Wolf

Speichelproben belegen: Erster Wolf siedelt sich in NRW an

Seit zwei Jahrzehnten kehren Wölfe nach Deutschland zurück

Seit zwei Jahrzehnten kehren Wölfe nach Deutschland zurück

Foto: Bernd Thissen

Schermbeck.  Mindestens drei Angriffe auf Schafe im Kreis Wesel gehen auf ein weibliches Tier aus Niedersachsen zurück. Ist NRW damit schon Wolfsland?

In NRW ist offenbar ein erster Wolf sesshaft geworden. An einem toten Schaf in Schermbeck am Niederrhein wurde erneut Speichel einer Wölfin aus einem niedersächsischen Rudel identifiziert, wie das Landesumweltamt (Lanuv) am Mittwoch mitteilte. Demnach war es der mindestens dritte Nachweis der Wölfin seit Juni. Wegen der Häufung werde die Wolfsbeobachtung im Kreis Wesel intensiviert.

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) will am Montag über den „offenbar standorttreu gewordenen weiblichen Wolf im Kreis Wesel“ informieren. Dann soll auch die Frage beantwortet werden, ob NRW damit schon Wolfsland ist. Wird ein Gebiet als Wolfsregion anerkannt, können Schutzmaßnahmen für Nutztiere wie Schafe gefördert werten. Bisher gilt NRW als sogenanntes Wolfserwartungsland.

17 Angriffe seit Ende April

Seit Ende April hatte es in Schermbeck immer wieder Angriffe auf Schafe gegeben. 17 Vorfälle haben die Bürger dokumentiert. Bei sechs davon steht fest, dass es ein Wolf war. Das ergab die Untersuchung der Bissspuren. Eine Züchterin berichtete, das Lanuv habe den Angriff zuvor auf einen Hund zurückgeführt. Das verärgert die Betroffenen. Ebenfalls, dass nicht das Lanuv sie über Zahl, Art und Verteilung der Wolfsangriffe aufklärte, sondern der örtliche Heimatverein.

Auch Kurt Opriel im gut 20 Kilometer entfernten Dinslaken ärgert sich über das Landesamt. Es würde die Gefahr kleinreden, die von dem Wolf ausgehe. Am Wochenende entdeckte er eines seiner Schafe tot auf der Weide. Die Kehle war durchgebissen, der Körper zerfleischt. Für den Besitzer ist klar: „Das war ein Wolf.“ Das Lanuv überprüft die Speichelproben. Die Auswertung dauere drei bis vier Wochen, so ein Sprecher.

Revierförster freut sich über den Wolf

Ob es möglich ist, dass die Wölfin aus Wesel bis nach Dinslaken gelaufen ist? Revierförster Michael Herbrecht: „Die Wölfin hat einen riesigen Bereich“, könne bis zu 70 Kilometer in der Nacht laufen. Auch wenn die Risse für die Schäfer „höchst ärgerlich“ seien: „Wir freuen uns, dass die Natur hier so in Ordnung ist, dass ein solch seltenes Raubtier hier lebt.“

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