Prozess

Essen: Gericht sieht keinen Beweis für Gruppenvergewaltigung

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Essen  Für die angeklagte Gruppenvergewaltigung einer Frau durch fünf Fußballer gibt es keinen Beweis. Eine Verurteilung bleibt ihnen erspart.

Der Vorwurf war massiv, doch nach zwei Tagen Verhandlung blieb davon fast nichts übrig. Denn das Landgericht Essen, aber auch die anderen Prozessbeteiligten, sahen keinen Beweis für die angeklagte Gruppenvergewaltigung einer 22 Jahre alten Essenerin durch fünf Fußballer. Lediglich für das unerlaubte Filmen der Sexszenen zahlen sie Geldbußen und bekommen das Verfahren eingestellt.

Auch die 22-Jährige erhob keine Einwände gegen das Prozessende. In ihrer Aussage hatte sie selbst von anfänglichem Einverständnis mit dem Gruppensex gesprochen. Dass die jungen Männer, 22 bis 26 Jahre alt, ihre spätere Ablehnung erkennen konnten, dafür gab es auch nach ihrer Aussage keinen Anhaltspunkt.

In Gruppensex eingewilligt

Eine Überraschung war dieses Prozessende für die meisten Juristen im Saal nicht. Denn schon im Ermittlungsverfahren stand durch sichergestellte Chatprotokolle fest, dass es in der Rüttenscheider Wohngemeinschaft von drei der fünf Angeklagten zum Gruppensex kommen sollte. Darin hatte offenbar auch die 22-Jährige mit zum Teil recht drastischen Formulierungen eingewilligt. Nicht einverstanden, und das habe sie auch deutlich gemacht, sei sie dagegen gewesen, als einer der jungen Männer plötzlich fotografiert und gefilmt habe, sagte sie vor der XXI. Essener Strafkammer.

Sie selbst hatte zunächst keine Anzeige erstattet. Allerdings hatte sie bei dem Sexualakt Quetschungen, blaue Flecken und Hautabschürfungen erlitten. Deshalb hatte sie einen Arzt aufgesucht, der nach ihrer Schilderung von einer Straftat sprach und eindringlich zur Anzeige riet. So kam es zu dem Verfahren.

Kein Beweis für Vergewaltigung

Am Freitag, dritter Prozesstag, erörterten die Juristen die Rechtslage. Übereinstimmend sahen sie keinen Beweis für die Gruppenvergewaltigung. Staatsanwalt Niclas von Hobe regte an, das Verfahren wegen der unerlaubten Fotos gegen eine Geldbuße einzustellen. Auch dies traf auf Zustimmung aller.

Um die Höhe der Geldbuße festzulegen, fragte Richter Marc Hunke nach den Einkommensverhältnissen der Angeklagten. Erst auf Nachfrage teilten die Fußballer, die in einer höheren Amateurliga spielen, mit, dass sie für ihren Sport monatlich "so 250 Euro" bekommen.

Geldbußen bis 3500 Euro

Je nach Verdienst müssen sie Geldbußen in Höhe von 2500 bis 3500 Euro bezahlen. Vom Gesamtbetrag gehen 1750 Euro an die 22-Jährige. Einen Freispruch gab es durch die Einstellung nicht. Richter Marc Hunke machte klar, dass das Gericht der Frau nicht die Unwahrheit unterstelle, sie aber keine Vergewaltigung geschildert habe.

Und zu den Angeklagten: "Hätte es ein Urteil gegeben, wären Sie freigesprochen worden." Einer der Angeklagten hatte zuvor mit teils tränenerstickter Stimme geschildert, unter welcher Belastung er durch das Verfahren gestanden habe.

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