Streit

In Bottrop prallte der Vivawest-Marathon auf eine Hochzeit

Der zerstörte Pavillon hinter dem Lkw mit der Leinwand

Der zerstörte Pavillon hinter dem Lkw mit der Leinwand

Foto: Robin Droste

Bottrop.   Eine Hochzeitsfeier sollte am Malakoffturm am Samstag stattfinden. Gleichzeitig wurde für den Vivawest-Lauf aufgebaut. Nun gibt es Streit.

So eine Hochzeit soll ja gemeinhin einer der schönsten Tage im Leben werden. Doch für ein Brautpaar wurde der Tag nun aus anderen Gründen unvergesslich. Am Samstag war die Hochzeitsfeier im Malakoffturm, doch leider kollidierte die Veranstaltung mit Aufbauarbeiten und Vorbereitungen für den Vivawest-Marathon. Am Sonntag liefen hunderte Marathoni über das Zechengelände, zudem startete dort der Glückauf Zukunft-Lauf zum Ende des Bergbaus.

„Es war ein Desaster“, sagt Tanja Moritz, die Schwester der Braut. So sei beim Aufbau einer Großleinwand ein Pavillon zerstört worden, unter dem das Büfett stehen sollte.

Die Polizei hat den Schaden aufgenommen

Die Folge war ein Polizeieinsatz, dem dann auch der eigentlich geplante Sektempfang bei der Ankunft des Brautpaares zum Opfer fiel. Polizeisprecher Michael Franz: „Die Kollegen waren vor Ort, haben den Fall aufgenommen und die Adressen der Beteiligten ausgetauscht.“

Auch der Soundcheck habe die Ankunft des Brautpaares massiv gestört. und am Ende der Feier habe das Paar die Nacht im Turm verbringen müssen, weil die teure Musikanlage aufgrund der Sperrungen nicht habe abtransportiert werden können und der Veranstalter vorgehabt habe, Besucher durch den Turm zu führen. „Um 9 Uhr morgens sind sie dann letztlich zu Fuß nach Hause gelaufen“, sagt Tanja Moritz.

Veranstalter sieht Situation anders

Kay Meesters, Sprecher der Firma MMP Event, die den Marathon organisiert, schildert die Situation etwas anders. Demnach hätten die Helfer am Samstagmorgen mit dem Aufbau begonnen und dann auch noch mit dem Vermieter des Turms, der Historischen Gesellschaft, telefoniert und gebeten, dass jemand rauskommt. Das sei jedoch nicht geschehen. Der Pavillon sei lediglich um wenige Zentimeter verrückt worden, später habe ihn eine Windböe erfasst, so sei der Schaden entstanden, so Meesters, der darin einen Versicherungsfall sieht. Zudem hätten die Kollegen angeboten zu helfen, seien aber von Hochzeitsgästen „angepöbelt“ worden. Um 15 Uhr seien Aufbau und Soundcheck beendet gewesen. Von Besuchertouren durch den Malakoffturm sei ihm nichts bekannt.

Tatsächlich sei dafür die Stiftung Industriedenkmalpflege, die eigentliche Inhaberin des Turms verantwortlich, sagt Franz Reidick, der Vorsitzende der Historischen Gesellschaft. Die habe sich dann gegenüber der Historischen auch noch über den Zustand außerhalb des Turms beklagt.

Hochzeitsgesellschaft schaltet Anwalt ein

Die Hochzeitsgesellschaft will sich nun an die Historische Gesellschaft halten. Tanja Moritz: „Wir haben einen Anwalt eingeschaltet und fordern Schadensersatz.“ Erst am Mittwoch hätten ihre Schwester und deren Mann vom Marathon und den Sperrungen erfahren – aus der Zeitung.

Der Vertrag zur Anmietung des Turms sei im Oktober abgeschlossen worden, sagt Elsbeth Müller, die Geschäftsführerin der Historischen. Da habe niemand an den Marathon gedacht. Sie hätte sich gewünscht, dass der Veranstalter auch frühzeitig auf die Historische zugekommen wäre. Erst in der vergangenen Woche habe die Historische von den Sperrungen erfahren und da habe es geheißen ab 6 Uhr früh. Grundsätzlich gehöre bei der Anmietung des Turms auch ein Stück des Außengeländes dazu. Das sei durch eine Linie gekennzeichnet. Zudem sei der Veranstalter über die Vermietung informiert worden.

Historische sieht Verantwortung beim Veranstalter

Die Historische Gesellschaft sieht den Veranstalter in der Verantwortung. Der habe sich Dinge herausgenommen, die nicht abgesprochen waren und zudem den Platz vor dem Turm vermüllt hinterlassen, so Reidick.

Das junge Ehepaar ist derweil in Flitterwochen und erholt sich hoffentlich von allen Strapazen.

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