Kreißsaalcheck

Hebammenverband: Versorgung von Schwangeren ist unzureichend

Die Versorgung von Schwangeren ist nach zahlreichen Kreißsaalschließungen unzureichend, sagt der Hebammenverband NRW.

Die Versorgung von Schwangeren ist nach zahlreichen Kreißsaalschließungen unzureichend, sagt der Hebammenverband NRW.

Foto: Julian Stratenschulte / picture alliance/dpa

Essen.  Hebammenverband NRW warnt nach Kreißsaalschließungen vor einer unzureichenden Schwangeren-Versorgung. Das Gesundheitsministerium widerspricht.

Während zahlreiche Kliniken aus Kostengründen ihre Kreißsäle und Geburtsstationen schließen, prangert der Hebammenverband in NRW nun eine „mehr als unzureichende“ Versorgung von Schwangeren in Nordrhein-Westfalen an.

„Überall fehlen gleichermaßen Hebammen in den Kliniken und in der ambulanten Wochenbettbetreuung“, sagt die Landesverbandsvorsitzende Barbara Blomeier. Dabei unterscheide sich das Ruhrgebiet nicht von ländlichen Regionen.

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Geburtsstationen: In zehn Jahren machten 44 Kliniken ihre Geburtsabteilung dicht

In Nordrhein-Westfalen haben derzeit nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums 142 Kliniken eine geburtshilfliche Abteilung. Seit 2009 haben 44 Kliniken ihre Geburtsstationen dicht gemacht. Aus Sicht des Hebammenverbandes gibt es diesen Abwärts-Trend vor allem aus finanziellen Gründen. „Geburtshilfe ist ein Minusgeschäft“, sagt Barbara Blomeier.

Für eine Geburt zahlen Krankenkassen eine Fallpauschale. Dabei werde nicht berücksichtigt, ob die Geburt zehn Minuten oder mehrere Tage dauere. „Das ist nicht planbar!“ Da sich das für die Kliniken nicht rechne, gebe es einen großen Druck zu sparen – mit massiven Auswirkungen.

„Wenn eine Hebamme nachts bei drei Geburten gleichzeitig den Kreißsaal auch noch selbst putzen muss, dann ist das kein attraktiver Arbeitsplatz mehr.“ Irgendwann werde die Unterbesetzung dann so riskant, dass man den Kreißsaal schließen muss, entweder vorübergehend oder endgültig.

NRW-Gesundheitsministerium widerspricht: Versorgung flächendeckend sichergestellt

Das NRW-Gesundheitsministerium widerspricht der Einschätzung des Hebammenverbandes. „Die geburtshilfliche Versorgung ist in Nordrhein-Westfalen nahezu flächendeckend sichergestellt“, heißt es auf Nachfrage. Schwangere könnten laut einem Gutachten zur Krankenhauslandschaft grundsätzlich innerhalb von 40 Minuten ein Krankenhaus mit Geburtshilfe-Abteilung erreichen.

Aber: „Kliniken berichten von Problemen, ausreichend Hebammen für die Arbeit in Kreißsälen gewinnen zu können.“ Das hat laut Hebammenverband einen einfachen Grund: „Schlechte Arbeitsbedingungen in den Kliniken und unzureichende Bezahlung in der Freiberuflichkeit.“ Insgesamt 3.700 Betten seien derzeit der Geburtshilfe vorbehalten.

Trend zu großen Entbindungszentren in Nordrhein-Westfalen

Während gerade kleinere Krankenhäuser ihre Kreißsäle schließen, verstärkt sich der Trend zu großen, häufig auch auf Frühgeborene spezialisierte „Entbindungszentren“. So gibt es in Nordrhein-Westfalen 44 so genannte Perinatalzentren, die sich auf die Versorgung von Frühgeborenen spezialisiert haben.

Aus Sicht des Hebammenverbandes sollte jedes große Zentrum auch mindestens ein Geburtshaus auf dem Gelände und einen hebammengeleiteten Kreißsaal haben. Außerdem sollten Frauen unter Wehen innerhalb von kurzer Zeit eine Geburtsklinik erreichen können. Die Vorsitzende des Landesverbandes stellt klare Forderungen an die Politik: „Das Finanzierungssystem muss sich ändern.“ Es müsse genug Geld da sein, um ausreichend Personal einzustellen.

Im NRW-Gesundheitsministerium scheint man gewillt, die Geburtshilfe zu fördern. So kann das Land kann jährlich bestimmte Bereiche in Krankenhäusern gezielt fördern. Während in diesem Jahr die Versorgung auf dem Land gestärkt werden sollte, könne es für 2020 durchaus die Stärkung der Geburtshilfe sein, heißt es vage. Eine Entscheidung darüber solle noch in diesem Jahr verkündet werden.

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