Arbeitsgericht

Verdi: „Mit keiner Firma mehr Ärger als mit Kötter“

Gewerkschafter Özay Tarim auf dem Weg zu seinem Prozess vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf.

Gewerkschafter Özay Tarim auf dem Weg zu seinem Prozess vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen/Düsseldorf.  Sicherheitsfirma Kötter aus Essen wirft Verdi-Mann Özay Tarim vor, Lügen zu verbreiten. Warum auch die Richterin als Vermittlerin scheitert.

Die Stimmung ist vergiftet: „Mit keinem Arbeitgeber haben wir so viele Auseinandersetzungen wie mit Kötter“, klagt Verdi-Fachbereichsleiterin Andrea Becker in Düsseldorf und präzisiert: „Die halten sich nicht an Tarifverträge und sind ständig mit Betriebsräten vor dem Arbeitsgericht.“ An diesem Freitag streitet der Essener Sicherheitsdienstleister mit Verdi direkt und vor allem mit dessen umtriebigem Sekretär Özay Tarim vor dem Düsseldorfer Arbeitsgericht.

Auf Flugblättern von Tarim ist von Lügen und Manipulation die Rede

Kötter, unter anderem noch bis ins nächste Jahr für die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen Düsseldorf

und Köln zuständig, wirft ihm Falschaussagen auf Flugblättern im Tarifstreit Anfang des Jahres vor. Unter anderem die Behauptung, das Unternehmen hindere Mitarbeiter daran, ihr Streikrecht auszuüben. Die Formulierungen sind scharf, von Manipulation und belogener Öffentlichkeit ist die Rede. Kötter beharrt auf einer Unterlassungserklärung

Gewerkschafter feiern Tarim im Gerichtssaal

Tarim, ein kräftiger, selbstbewusster Mann mit Zöpfchen und Vollbart, lächelt über den Applaus, mit dem ihn rund 50 Gewerkschaftskollegen und Kötter-Betriebsräte im Saal begrüßen, viele mit roten „Tarim“-Stickern an der Jacke. Seine Leute nennen ihn „engagiert“, in der Kötter-Chefetage gilt er nicht völlig überraschend als „penetrant“.

Katastrophale Zustände am Flughafen

Tarim hatte in den vergangenen Jahren immer wieder über die Arbeitsbedingungen und Überlastung der Abfertigungskräfte an den Flughäfen beklagt.

Einer größeren Öffentlichkeit wurde er vor zwei Jahren bekannt, als am Düsseldorfer Flughäfen katastrophale Zustände in der Abfertigung herrschten, besonders lange Passagierschlangen und Handgreiflichkeiten bundesweit für Schlagzeilen sorgten. Tarim verschickte damals zahllose Fotos von den Zuständen in der Terminalhalle an die Medien, so diese nicht selbst vor Ort waren.

Richterin scheitert mit einem Vergleichsvorschlag

Bei Kötter wurden Fehler eingeräumt, mittlerweile haben man allerdings so viele Verbesserungen für die Mitarbeiter verwirklicht, dass man pauschale Vorwürfe für ungerechtfertigt hält.

Auch an diesem Mittag wird es nichts mit Verständigung: Richterin Susanne Mujan scheitert mit einem komplizierten Vergleichsvorschlag. Verdi pocht schließlich auf einen Mediator, die Kötter-Anwälte wollen lieber eine gemeinsame Erklärung mit der Gewerkschaft verfassen.

Kötter Security-Geschäftsführer Peter Lange sagt auf Nachfrage später, dass er sich „schon eine Mediation vorstellen kann, aber die Vorbedingungen müssen Anstand und respektvoller Umgang miteinander sein“. Den allerdings vermisst nicht nur er. Sondern auch Verdi bei Kötter.

„Ich lass’ mich nicht von Ihnen belehren“, ruft Özay Tarim einer Anwältin der Gegenseite am Ende zu. Nach einer schnellen Einigung klingt das nicht.

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