Prozess

Hand verbrüht, Milz verletzt: Eltern schweigen vor Gericht

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Schlimme Verletzungen am Körper einer Vierjährigen belegen das Martyrium. Vor dem Landgericht Essen müssen sich jetzt ihre Eltern verantworten.

Ein anonymer Hinweis rettete wohl das Leben der Vierjährigen. Mitarbeiterinnen des Marler Jugendamtes, die der Informationen nachgingen, riefen sofort den Rettungswagen, so misshandelt sah das Kind schon auf den ersten Blick aus. Seit Mittwoch müssen sich die Eltern des Mädchens vor dem Landgericht Essen verantworten. Kindesmisshandlung wirft die Anklage ihnen vor.

Es ist ein Protokoll des Schreckens, das Staatsanwalt Andreas Hos zu Verhandlungsbeginn vor der V. Jugendschutzkammer vorliest. Am ganzen Körper war die Vierjährige mit Blutergüssen übersät. Ihr Körper wies Spuren eines Pfannenwenders auf, mit dem sie geschlagen wurde. In der Kinderklinik Datteln stellten die Ärzte zudem innere Blutungen an Milz und Nieren fest. Zeitweise hat wohl auch Lebensgefahr bestanden.

Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagt

Dennoch ist kein versuchtes Tötungsdelikt angeklagt, sondern nur eine Misshandlung von Schutzbefohlenen am 24. April 2018. Die Staatsanwaltschaft hatte den Fall zunächst lediglich am Schöffengericht in Marl angeklagt. Dies sah aber seine Strafgewalt von höchstens vier Jahren Haft als nicht ausreichend an und gab die Akten weiter an das Landgericht Essen.

Die Eltern, Christina-Livia L. (32) und Tarzan S. (41), schweigen am Dienstag zunächst zu den Vorwürfen. Sie wollen erst hören was ihre Tochter und ihre anderen Kinder aussagen werden, sagt Rechtsanwältin Ottilia Bojo-Lamers, die den Mann verteidigt.

Vor allem die Mutter soll Gewalt ausgeübt haben

Richter Volker Uhlenbrock liest einen rechtlichen Hinweis der Kammer für die beiden Angeklagten vor. Danach ist die Rollenverteilung klarer. Der weiblichen Angeklagten wird der Großteil der Gewalt zugeschrieben. Dem Mann wird dagegen vorgeworfen, dies zugelassen zu haben. Er habe einschreiten können, es aber nicht getan.

Und das Ausmaß der Gewalt wird deutlicher. In dem Hinweis wird das Martyrium des Kindes geschildert. Vom Verbrühen der Hand ist die Rede, vom zu Boden werfen, von Schlägen mit einem Stock ins Gesicht, von einem Tritt, durch den es die Treppe hinunterstürzte. Das ist nur ein Ausschnitt der Taten, die das Gericht in dem Hinweis der Mutter anlastet. Der Richter betont, dass dies natürlich noch keine endgültige Bewertung ist, dass die Wahrheit aufgeklärt werden müsse.

Vierjährige "spielte und lachte nicht"

Das gilt auch für den Vater. Ihn sieht die Kammer in der Pflicht, die Gewalthandlungen der Mutter „nicht unterbunden oder angezeigt zu haben“. Schließlich habe er die Familie, von der er in Marl offiziell getrennt lebte, nahezu täglich gesehen. Was der Vierjährigen angetan wurde, habe er mitbekommen müssen. Richter Uhlenbrock: „Dass sie nicht spielte und nicht lachte.“

Auch psychische Schäden sind bei der Vierjährigen zu sehen. Sie reagiert extrem ängstlich, heißt es in der Anklage. Zum Zeitpunkt der Taten soll sie erst seit drei Monaten bei ihren Eltern gelebt haben. Zuvor sei sie in einem Kinderheim in der rumänischen Heimat der Eltern untergebracht gewesen. Zur Familie in Marl gehören noch zwei weitere leibliche Kinder des Paares und zwei Kinder der Mutter.

Am Freitag sollen die Kinder gehört werden. Für das Strafverfahren hat die V. Kammer insgesamt sechs Verhandlungstage angesetzt.

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