Insolvenz

Insolvenz von Thomas Cook ist für NRW-Reisebüros ein Schock

Nach der Insolvenz der Thomas-Cook-Gruppe: Die Fluglinie Condor darf derzeit keine Kunden der betroffenen Gesellschaften mehr befördern.

Nach der Insolvenz der Thomas-Cook-Gruppe: Die Fluglinie Condor darf derzeit keine Kunden der betroffenen Gesellschaften mehr befördern.

Foto: WOLFGANG RATTAY / Reuters

Essen.  Die Insolvenz von Thomas Cook trifft die Reisebranche nahezu unvorbereitet. Bei Reisebüros in der Region stehen die Telefone nicht mehr still.

Ist mein Urlaub jetzt komplett geplatzt? Wir werden an unserem Urlaubsort nicht ins Hotel gelassen, was können wir jetzt tun? Fragen wie diese bekommen die Mitarbeiter in den Reisebüros der Region jetzt zuhauf gestellt. Die Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook verunsichert viele Menschen, die ihren Urlaub bei einer der Gesellschaften der britischen Thomas-Cook-Gruppe gebucht haben.

Insolvenz von Thomas Cook trifft Reisebüros unvorbereitet

Denn auch bei den deutschen Töchtern sind die Folgen der Insolvenz zu spüren. Darunter sind namhafte Veranstalter wie Neckermann Reisen, bei denen viele Deutsche seit 1963 ihre Ferien gebucht haben. „Das ist ein Schock, dass der zweitgrößte Reisekonzern der Welt pleite ist“, so die Chefin eines Duisburger Reisebüros, die namentlich nicht genannt werden möchte. „Bei Air Berlin war das ja auf längere Zeit absehbar, aber die Insolvenz von Thomas Cook trifft uns alle vollkommen unvorbereitet“. Ihre Gedanken sind aber auch bei den Mitarbeitern von Thomas Cook, die jetzt ihren Job durch die Insolvenz verlieren.

Die Telefone stehen in ihrem Reisebüro nicht mehr still. Wie in vielen anderen Reisebüros, egal ob in Moers, Bochum, Duisburg oder Olpe. Überall müssen die Mitarbeiter zunächst vertrösten, Tipps geben oder Mut machen und improvisieren. Denn die Urlauber möchten Antworten, auch wenn die betroffenen Reiseveranstalter auf ihren Webseiten darauf hinweisen, dass Gäste mit Abreisen am Montag oder Dienstag baldmöglichst kontaktiert werden. „Bitte sehen Sie davon ab, selbst in unseren Callcentern anzurufen“, heißt es dort.

Kunden sollen sich schnellstmöglich auf Sicherungsschein berufen

Ein Reisebüro aus dem Sauerland hat nach der Nachricht, dass Thomas Cook insolvent ist, direkt eine Frühschicht eingelegt: „Wir sind seit 6 Uhr hier und kümmern uns um alles“, bestätigt Holger Harnischmacher, der Inhaber des Reisebüros Harnischmacher in Olpe die akute Lage. Für gebuchte Reisen über den Anbieter Thomas Cook würden Alternativen gefunden, mit derzeit betroffenen Urlaubern werde Kontakt aufgenommen.

Informationen wie es nun weiter geht bei Neckermann, Thomas Cook und Co. haben aber auch die Reisebüros offenbar noch nicht bekommen. Die Hotlines, die Reisebüros kontaktieren können, sind überlastet: „Wir sind genau so schlau wie Sie.“ Einen Tipp hat die Duisburger Reise-Expertin trotzdem für mögliche Betroffene: „Berufen Sie sich schnellstmöglich auf den Reisesicherungsschein.“ Pauschalreisen sind so abgesichert, dass Kunden auch im Falle einer Insolvenz ihr Geld zurück bekommen.

Reisebüro-Inhaber: „Die größte Pleite, die der Tourismus bisher erlebt hat.“

Was für ein Ausmaß die Insolvenz annimmt, macht Mario Weller aus Velbert deutlich. Er ist Inhaber des Thomas Cook-Reisebüros in Velbert: „Das ist die größte Pleite, die der Tourismus bisher erlebt hat.“

„Mir geht’s beschissen. Warum fliegen wir nicht?“, sagte Dieter Lenzen, der am Montagmorgen mit seiner Partnerin eigentlich vom Düsseldorfer Flughafen nach Fuerteventura starten wollte. „Wir wurden aus der Schlange gezogen. Wir fliegen nicht. Heute und morgen auf keinen Fall. Das war’s mit dem Urlaub.“ So wie ihm ging es mehreren Passagieren, die bei Tochterunternehmen des insolventen Reiseveranstalters gebucht hatten.

Diese Reiseveranstalter sind derzeit von der Thomas Cook-Insolvenz betroffen

Während sie am Flughafen gestrandet waren, durften andere Reisende, die über Unternehmen außerhalb des Thomas-Cook-Konzerns gebucht hatten, in den Condor-Flieger einsteigen. Die Fluggesellschaft Condor, die ebenfalls zu dem britischen Thomas-Cook-Konzern gehört, fliegt zwar weiterhin, darf aber aus rechtlichen Gründen keine Urlauber mitnehmen, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben.

Im Thomas-Cook-Büro im Düsseldorfer Flughafen auf der oberen Ebene klingelten am Montag die Telefone ohne Unterbrechung. Eine Mitarbeiterin saß dort am Vormittag, in jeder Hand einen Hörer, und sagte immer dasselbe: Sie sei nur eine Franchise-Nehmerin und könne nicht helfen. Schräg gegenüber bei Neckermann zog sich die Mitarbeiterin gleich ins Hinterzimmer zurück, als sie Pressevertreter sah und rief nur rüber: „Ich habe andere Dinge zu tun.“

Mit dem deutschen Reiseveranstalter von Thomas Cook sind nach Unternehmensangaben derzeit 140.000 Gäste unterwegs. Am Montag und Dienstag sollten 21.000 Menschen abreisen - diesen Reisenden könne Thomas Cook nicht gewährleisten, dass ihre gebuchten Reisen stattfinden, teilte die deutsche Thomas Cook GmbH am Montagmorgen mit. Betroffen sind derzeit Pauschalreisende von Thomas Cook, Neckermann, Oeger Tours, Air Marin und Bucher Reisen. Möglicherweise können auch weitere Gesellschaften Insolvenzantrag stellen. (mawo/kiral/cla/mit dpa)

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