Konzert

Erneuter Widerstand gegen Ed Sheerans geplantes Mega-Konzert

Hier hat alles geklappt: Im vergangenen Jahr spielte Ed Sheeran bereits vor 150 000 Besuchern auf dem englischen Glastonbury Festival.|

Foto: Yui Mok/dpa

Hier hat alles geklappt: Im vergangenen Jahr spielte Ed Sheeran bereits vor 150 000 Besuchern auf dem englischen Glastonbury Festival.| Foto: Yui Mok/dpa

Düsseldorf.   Erst machten dem Musiker die Feldlerchen am Flughafen Essen/Mülheim einen Strich durch die Rechnung. Nun sorgen Bäume in Düsseldorf für Ärger.

Der Widerstand gegen Ed Sheeran ist überschaubar auf dem Messeparkplatz P1 in Düsseldorf. Rund 50 Baumschützer und Anwohner sind gekommen und zwei Handvoll Journalisten, um sich den zweiten Akt dieser Posse anzuschauen: Will ein Superstar das größte denkbare Konzert im Ruhrgebiet spielen – da vertreibt ihn die Feldlerche. Ed Sheeran weicht vier Monate vor dem Gastspiel am 22. Juli vom Flughafen Essen/Mülheim nach Düsseldorf aus. Doch hier stellt sich dem Musiker, der das Wembley-Stadion an vier Tagen ausverkauft hat, eine Hundertschaft Parkplatzbäume in den Weg – aus Sicht von Umweltaktivisten fast ein „regelrechter Wald“.

104 Bäume sollen verpflanzt werden

„Es steht schon fest“, regt sich Anwohnerin Barbara Lenoir auf und hält eine Zeitungsanzeige hoch mit großer Konzertankündigung. „Es ist unverschämt. Und kein Politiker lässt sich hier blicken.“ Siegfried Küsel vom Heimatverein Lohausen steht auf dem Standpunkt: „Ohne Änderung des Bebauungsplans darf hier überhaupt nichts geschehen.“ Dann hängen sie Schilder an die Bäume mit Sprüchen wie „Erst Ela, jetzt Eddy“ und „Ed Sheeran soll in die Esprit-Arena“. Viel auch aus Sicht der Bäume: „Ich bin hier 40 Jahre lang gewachsen, für 4 Stunden Musik soll ich fallen?“

Die 104 Bäume allerdings sollen nicht nur für dieses eine Konzert fallen (und durch 300 Ersatzpflanzungen kompensiert werden), die städtische Veranstaltungsgesellschaft „D.Live“ will die Fläche als „Open Air Park“ vermarkten – als größte Freiluft-Konzertfläche in NRW. Geplant war das erst für 2019, die Zusage für Ed Sheeran bringt nun Verwaltung und Politiker in Zugzwang. D.Live indes hat im April schon 60 Bäume versetzen lassen. Sie warten nun in einer Baumschule auf Anweisungen.

Zwei bis drei Veranstaltungen im Jahr

„Wir reden nicht von einem Unesco-Weltkulturerbe“, sagt der D.Live-Chef Michael Brill am Telefon; mit den Baumschützern hat er nicht direkt gesprochen. „Es ist ein Lkw-Parkplatz. 400 Sattelschlepper parken hier zu Messezeiten, da haben sich nicht die seltensten Tiere niedergelassen.“ Er habe das gutachterlich untersuchen lassen. Keine Spur von Feldlerche und Steinschmätzer.

Und die Anwohner? Brill verweist darauf, dass „nur zwei bis drei Veranstaltungen im Jahr“ dazu kämen. „Der Messeparkplatz ist vielleicht hundertmal im Jahr voll besetzt, nebenan verläuft eine sechsspurige Autobahn, das Gelände liegt in der Einflugschneise.“ Was den Grundlärm angeht, ist er sich einig mit den Umweltschützern. Die warnen Ed Sheeran in einem Brief, dass landende Jumbos seine Balladen stören könnten.

Baumschützer sehen Luftwerte in Gefahr

„Bäume generell sind schützenswert“, sagt Andrea Vogelgesang von der Baumschutzgruppe. „Mir ist egal, wo sie stehen.“ Düsseldorf habe durch den Sturm Ela 40 000 Bäume verloren. „Wir sind betroffen über Luftwerte.“ Sie moniert, dass „ein ökologisches Begleitverfahren vier Jahreszeiten“ bräuchte. „Es ist wie ein Überfall gewesen, dieses Ed-Sheeran-Konzert.“

Das sehen die Grünen und in der Bezirksvertretung 5 die CDU genauso. Dass der Stadtrat dennoch Ende Mai das Konzert und später den Open Air Park beschließt, daran hat Michael Brill allerdings keine Zweifel. „Manche Dinge müssen einfach funktionieren. Scheitern ist keine Option.“ Keine andere Stadt in NRW sei so gut in der Lage wie Düsseldorf, Großveranstaltungen auszurichten, sagt Brill. „Wir haben eine sehr enge und direkte Verzahnung der Dezernenten. Es ist gut gemanagt.“

Die Schonzeit der Feldlerche

Tatsächlich hatten in Essen und Mülheim ja nicht nur acht Paare der Feldlerche, vertreten durch den Naturschutzbund, den Veranstalter auf Trab gehalten – FKP Scorpio hatte schon eine Ausgleichsfläche gefunden, ganz im Einklang mit dem „Leitfaden Wirksamkeit von Artenschutzmaßnahmen zum Bundesnaturschutzgesetz“. Da meldete die Bezirksregierung plötzlich 103 mögliche Weltkriegsbomben, die das Gelände untauglich erscheinen ließen. Selbst eine beschleunigte Sondierung hätte Wochen benötigt.

Zu all dem mag sich der Konzertveranstalter FKP Scorpio auf Anfrage nicht äußern. Und Ed Sheeran selbst? Baumschützerin Vogelgesang hat seinen Manager Stuart Camp angeschrieben, aber der meldet sich nicht zurück. Der schwer erreichbare Ed gibt auf seiner Tour-Seite noch immer den Flughafen Essen/Mülheim als Spielort an.

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