Brandschutz

Geräumte Hochhäuser - in Bochum und Dortmund tut sich nichts

Noch immer weiß niemand, wann wieder Mieter einziehen können in den Hannibal.

Noch immer weiß niemand, wann wieder Mieter einziehen können in den Hannibal.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Ruhrgebiet.  Viel versprochen, wenig gehalten. In den leergezogenen Hochhäusern in Dortmund und Bochum tut sich wenig. Die Gründe sind vielfältig.

Vom Leerstand zum Schandfleck ist’s ein ganz kurzer Weg, und das „Lohring-Haus“ in Bochum ist gerade unterwegs dorthin; wobei, wenn man genau hinschaut, nur noch „L RING- S“ an der Fassade steht. 87 Wohnungen stehen leer auf 16 Etagen, 14 Tage ließ man den Menschen damals Zeit, umzuziehen. Und heute? Verschmierte und verhängte Fenster, Graffiti, nichts regt sich; einzig im problemfreien Erdgeschoss halten sich ein Lampenladen und ein Kopiergeschäft und legen nachvollziehbaren Wert darauf, dass es sie noch gibt.

Das Haus ist eines jener Hochhäuser, die in den letzten zwei Jahren wegen Brandschutzmängeln schnellstens leergezogen wurden; aus manchen der Gebäude mussten die Menschen gar von jetzt auf gleich heraus. Bochum, Dortmund, Duisburg, Wuppertal. Mal fehlte ein zweiter Rettungsweg, mal waren Feuerlöscher abgelaufen. Oder offene Schächte würden den giftigen Brandrauch in alle Wohnungen tragen. Oder die Fassade enthielt Brennbares. Oder ...

Hannibal: 753 Menschen verloren ihre Zuhause

In Wuppertal jedenfalls ist längst wieder alles in Ordnung, im ersten Hochhaus überhaupt, das geräumt worden war nach der Katastrophe im Grenfell-Wohnturm von London. Und in Duisburg arbeiten sie daran. Im wohl spektakulärsten Fall aber passiert so gut wie nichts.

Denn Ruhe herrscht, wo längst wieder Leben hätte einkehren sollen: am Hannibal II in Dortmund. 753 Menschen verloren hier im September 2017 über Nacht ihr Zuhause, als die Stadt den aus acht Hochhäusern bestehenden Komplex mit insgesamt 413 Wohnungen wegen Mängeln beim Brandschutz räumen ließ.

Räumung bleibt „der absolute Ausnahmefall“

„Wenn eine konkrete Gefahr für Leib und Leben besteht, müssen die Bewohner in Sicherheit gebracht werden, bis der Mangel abgestellt ist“, sagt Dirk Aschenbrenner, Präsident der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (VFDB) und Direktor der Feuerwehr Dortmund. Das sei aber der absolute Ausnahmefall.

Zurzeit ist völlig unklar, wann die Wohnungen wieder bezogen werden können.

Bauantrag wird derzeit von der Stadt geprüft

Bisher hat am Hannibal II noch nicht einmal der Umbau begonnen. „Es liegt ein Bauantrag zur Beseitigung der Mängel vor, die Ursachen der Schließung waren“, bestätigt die Stadt Dortmund auf Anfrage. Dieser Antrag werde geprüft. Nach Informationen dieser Zeitung dauert diese Prüfung allerdings bereits seit April. Es habe Probleme mit ein paar veralteten Formularen gegeben, nichts Schwerwiegendes, sagt Robert Döring, Sprecher des Unternehmens Lianeo, das bis vor kurzem noch Intown hieß und dem der Hannibal II gehört.

Was genau der Bauantrag beinhaltet, sagt Döring nicht. Es ist aber offenbar nicht mehr viel übrig von den im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit gelangten Plänen, den Hannibal und sein Wohnumfeld aufzuwerten, durch ein kleines Dienstleistungszentrum im Erdgeschoss oder Büroraum für Start-Ups aufzuwerten. Auch das will Döring weder bestätigen noch dementieren. Man habe die Pläne „konkretisiert“ und angepasst an die Bedürfnisse der Menschen im Stadtteil, erklärt er. Mit anderen Worten: Bloß nicht zu viel Geld in die Renovierung stecken. Ist ja keiner da, der anschließend deswegen höhere Miete zahlen kann oder will.

In Dortmund kursieren die Verkaufsgerüchte

„Schmalspurbauantrag“ nennt Rainer Stücker, Geschäftsführer des Dortmunder Mietervereins, die eingereichten Pläne des Hausbesitzers dann auch und blickt eher skeptisch in die Zukunft. „Wir befürchten, dass der Hannibal II verkauft werden soll.“ Ein teurer Umbau wäre in dem Fall unlogisch. „Wir haben ein großes Interesse daran, den Hannibal wieder ans Netz zu bringen“, ist alles, was Lianeo-Sprecher Döring dazu sagt. Die schon seit längerem kursierenden Verkaufsgerüchte werde er nicht kommentieren. Nur in einem Punkt sind sich Döring und Stücker einig: „Dortmund“, sagen sie unabhängig voneinander, „braucht diese Wohnungen ganz dringend.“

Doch zurück nochmal nach Bochum. Auch hier weiß niemand, wie es auf den 16 leeren Etagen weitergeht. „Es haben keine Arbeiten stattgefunden, und es gibt keine Anzeichen, dass etwas bevorsteht“, sagt ein Sprecher der Stadtverwaltung. Kontakt zur Eigentümergesellschaft hat sie nicht mehr, deren Sprecher ist nicht mehr im Amt. Die hatte ursprünglich angekündigt, das Haus zu sanieren, schweigt inzwischen aber nachhaltig: „Es gibt nichts Neues“, hieß es zuletzt im Mai. Sanierung? Neubau? Stillstand.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben