Umweltschutz

Initiative arbeitet an Feinstaub-Messgeräten für jedermann

Christian Welling zeigt das Gerät noch bis Freitag am Stand von „Ruhrmobil-e“ auf der Messe „Elektrotechnik“

Foto: Ralf Rottmann

Christian Welling zeigt das Gerät noch bis Freitag am Stand von „Ruhrmobil-e“ auf der Messe „Elektrotechnik“ Foto: Ralf Rottmann

Ruhrgebiet.   Sie sind nicht teuer und einfach zu handhaben. Hängen bald Feinstaub-Messgeräte an jedem zweiten Balkon im Ruhrgebiet? Die Nachfrage ist groß.

Silvester ist ja recht vorhersehbar, man konnte halbwegs erwarten, dass Ernesto Ruge – wie so viele – gegen Mitternacht auf den Balkon treten würde, um zu gucken. Allerdings ging es ihm nicht direkt um das Feuerwerk von Unna, von dem man insgesamt wenig weiß; sondern er hantierte lieber mit seinem selbstgebauten Feinstaub-Messgerät.

Es zeigte kurz darauf 1500 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an, das 30-Fache des erlaubten Grenzwerts. „Ich wusste vorher, dass das passiert“, sagt Ruge. Denn Knaller haben keine Filter.

Das Land NRW betreibt rund 70 Messstellen

Ruge gehört einer Gruppe an, die im Dienst der Umwelt diese Feinstaub-Messgeräte unter die Leute bringen will; Vereine wie „Velo City Ruhr“, „Ruhrmobil-e“ oder „Open Knowledge Foundation“ (für Datenfreiheit und Transparenz) stehen auch dahinter.

Die Idee: Da Nordrhein-Westfalen selbst nur rund 70 Messstellen betreibt, „könnten wir durch die Masse feststellen: Da ist ein unbekannter Brennpunkt, dem muss man nachgehen“, sagt Ruge.

„Wir haben mit 20 Leuten gerechnet“

Im März veranstalten die Beteiligten drei Informationstage in Bochum, Essen und Wuppertal, „wir haben mit 20 Leuten gerechnet, die ein bisschen basteln“, doch stattdessen werden sie gerade überrannt und haben mehr als 100 Anfragen. Das Motiv: Selbst wer nicht das große Ganze im Auge hat, möchte offenbar wissen, was in seiner Straße so herumstaubt – und kann sich dann ans Land wenden..

Das Vorbild für die Aktion stammt aus Stuttgart, der Stadt, für die auch am heutigen Donnerstag Feinstaubalarm ausgerufen ist. Stuttgart nämlich liegt im Kessel, die dicke Luft bewegt sich kaum. „Wir hatten seit Oktober neun Alarme, der vom 16. bis 30. Januar war besonders lang“, sagt Stadtsprecherin Jana Braun.

Eine Wand aus Moos soll Feinstaub binden

Eine Glocke liegt dann über der Stadt, die Stuttgarter sind aufgerufen, nicht Auto zu fahren, und vom nächsten Montag an ist es verboten, Kamine zu benutzen, die nur der Behaglichkeit dienen. In dieser geplagten Stadt also entstand zwischen Uni und Umweltgruppen die Idee, Feinstaubsensoren für jedermann zu propagieren.

70 sollen es inzwischen sein, und im Internet kann man gucken, wie hoch etwa die Belastung an der Cannstatter Straße ist. Hoch! So hoch, dass die Stadt dort jetzt eine 400 Meter lange Mooswand bauen will: Moos fängt Feinstaub ein.

Sensoren kommen auf Sammelbestellung aus China

Doch zurück ins Ruhrgebiet. Ruge hat jetzt die Bestandteile, die man braucht für so einen Sensor, auf dem Fußboden ausgebreitet. Das ist schon sehr überschaubar: eine Platine, zwei Sensoren, ein Ladekabel vom Handy, ein paar Kabel-Enden, ein Stück Schlauch.

Kostenpunkt alles in allem: 33 Euro. Inbegriffen sind auch zwei Kniestücke vom Abflussrohr, als Hülle, um die Elektronik vor dem Wetter zu schützen.

Einzig die Sensoren kommen dabei via Sammelbestellung aus China. „Jeder kann mitmachen“, steht in der Bauanleitung, und: „Mit nur sieben Käbelchen und zwei Kabelbindern wird der Bausatz zur Messstation.“ Das Gerät streike bei Frost oder Luftfeuchtigkeit über 80 Prozent, ansonsten aber beweise Stuttgart, dass sie funktionieren. „Und sie laufen dort schon ein Jahr.“

Probemessung zur Frage der Vergleichbarkeit

Inzwischen gibt es auch Kontakt zum „Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv)“ in Recklinghausen. Es betreibt die 70 staatlichen Messstellen in NRW.

Es sei daran gedacht, probeweise an einer solchen Messstelle zugleich auch einen Heimwerker-Sensor einzusetzen, um die Vergleichbarkeit zu prüfen, sagt Lanuv-Sprecherin Birigit Kaiser de Garcia. Prinzipiell sei es denkbar, „Messungen Dritter heranzuziehen für unsere eigene Messplanung“, sagt sie.

Das wollen sie ja nur.

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