Konzert

Fußballmuseum erinnert an jüdischen Stürmer Gottfried Fuchs

.Alexander Huelshoff (l.) Leitung Kammerkonzert im Orchesterzentrum NRW und Museumsdirektor Manuel Neukirchner rahmen eine eine lebensgroße Pappfigur von  Gottfried Fuchs ein.

.Alexander Huelshoff (l.) Leitung Kammerkonzert im Orchesterzentrum NRW und Museumsdirektor Manuel Neukirchner rahmen eine eine lebensgroße Pappfigur von Gottfried Fuchs ein.

Foto: Foto: Stephan Schuetze

Dortmund.  Er schoss einst zehn Tore in einem Länderspiel, ist aber fast vergessen. So erinnert das Fußballmuseum in Dortmund an Gottfried Fuchs.

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Ein Kammerorchester im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund? Manuel Neukirchner überlegt kurz. „Nein“, sagt der Museumsdirektor dann, „das hatten wir noch nicht.“ Kommenden Samstag haben sie. Denn dann ist das Museum Schauplatz einer ganz speziellen Veranstaltung, einem Konzert zu Ehren des Brüderpaars Richard und Gottfried Fuchs. Komponist der eine, Fußball-Nationalspieler der andere, verfolgt, vertrieben und fast vergessen alle beide. Zusammen mit dem Orchesterzentrum NRW will das Museum nun an beide erinnern.

„Fragen Sie Fußball-Fans heute mal danach, welcher deutsche Spieler die meisten Tore in einem Länderspiel geschossen hat“, fordert Neukirchner seine Besucher auf. Die Antworten ahnt er. „Gerd Müller“ oder „Uwe Seeler“. Ist aber beides falsch. „Das war Gottfried Fuchs“, sagt Neukirchner. Beim 16:0-Sieg der deutschen Nationalelf über Russland traf er gleich zehn Mal. 108 Jahre ist das her, aber Bestand hat der Rekord bis heute.

Aus fast allen offiziellen Statistiken gestrichen

Für Gottfried Fuchs aber war es in noch jungen Jahren schon der sportliche Höhepunkt seines Lebens. Mit schweren Verletzungen von der Front des 1. Weltkrieges heimgekehrt konnte er nicht mehr kicken. Und vielleicht noch schlimmer. Als die Nazis 1933 die Macht in Deutschland übernahmen, strichen sie Fuchs aus den meisten offiziellen Statistiken. Denn der lange Zeit in Düsseldorf spielende Karlsruher war Jude. 1937 emigrierte er über die Schweiz zunächst nach Frankreich und 1940 schließlich nach Kanada.

Sein zwei Jahre älterer Bruder Richard erlitt ein ähnliches Schicksal. In der Pogromnacht 1938 festgenommen und einige Wochen im KZ Dachau gefangen gehalten flüchtete der Komponist nach Neuseeland, wo er 1947 starb. Jahrzehnte später entdeckte seine Familie zahlreiche unbekannte Kompositionen. Drei davon werden nun – orchestriert – am Samstag vom Kammerorchester des Orchesterzentrums erstmals öffentlich aufgeführt. „Das wird“, schwärmt Alexander Hülshoff, Künstlerischer Leiter des Zentrums, „hochromantisch im besten Sinn.“

Enkel und Urenkel kommen zu Besuch nach Dortmund

Zum Konzert hatte das Museum Soni Mulherin, die mittlerweile 91-Jährige Tochter von Richard Fuchs eingeladen. Die alte Dame musste aber auf Anraten ihrer Ärzte absagen. „Mein Vater“, erklärte sie allerdings in einer Videobotschaft zum Konzert, „hätte sich sehr geehrt gefühlt.“ Vertreten wird die Familie von fünf Enkeln und Urenkeln der Fuchs-Brüder. „Die ganze Familie beschäftigt sich sehr mit ihrer Geschichte“, hat Neukirchner bei ersten Gesprächen festgestellt. Das wollen sie nun nutzen im Museum und bringen die Besucher am Montag zu einer Diskussionsrunde mit Dortmunder Gymnasiasten zusammen.

Wäre es übrigens nach Sepp Herberger gegangen, hätte sich der Deutsche Fußballbund noch bei Gottfried Fuchs selber entschuldigen können. Man solle, hatte der Ex-National-Trainer bereits im Jahr 1972 vorgeschlagen, den Rekordstürmer doch zur Eröffnung des Olympia-Stadions in München auf Verbandskosten einfliegen lassen. Das würde, so Herberger damals, „als ein Versuch der Wiedergutmachung willfahrenen Unrechtes sicherlich nicht nur im Kreis der Fußballer und Sportler, sondern überall in Deutschland ein gutes Echo finden“.

DFB lehnte Einladung in den 1970ern noch ab

Doch das schien den damals noch von ehemaligen NSDAP-Leuten durchsetzen DFB nicht zu interessieren. Es bestehe „keine Neigung, im Sinne Ihres Vorschlages zu verfahren“, lautete die Antwort an Herberger. Die Haushaltslage des Verbandes sei „angespannt“ und man fürchte einen Präzedenzfall zu schaffen, „der auch für die Zukunft noch erhebliche Belastungen mit sich bringen könnte“. Dass Fuchs 1972 der einzig lebende jüdische Fußballer war, der jemals für Deutschland gespielt hatte, störte den Verband nicht. Tief enttäuscht schrieb Herberger seinem Brieffreund Fuchs, der sich in Kanada mittlerweile Godfrey Fochs nannte, von der Absage. Doch die Nachricht erreichte Fuchs nicht mehr. Er war an einem Herzinfarkt verstorben.

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