Amnesie

Identität geklärt: „Mann ohne Gedächtnis“ hat einen Namen

Anfang April fand die Polizei den Mann in einem abgestellten Güterwaggon am Dortmunder Hauptbahnhof.

Foto: Hans Blossey

Anfang April fand die Polizei den Mann in einem abgestellten Güterwaggon am Dortmunder Hauptbahnhof. Foto: Hans Blossey

Dortmund.   Rund hundert Zeugen meldeten sich auf den Aufruf der Dortmunder Polizei. Doch wie der Patient sein Gedächtnis verlor, bleibt rätselhaft.

Der „Mann ohne Gedächtnis“ war kein Unbekannter. Rund 100 Menschen haben ihn erkannt nach einem öffentlichen Aufruf am Donnerstag – den Mann, der sich selbst nicht kannte. Der Herr mit dem weißen Bart ist 57 Jahre alt, gab die Polizei am Freitagnachmittag bekannt. Und er kommt aus Dortmund, wo man ihn im April in einem abgestellten Güterwaggon am Hauptbahnhof entdeckt hatte.

Er kannte nicht seinen Namen, nicht seinen Wohnort, nicht seine Familie. Nur ein paar Geschichtsbücher hatte er bei sich und Asthma-Spray. Nach anfänglicher Verwirrtheit kehrte sein voller Verstand zurück, aber nicht die Erinnerung.

Extrem seltener Fall von Amnesie

Seinen Namen erfuhr der Mann gestern von seinen Ärzten im Marien-Hospital Dortmund. Weitere Details zu seiner Person und Geschichte will die Polizei nicht herausgeben, denn klar ist: Er braucht Schutz. Mediziner vermuten, dass er einen Schock oder ein Trauma erlitten hat, auf dass er seine Erinnerung verlor oder besser abspaltete. Solche Fälle von „dissoziativer Amnesie“ sind extrem selten.

Auch nachdem seine Identität nun geklärt ist, deute nichts darauf hin, dass er seinen Gedächtnisverlust nur vorgetäuscht habe, so Polizeisprecher Gunnar Wortmann. Auch gebe es keine Hinweise auf ein Verbrechen – „weder als Täter noch als Opfer.“ Womit der Fall für die Polizei abgeschlossen und nun eine Sache der Ärzte ist, die ihm helfen wollen, seine Erinnerung wiederzufinden. Und der Stadt, die ihm eine Wohnung gestellt und ihn mit Sozialhilfe unterstützt hat. Sie will versuchen, die Behandlungskosten von der Krankenkasse des Mannes wiederzubekommen. Eine Wohnadresse soll es geben.

Ob sich Verwandte oder Freunde kümmern, ist unklar

Ob sich tatsächlich seit April keine Menschen wegen seines Verschwindens gemeldet haben, prüft die Polizei noch. Denkbar ist, dass solche Mitteilungen nicht in einer Vermisstenanzeige mündeten oder nicht dem Fall zugeordnet wurden. Ob sich nun Verwandte, Freunde, Bekannte um den Mann kümmern werden, ist unklar.

Nach einem Bericht der Ruhrnachrichten hat sich schon ein ehemaliger Arbeitgeber besorgt gezeigt. Der Patient soll demnach früher als Filmvorführer in einem Programmkino gearbeitet haben. Darüber hinaus bleibt seine Geschichte privat, bis er womöglich eines Tages darüber reden will.

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