterrichtsausfall nicht tolerieren“, sagt ihr Sprecher Dieter Cohnen. Aber auch: „Sanktionen sind der falsche Weg.“ Die Anweisung der Bezirksregierung Düsseldorf an Schulen, unentschuldigtes Fehlen in jedem Fall zu dokumentieren und auf dem Zeugnis zu vermerken, nennt er „eine sehr kontraproduktive Betrachtungsweise“. Auch bei der Landeselternschaft hat der Vorstand diskutiert. „Es gab aber niemanden, der die Inhalte nicht teilt.“ Und so fordert der Verband in seiner offiziellen Stellungnahme nach einem formalen Bekenntnis zum Schulgesetz die Eltern dazu auf, mit ihren Kindern auf die Straße zu gehen. – Und was, wenn die Proteste andauern? – „Der Clou ist angekommen, jetzt sollte die Diskussion sich nach außerhalb der Unterrichtszeiten verlagern“, hofft Cohnen. „Die jungen Leute sollten jetzt den Schwung mitnehmen. Die öffentliche Meinung wird kippen.“

Eine salomonische Lösung hat – wie viele andere Schulleiter – Sascha Reuen für das Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Oberhausen gefunden. „Die Schüler sind sehr früh zu mir gekommen und haben gefragt: Was können wir machen?“ Reuen hat ihnen geantwortet: „Ihr müsst Lehrer finden, die Euch begleiten und das im Unterricht thematisieren.“ Aber auch Reuen sagt, dass man bei einem Andauern der Demos das Projekt abbrechen müsse. „Meine Schüler haben ein sehr hohes Pflichtbewusstsein und wissen Bildung zu schätzen. Sie müssen diesen Status des Streikens überwinden und lernen, auch zu diskutieren.“ Immerhin habe die „Demo als Unterricht“ bereits zur Gründung einer Umwelt-AG geführt, die nun Plastikvermeidung und Recycling in der Schule anstoßen will.

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