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Eine Kettwiger Quelle ist Kult: Was ist an dem Wasser dran?

Zahlreiche Menschen holen sich an einer Quelle mit Flaschen und Kanistern Wasser im Essener Süden. Am Wochenende ist hier am meisten los. Das Bild zeigt die gesammelten Flaschen mehrerer Abholer.

Zahlreiche Menschen holen sich an einer Quelle mit Flaschen und Kanistern Wasser im Essener Süden. Am Wochenende ist hier am meisten los. Das Bild zeigt die gesammelten Flaschen mehrerer Abholer.

Foto: Ralf Rottmann

Essen/Hattingen.   Seit Jahrzehnten zapfen Menschen ihr Wasser an einer Quelle in Essen. Schädlich ist es nicht, aber die neusten Proben sind auch nicht gut

So, Eier, Tomaten und Kartoffeln aus dem Hofladen hat Hasan Recber schon geholt, fehlt nur noch das entsprechende Wasser. Er quetscht sein Auto – wie viele andere – an der zweispurigen Werdener Straße ganz nah an die Leitplanke, dann steigen die drei Recbers nach links aus in den Verkehr, holen elf leere Fünf-Liter-Flaschen aus dem Kofferraum – und stehen an.

Denn da sind noch mehr Leute. „Gut für Tee, Kaffee und Suppe“, sagt der Mann aus Essen-Kray: „Weil das Wasser kalkfrei ist.“ Andere sagen: besonders salzarm. Oder: besonders gut für Tee. Vor allem Leute aus dem Orient. Sie kommen oft hierher.

Warnung vor Steinschlag

An der offenen Quelle in Kettwig bedienen sich Menschen seit Jahrzehnten, dabei gibt es nicht die kleinste Legende, dass ihr Wasser schön macht. Oder wenigstens klug. Steinschlag droht auch noch, glaubt man einem äußerst gelben Warnschild. Und die Quelle ist – in einer glücklichen Kombination – zugleich ein Wasserfall: Das Wasser tritt in etwa fünf Metern Höhe aus dem Stein und pladdert dann in ein Auffangbecken.

Doch wie es hier weitergeht, steht gerade in Frage: Die Untersuchung eines privaten Ingenieurbüros hat nämlich eine erhöhte Belastung mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen ergeben.

„Das Wasser ist nicht gesundheitsschädlich oder gefährlich, aber es ist auch kein Trinkwasser“, sagt der SPD-Bezirksvertreter Jan Robert Belouschek. Auch die Stadt Essen rät ab, sich hier zu bedienen („auf eigene Gefahr“). Man kann aber voraussagen: Das kümmert keinen. Solche Beprobungen gab es schon öfter.

„Die Natur ist der beste Freund des Menschen“

Wasserspender. Fotopunkt. Sehenswürdigkeit. Mit zwei Autos aus Duisburg wird gerade Emine Gözen vorgefahren, die zum ersten Mal hier ist: „Das erinnert mich an Kurdistan. Wir haben da sehr viele solcher Quellen.“ Dann halten zwei Radfahrer aus Mülheim, Pascal Frank füllt seine Flasche nach. „Schmeckt’s?“, fragt sein Kumpel. „Ja. Wie Wasser.“

Was die Menschen im Kern antreibt, sich hier zu bedienen, das bringt jetzt der Pistazien-Importeur Martin Akbari aus Essen-Bredeney auf den Punkt: „Die Natur ist der beste Freund des Menschen.“

Und ein anderer Besucher sagt es so: „Sie finden das seltsam, Wasser aus der Quelle zu schöpfen? Ich finde es seltsam, Wasser im Supermarkt zu kaufen.“

20 Kilometer weiter östlich dasselbe nochmal

20 Kilometer weiter östlich: dasselbe. In dem Naherholungsgebiet Elfringhauser Schweiz im Hattinger Süden sprudelt eine zweite, frei zugängliche Ruhrgebietsquelle, und auch hier bedienen sich die Leute. „Zuletzt habe ich eine Gruppe gesehen, die da so eine Art Vortrag gehalten hat“, sagt Birgit Zarges aus der Bauersfamilie, der das Land mit der Quelle gehört.

Die Menschen kämen, „solange ich denken kann“. Und das Wasser kommt natürlich noch viel länger – und zuverlässig: „Der Uropa hat da schon das Wasser für die Tiere geholt, wenn es nirgendwo sonst mehr was gab.“

Diese Quelle hat ja wenigstens eine halbwegs brauchbare Adresse. Elfringhauser Straße, Nähe Wodantal. Bei der anderen ist das schon deutlich schwieriger. Essen-Kettwig, Werdener Straße. Und dann müssen Sie halt gucken, wo die Autos stehen.

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