Großeinsatz

Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof - Was wir bislang wissen

Ein Polizist steht vor der Apotheke im Hauptbahnhof. Nach der Geiselnahme in einer Apotheke im Kölner Hauptbahnhof prüft die Polizei einen Terror-Hintergrund.

Ein Polizist steht vor der Apotheke im Hauptbahnhof. Nach der Geiselnahme in einer Apotheke im Kölner Hauptbahnhof prüft die Polizei einen Terror-Hintergrund.

Foto: Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Köln.  Ein terroristischer Hintergrund wird nach der Geiselnahme in einer Apotheke im Kölner Hauptbahnhof nicht ausgeschlossen. Was wir bislang wissen.

Was ist passiert?

Am Montagmittag kippte ein Mann in einem Schnellrestaurant im Kölner Hauptbahnhof große Mengen Benzin über den Boden und zündete es an. Das Video einer Überwachungskamera zeigt danach nur noch einen grellen Feuerschein. Anschließend flüchtete der Täter aus der McDonald's-Filiale und nahm in einer gegenüberliegenden Apotheke eine Angestellte als Geisel. Als er sie mit Benzin übergoss, griff die Polizei ein und schoss ihn nieder.

Es ist bisher nicht wirklich klar, warum der Täter aus der McDonald's-Filiale in die Apotheke wechselte und seinen ursprünglichen Plan eines großen Brandanschlags nicht weiter verfolgte. Vielleicht war es die einsetzende Sprinkleranlage, die ihn dazu bewegte. Seine Gaskartuschen und weiteres Benzin ließ er in dem Restaurant zurück, versuchte sie jedoch später in Verhandlungen mit der Polizei zurückzubekommen.

Wer wurde verletzt?

Eine 14 Jahre alte Kundin der McDonald's-Filiale erlitt durch das Feuer schwere Verbrennungen. Auf dem Video sieht man, dass sie das Hantieren des Täters im Gegensatz zu anderen Kunden nicht bemerkt. Eine andere Kundin wurde mit Verdacht auf Rauchvergiftung behandelt. Die Apothekenangestellte, die der Mann als Geisel nahm, erlitt einen Schock. Die Frauen waren nach Überzeugung der Polizei rein zufällige Opfer.

Was ist über den Geiselnehmer bekannt?

Er ist nach Polizei-Angaben ein 55 Jahre alter anerkannter Flüchtling aus Syrien, der 2015 nach Deutschland kam. Er lebte in einer Wohnung in einer Flüchtlingsunterkunft im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld. Aufgrund psychischer Probleme konnte er nicht arbeiten. Seine Frau befindet sich in Syrien, Sohn und Bruder leben in Deutschland. Der Syrer ist für die Polizei kein Unbekannter: Er fiel 13 Mal auf, unter anderem wegen Ladendiebstahls und Betrugs, nicht aber als Islamist. Nach Zeugenaussagen war der Mann bei der Tat alkoholisiert.

Was ist über den Hintergrund bekannt?

Es ist unklar, ob der Täter als islamistischer Terrorist zu betrachten ist. Auf der Wand seiner Wohnung standen in arabischer Schrift Sätze, die sich auf den Islam beziehen, aber nach Einschätzung der Polizei nicht als islamistisch eingestuft werden können. Der Mann ist nie als Islamist aufgefallen, hat sogar einmal einen mutmaßlichen Islamisten der Polizei gemeldet. Auch sein Alter - 55 Jahre - wäre ungewöhnlich für einen islamistischen Terroristen.

Wie ist der Stand der Ermittlungen?

Die Polizei hat bisher das Tatgeschehen rekonstruiert und den Täter identifiziert. Seine Motive kennt sie noch nicht. Sie weiß bisher noch nicht, ob es sich bei der Tat um einen Terroranschlag handelte.

Welche Auswirkungen auf den Bahnverkehr gibt es am Dienstag?

Der Kölner Hauptbahnhof gehört zu den meistfrequentierten Bahnhöfen in Deutschland. Der Schienenknotenpunkt liegt im Stadtzentrum direkt neben dem Kölner Dom. Täglich durchströmen ihn rund 1300 Züge, bis zu 280 000 Reisende kommen hier auf elf Gleisen an oder fahren ab.

Nach der kompletten Sperrung am Montag soll es am Dienstag wieder recht reibungslos laufen. Der Nah- und Regionalverkehr kann laut Bahn planmäßig fahren. Im Fernverkehr kann es noch zu Verzögerungen und Ausfällen kommen. Reisende sollten sich vor der Fahrt über ihre Verbindung informieren. (sh mit dpa)

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