Bottrop.

Kirchhellen als Marke: So bringt man einen Stadtteil nach vorne

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bottrop. Treffen sich fünf Freunde und fragen sich: „Wie können wir unser Dorf voranbringen?“ Antwort: Erst mal holen wir uns „kirchhellen.de“ zurück. Die Internet­adresse gehörte einst dem Movie Park, dann einem Kindergarten im Bottroper Stadtteil, schließlich landete sie bei einem englischen Domain-Händler. Die Freunde um Marco Willer verhandelten zäh, schmissen zusammen – und investierten einige Tausender in ihre Idee: Lokalpatriotismus ist gut, Anpacken ist besser. 2011 war das.

Freunde mit Gemeinsinnund kreativen Ideen

Und was sie angepackt haben, könnte stilbildend für viele andere Stadtteile im Ruhrgebiet sein. Heute ist die ehrenamtliche Initiative fest verwurzelt zwischen der Werbegemeinschaft der Händler und „Natürlich Kirchhellen“, in dem die Vereine sich organisieren. Dazwischen tat sich eine Lücke auf, die die Freunde mit Gemeinsinn füllten – und mit kreativen Ideen: Einen Kirchhellen-Schnaps gibt es, den „Kirchbuben“, auf Basis von Schlehe aus dem Grafenwald. Ihm folgte die Likör-Schwester „Kirchdame“. Und dann der Knaller: Der Kirchhellen-Gutschein, den die fünf Freunde sich ausdachten, entwickelt sich rasant zu einer Art Lokalwährung.

„Hauptsache, die Kaufkraft bleibt im Dorf“, erläutert Marco Willer, Teil des DJ-Teams „Fire and Ice“, die ursprüngliche Idee. Doch sie umzusetzen, war schwieriger als erwartet. Fälschungssicher muss ein Gutschein sein, der so oft verteilt wird und auch ein vernünftiges Abrechnungssystem musste her.

Der ehrenamtliche, selbsternannte und tatkräftige Werbering meisterte diese Hürden – aber um einiges später als geplant.

Statt Weihnachten gingen die Gutscheine über 10 oder 25 Euro im Februar an den Start. Der „Kirchheller“ wird als Wechselgeld ausgegeben (wenn man denn möchte), man kann ihn kaufen als Geschenk oder aus Lokalpatriotismus, man bekommt ihn hier und da auch geschenkt bei Bonusaktionen und Verlosungen.

Und waren es anfangs zwanzig Geschäfte, machen jetzt gar 52 mit. Inzwischen sind weit über 1000 Gutscheine im Umlauf und täglich kommen 30 bis 40 hinzu. „Er ist schon Gegenstand von Tauschgeschäften“, hat Willer beobachtet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben