Kriminalität

Ermittlung gegen Essener Oberarzt: Wenn der Tod Kittel trägt

Im Essener Universitätsklinikum, das einen führenden Ruf genießt, soll ein Oberarzt zwei Patienten zu Tode gespritzt haben. Die Ermittlungen gegen den Mediziner laufen noch

Im Essener Universitätsklinikum, das einen führenden Ruf genießt, soll ein Oberarzt zwei Patienten zu Tode gespritzt haben. Die Ermittlungen gegen den Mediziner laufen noch

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  In Essen wird gegen einen Oberarzt ermittelt. Die Geschichte hat im Gesundheitsbereich oft Serienmörder enttarnt, die lange unentdeckt blieben.

  • Ein Fall eines Oberarztes am Essener Klinikum schockiert derzeit die Öffentlichkeit: Er soll zwei schwer erkrankte Patienten - 47 und 50 Jahre alt - zu Tode gespritzt haben. Die Ermittlungen laufen noch.
  • Die Essener Klinik selbst soll in diesem Fall den Staatsanwalt informiert und über den Verdacht gegen den Oberarzt unterrichtet haben. Seit dem 18. November sitzt der Mediziner ein.
  • Der als psychisch auffällig geltende Mann soll gegenüber der Essener Polizei eingeräumt haben, dass er in einem Fall das Leiden des Patienten und seiner Angehörigen habe verkürzen wollen. Auf Totschlag lautet der Vorwurf gegen den Essener Oberarzt. Es wäre nicht der erste Fall im Ruhrgebiet.

Sie helfen, retten Leben. In der Coronakrise gebührt ihnen immer wieder Dank, weil sie trotz Ansteckungsgefahr den Patienten zur Seite stehen. Aber auch unter Medizinern und dem Pflegepersonal, gibt es Menschen, die zu kriminellen Taten fähig sind. Aktuell erschüttert der Fall eines Oberarztes am Essener Klinikum die Öffentlichkeit. Der 44-Jährige soll zwei schwer kranke Männer, 47 und 50 Jahre alt, zu Tode gespritzt haben.

Noch laufen die Ermittlungen, seit dem 18. November sitzt der seit Februar im Klinikum beschäftigte Mediziner ein. Die Klinik selbst soll die Staatsanwaltschaft über den Verdacht gegen den Oberarzt informiert haben. Der als psychisch auffällig geltende Mann soll gegenüber der Polizei eingeräumt haben, dass er in einem Fall das Leiden des Patienten und seiner Angehörigen habe verkürzen wollen . Auf Totschlag lautet der Vorwurf.

Ermittlung gegen Essener Oberarzt: Serienmörder bleiben lange unentdeckt

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte an diesem Wochenende, alle Sterbefälle im Umfeld des Oberarztes zu untersuchen. Auf diese Idee werden die Ermittler auch ohne diesen Hinweis gekommen sein. Denn die Kriminalgeschichte hat im Gesundheitsbereich oft Serienmörder enttarnt, die lange Zeit unentdeckt geblieben waren.

In den 1980er Jahren hatte Manuela Roeder als „Todesengel von Wuppertal" Schlagzeilen gemacht. Die damals 27 Jahre alte Krankenschwester musste sich als Angeklagte vor dem Landgericht Wuppertal wegen 17-fachen Mordes verantworten. Einem ihrer Kollegen war aufgefallen, dass in ihrer Schicht deutlich mehr Menschen starben. Er entnahm einem Verstorbenen Blut und ließ es untersuchen. Es enthielt Kaliumchlorid, ein Stoff, der das Herz lähmt. Die Staatsanwaltschaft untersuchte danach alle Todesfälle seit Beginn ihrer Dienstzeit und ließ Verstorbene exhumieren. Manuela Roeder berief sich vor Gericht auf die Überforderung bei der Arbeit in der Intensivstation und kam mit elf Jahren Haft relativ günstig davon.

Ermittlung gegen Essener Oberarzt: Pfleger aus Herdecke tötete 29 Patienten

Stephan Letter, 1978 in Herdecke im südlichen Ruhrgebiet geboren, bekam dagegen 2006 am Landgericht Kempten im Allgäu lebenslange Haft. Der am Klinikum Sonthofen beschäftigte Krankenpfleger war 2004 wegen Medikamentendiebstählen und ungeklärter Todesfälle festgenommen worden. Nach Exhumierungen stand fest, dass er 29 Patienten umgebracht hatte.

Krankenpfleger Nils Högel aus Norddeutschland ist in mehreren Prozessen zwischen 2006 und 2019 für rund 100 Tötungen von Klinikpatienten zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Über 300 Todesfälle hatten die Ermittler neu aufgerollt.

Ermittlung gegen Essener Oberarzt: 91-Jähriger in Mülheim ein Opfer des Hilfspflegers

Hilfspfleger Grzegorz W. war von einer polnischen Pflegeagentur an deutsche Familien vermittelt worden. Angeklagt wurde er wegen der Tötung von sechs Patienten, denen er Insulin gespritzt haben soll. Zu den Opfern gehörte auch ein 91-Jähriger aus Mülheim an der Ruhr. Im Oktober 2020 bekam der 38-Jährige am Landgericht München I sein Urteil: Lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung.

Als „Todesengel“ gelten vor allem Pflegerinnen und Pfleger. Dass Ärzte sich nicht an Normen halten, zeigte vor rund zehn Jahren der Fall des Chefarztes am Essener Uni-Klinikum, Christoph Broelsch. Er hatte die Todesangst kranker Patienten ausgenutzt und seine Operationen von ihren Spenden abhängig gemacht. Dafür bekam er drei Jahre Haft. 1991 warfen Kollegen ihm vor, „Gott gespielt“ zu haben. Bei der Notoperation einer 17-Jährigen an einer Hamburger Klinik soll er eine lebenswichtige Ader durchgeschnitten haben, weil sie nach seinem Urteil keine Chance mehr hatte. Ein Strafverfahren gegen ihn wurde aber eingestellt.

Ermittlung gegen Essener Oberarzt: Risiko wird in Fachkreisen diskutiert

Auf Fachkongressen und in Fachzeitschriften wird das Risiko durch das Personal im Gesundheitswesen offen diskutiert und als Problem gesehen. Immer wieder kommt es wohl auch zu sexuellem Missbrauch von Patienten. An einem Bielefelder Krankenhaus soll ein 32-Jähriger Arzt Patientinnen während der Narkose vergewaltigt haben. Einen Tag nach seiner Festnahme im September 2020 nahm er sich in der Zelle das Leben.

Ärzte fallen sonst eher außerhalb ihrer Arbeit mit brutaler Gewalt auf, bekommen dann das Etikett „Dr. Tod“ oder „Dr. Mord“. Etwa der bayerische Arzt Siegfried R., der Anfang der 90er Jahre aus Geldgier zwei Menschen erschlug.

Oder der Orthopäde Wolfgang R., ebenfalls Bayern. Er tötete 1986 und 2008 wohlhabende Patienten aus Geldgier.

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