Ideenwettbewerb

Hackathon-Gewinner: Per Mausklick zum neuen Zuhause

Vier von fünf AI Ruhr-Mitgliedern: Timo Gatta, Stephan Lucka, Constantin Sfirnaciuc und  Andrey Bogomolov.

Foto: STEFAN AREND

Vier von fünf AI Ruhr-Mitgliedern: Timo Gatta, Stephan Lucka, Constantin Sfirnaciuc und Andrey Bogomolov.

Essen.   Gewinner des RAG-Ideenwettbewerbes wollen Menschen im Ruhrgebiet dabei helfen, eine Wohnung zu finden, die wirklich zu ihnen passt.

Vor vier Wochen haben sie sich nicht einmal gekannt, mittlerweile treffen sie sich zwei Mal in der Woche. Essen, Haus der Technik, gegenüber vom Hauptbahnhof. Nebeneingang, die Treppe hoch und dann links durch einen kleinen Flur, da sitzen sie in einheitlichen schwarzen T-Shirts vor ihren aufgeklappten Laptops und diskutieren. Andrey Bogomolov (34), Stephan Lucka (35), Timo Gatta (22), und Constantin Sfirnaciuc (24). Der zweite Constantin mit Nachnamen Soffner (22) kann heute nicht, „kommt sonst aber immer“, wenn sie die Zukunft des Ruhrgebietes planen. Zumindest einen Teil davon.

5000 Euro für den Sieg beim Ideen-Wettbewerb

A.I. Ruhr nennen sich die fünf, die sich Ende November bei einem sogenannten Hackathon der RAG-Stiftung kennengelernt und den 24-stündigen Ideen-Wettbewerb gewonnen haben. 5000 Euro gab es dafür und natürlich hätten sie anschließend wieder auseinandergehen können. Aber während sie noch jubeln an jenem Nachmittag in Oberhausen, steht für das Quintett fest, dass sie weitermachen. „Weil einfach alles passt in dieser Gruppe“, sagt Bogomolov.

Und weil sie überzeugt sind von ihrer Idee, die da auf den ersten Blick etwas kryptisch lautet: Einen Attraktivitätsindex für Wohnungen und Wohnlagen im Ruhrgebiet erstellen. „Im Grunde“, sagt Stephan Lucka, „wollen wir Menschen dabei helfen, einen Wohnung zu finden, die zu ihnen passt.“ Nicht nur preislich oder von der Größe, sondern auch vom Umfeld her. „Wie ist die Anbindung an den Nahverkehr? Wie viele Kindergärten gibt es in der Nähe?“, nennt Gatta zwei von vielen Möglichkeiten.

Gründer war selbst auf Wohnungssuche

Andrey ist auf die Idee gekommen. „Weil ich selbst nicht wusste, wohin ich ziehen sollte, als ich vor Kurzem aus Schweden zurück ins Ruhrgebiet gekommen bin“, sagt der gebürtige Ukrainer. Natürlich gebe es Immobilienportale wie Scout 24. Da finde man zwar alles zur Wohnung aber so gut wie nichts über die Umgebung. Und große Suchmaschinen, hat er festgestellt, gehen nicht genug in die Tiefe, „sind nicht regional genug“. „Ich war ratlos.“

Das soll anderen künftig nicht mehr passieren. „Daten“, hat das Quintett festgestellt, „gibt es genug.“ Und viele davon sind sogar frei zugänglich. Nicht wenige aber schlummern ungenutzt in Archiven, oft in städtischen. Ein Schatz, den die Jungs von AI heben wollen. Vor allem aber wollen sie diese Daten „visualisieren“, sie anschaulich machen. „Erst im Internet, später gerne auch als App für Smart-Phones“, sagt Lucka.

Bisher vor allem Zeit investiert

Möglichst nahe bei den Menschen wollen sie dabei sein. „Was nutzt es, wenn ich die Entfernung von meinem Zuhause bis zur meiner Arbeitsstätte als Luftlinie darstelle?“, fragt Bogomolov. „Wichtig ist zu wissen, wie lange fahre ich mit dem Fahrrad dorthin. Wie schnell geht es mit dem Auto?“

„Bis jetzt läuft es gut“, sind sich die fünf einig. Bis jetzt mussten sie aber auch noch nicht großartig investieren. „Alles was uns das Projekt bisher gekostet hat, ist unsere Zeit“, sagt Gatta. Doch das wird sich ändern – spätestens wenn sie ihre Internet-Seite freischalten und die App fertig ist. Dann will geklotzt, nicht gekleckert werden. „Man muss sehr schnell sehr groß werden“, weiß Lucka. „Sonst ist die Aufmerksamkeit für das Projekt weg.“ Deshalb sucht AI Ruhr einen Investor „mit Vertrauen“. „Mit ein wenig Kapital“, ist nicht nur Lucka überzeugt, „kriegen wir die Sache dann schnell ans Laufen.“

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