Nahverkehr

Engpässe bei S-Bahnen - Graffiti bringen Bahn in Zwickmühle

Archivbild. Die Bahn muss bei den S-Bahnen an Rhein und Ruhr derzeit auch Züge fahren lassen, die mit Graffiti beschmiert sind. Normalerweise würde man sie sofort aus dem Verkehr ziehen, um sie zu reinigen.

Archivbild. Die Bahn muss bei den S-Bahnen an Rhein und Ruhr derzeit auch Züge fahren lassen, die mit Graffiti beschmiert sind. Normalerweise würde man sie sofort aus dem Verkehr ziehen, um sie zu reinigen.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Essen.  S-Bahnen in NRW fahren derzeit vermehrt mit nur einem Zugteil. Die Bahn räumt Engpässe ein. Deshalb fahren auch Züge mit Graffiti-Schäden.

Die Deutsche Bahn in NRW räumt einen Engpass bei S-Bahnzügen ein. Auf einigen Linien fahren Züge deshalb nur mit einem Zugteil statt mit zweien. Dass S-Bahnen knapp sind, bringt die Bahn auch aus anderem Grund in einen Zwickmühle.

„Wir können es derzeit nicht vermeiden, auch Züge mit Graffiti auf die Strecke zu schicken“, sagte ein Bahn-Sprecher am Donnerstag auf Nachfrage. Unter normalen Umständen würden Züge, die großflächig beschmiert sind, sofort aus dem Verkehr gezogen, bis sie gereinigt sind, sagte der Sprecher. Auch um Sprayern das ‘Vergnügen’ zu nehmen, ihre Bilder herumfahren zu sehen.

„Mehrere S-Bahn-Züge sind derzeit nicht verfügbar“

Wieviele der insgesamt 84 S-Bahn-Triebfahrzeuge des am meisten verbreiteten Typ ET422 bei der Deutschen Bahn in NRW derzeit nicht eingesetzt werden können, sagte der Sprecher nicht. Laut Bahn sind im Moment „mehrere Fahrzeuge wegen Unfallschäden und Wartungsarbeiten bei der S-Bahn Rhein-Ruhr nicht verfügbar“. Obwohl man „auskömmliche Fahrzeugreserven“ habe, „kann es vorkommen, dass einzelne Fahrten nicht mit den geplanten Kapazitäten erbracht werden“.

Der Sprecher versicherte, man setze alles daran, Züge mit Graffiti „möglichst schnell zu reinigen und in sauberem Zustand wieder auf die Schiene zu bringen“. Um den S-Bahnverkehr „stabil zu halten“, könnten beschmierte Züge derzeit jedoch nicht aus dem Verkehr gezogen werden, um sie in der Werkstatt zu säubern.

Bundespolizei sagt, Zahl der Graffiti bei Bahn nimmt wieder zu

„Die Zahl der Graffiti nimmt bei uns derzeit wieder zu“, nachdem es in den vergangenen Jahren vergleichsweise ruhig war“, sagt ein Sprecher der Bundespolizei in Dortmund. Der Sachschaden durch Graffiti könne je Zug mehrere Tausend Euro kosten, sagte der Sprecher: „Wir hatten schon Bahnen, die außen auf 200 Quadratmeter beschmiert waren“; für das Entfernen von Graffiti müsse man grob 50 Euro je Quadratmeter veranschlagen, hieß es bei der Bundespolizei.

Alleine in Essen wurden im Jahr 2018 insgesamt 182 Graffiti-Straftaten im Bereich Bahn bei der Bundespolizei registriert. Im Jahr 2017 wurden 109 Fälle gezählt. Engpässe bei S-Bahnen hatte die Bahn zuletzt bei den beiden Hitze-Wellen im Juni und im Juli. Wegen defekter Klimaa nlagen konnten laut Bahn-Angaben „vereinzelt“ S-Bahn-Züge nicht in der gewohnten „Doppel-Traktion“ fahren.

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