Verkehr

Handy am Steuer: Polizei erwischt Sünder am Aktionstag

Innenminister Herbert Reul macht sich vor Ort ein Bild.

Innenminister Herbert Reul macht sich vor Ort ein Bild.

Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf/Neuss.   Beim landesweiten Aktionstag der Polizei gegen Handys hat Innenminister Reul gewarnt: „So etwas kostet Menschenleben.“ Erwischt wurden viele.

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Die Zahl der Verkehrsunfälle durch Ablenkung steigt seit Jahren stark an. Laut NRW-Innenministerium spielt das bei mittlerweile jedem zweiten Verkehrsunfall eine Rolle. Im vergangenen Jahr wurden 142.000 Autofahrer und 25.000 Radfahrer in NRW erwischt, die mit dem Smartphone herumhantierten. Etwa die Hälfte aller Autofahrer benutzt laut Studien das Handy während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung, bei den 20- bis 45-Jährigen sollen es gar 77 Prozent sein. Mit einer landesweiten Kontrollaktion konzentriert sich die Polizei heute auf das Phänomen.

Reul: Kein Vergleich mit dem Blitzermarathon

Vergleiche mit dem regelmäßigen Blitzermarathon seines Vorgängers im Amt lehnt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ab. „Wir wollen punktuell Aufmerksamkeit erzeugen und nicht die Menschen peinigen“, sagte er beim Besuch eines Kontrollpunkts am Vormittag in Neuss. Es gehe auch „nicht ums Erwischen“, sondern ums Bewusstmachen.

Reul erinnerte daran, dass jemand, der am Steuer telefoniere etwa so fahre wie jemand mit 0,8 Promille. „Die Leute, die so etwas tun, würden sich andererseits niemals betrunken ans Lenkrad setzen.“ Man müsse sie also an die Gefahr erinnern. Wer zwei Sekunden aufs Handy blickt, fahre bei Tempo 50 „rund dreißig Meter im Blindflug.“ Mitteilungen ins Smartphone zu tippen, sei entsprechend gefährlicher.

100 Euro und ein Punkt in Flensburg

„Wir haben schon einige Fälle heute morgen gehabt, obwohl es im Radio lief“, berichtet Hauptkommissar Timm Kehrbaum von der Kreispolizeibehörde Neuss. „Ich hab’ mit dem Portemonnaie rumgespielt“ hat er unter anderem zu hören bekommen. Kehrbaum kennt alle Ausreden. Berufserfahrung.

„Ich hab’ zwei Anrufe von der Zentrale ignoriert und den dritten dann angenommen“, erzählt ein Lkw-Fahrer aus Ulm, der gerade herausgewunken wurde und nun nicht nur einem Polizisten gegenübersteht, sondern auch einem Minister und einem Dutzend neugieriger Journalisten. Er habe auch nur kurz gesagt, dass er später zurückrufe, und überhaupt habe er dabei ja an einer Ampel gestanden. Es nützt nichts: Der Anruf kostet ihn 100 Euro und brockt ihm einen Punkt in Flensburg ein.

Der Duisburger Verkehrspsychologe Michael Haeser hatte am Morgen im WDR erklärt, warum so viele Menschen am Steuer um Smartphone greifen, obwohl es für sie und andere so gefährlich ist: „Wir tun oft das, was wir spontan für richtig halten und wichtig finden.“ Zudem glaube jeder, er sei ein guter Autofahrer, nur die anderen beherrschten ihr Fahrzeug nicht.

1700 Auto- und Radfahrer erwischt

Studien aus Österreich legen nahe, dass Ablenkung bei jedem dritten tödlichen Unfall eine Rolle spielt. Die Polizei in NRW hatte sich bereits im vergangenen September mit mehr als 500 Kontrollstellen und 1600 Polizisten an einer bundesweiten Kontrollaktion beteiligt. Dabei waren 1700 Auto- und Radfahrer erwischt worden.

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