Tierschutz

Wenn Frauchen stirbt – Verein vermittelt Haustiere weiter

Ina Theisen kümmert sich um die Zukunft ihres Hundes Kathi, falls sie den Ratero mallorquin eines Tages nicht mehr versorgen kann.

Ina Theisen kümmert sich um die Zukunft ihres Hundes Kathi, falls sie den Ratero mallorquin eines Tages nicht mehr versorgen kann.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Ruhrgebiet.  Ein „Freundeskreis betagter Tierhalter“ vermittelt Tiere unter den Mitgliedern, wenn die Halter plötzlich sterben. Sonst landen viele im Heim.

Sollte Ina Theisen sich doch nochmal einen Hund anschaffen, muss er Auto fahren können. Als Mitfahrer, versteht sich. Denn im Sommer wird die 74-Jährige zum Wörthersee fahren, wie eigentlich jedes Jahr, annähernd 1000 Kilometer, und „das muss jemand . . . Das muss ein Hund mögen.“ Ob das noch Kathi sein wird, ihr chronisch kranker Ratero-mallorquin-Mischling, das steht leider nicht fest: „Die Zeit ist nicht mehr so lang, die sie hat, aber Hauptsache, sie hat sie gut.“

Vielleicht ist Kathi der letzte Hund von Ina Theisen, vielleicht aber ist Ina Theisen nicht das letzte Frauchen von Kathi. Das hat sie zumindest im Kopf: „Ich hatte ein Schlaganfällchen letztes Jahr“, sagt die Dame aus Krefeld. Ina Theisen hat sich gut erholt, ist witzig und lebhaft, aber man weiß ja nie.

Darum hat sie vorgesorgt und sich dem „Freundeskreis betagter Tierhalter“ im „Bundesverband Tierschutz BVT“ (das ist nicht der große „Deutsche Tierschutzbund“) angeschlossen. „Ich bin ein ausgesprochen tierlieber Mensch.“ 37 Jahre hatte sie Katzen, zuletzt drei Hunde nacheinander und kennt jede Taube, die draußen landet, praktisch mit Namen: „Die kommt jetzt jeden Tag.“

„Der Gedanke war, älteren Menschen das Leben mit einem Tier zu ermöglichen“

Die Grundidee im Freundeskreis ist einfach: Er vermittelt innerhalb der Gruppe Hunde, Katzen und Kleintiere an neue Halter, deren eigentliche Halter gestorben sind oder so schwer erkrankt, dass sie kein Tier mehr versorgen können. „Ursprünglich war der Gedanke, älteren Menschen das Leben mit einem Tier zu ermöglichen, indem ihnen die Sicherheit gegeben wurde, in einem Ernstfall das Tier vom BVT übernehmen zu lassen“, sagt Claudia Lotz, die Sprecherin des Verbandes in Berlin. Inzwischen habe man aber tatsächlich auch einige private „Plätze für Notfalltiere“.

Damit es ihnen nicht geht wie Debby (13). Debby, ein Terriermischling, dessen Besitzer im Dezember plötzlich starb. Sie landete im Tierheim Wesel des Bundesverbandes. „Leider ist das kein Einzelfall“, sagt Gabi Wettläufer, die Leiterin. „Wir bekommen häufig Hunde und Katzen, um deren Zukunft die Besitzer sich nicht gekümmert haben.“

Verwandte können Tier aus beruflichen oder persönlichen Gründen oft nicht halten

Oft seien sie bei Hinterbliebenen unerwünscht, würden im Internet angeboten oder eben ins Tierheim gebracht. Das bestätigt auch Claudia Lotz: „Die Tiere werden eben gerade von den Angehörigen mit dem Hinweis zu uns gebracht, dass sie kein Tier halten wollen oder aus beruflichen oder privaten Gründen nicht halten können.“

Auch Ina Theisen hatte sich darüber Gedanken gemacht. „Ich habe Angst vor einem Schlaganfall, bei einem Tumor hat man ja Vorlauf.“ Sie hatte, falls ihr etwas zustöße, für Kathi an ihren besten Freund gedacht, aber der lebt inzwischen selbst im Seniorenheim: „Das war meine Rückversicherung. Die ist komplett weg.“ Und im Freundes- oder Bekanntenkreis? „Man will ja auch die Leute nicht belasten.“

500 Euro Vorleistung für die Versorgung des Tieres

Gratis ist die tierliebe Dienstleistung freilich nicht: Wer sein Tier gut vermittelt und behandelt wissen will, muss 500 Euro vorstrecken. Dafür wird es geholt, versorgt, tierärztlich untersucht, behandelt und vermittelt. Denn oft kämen von älteren Haltern auch ältere Tiere, die chronisch krank seien, operiert werden müssten oder Spezialfutter brauchten, heißt es. Die Summe, sagen unabhängige Fachleute, sei nicht utopisch hoch, wenn man sie als Mittelwert verstehe zwischen der Untersuchungskosten gesunder Tiere und den Behandlungs- und Futterkosten schwer oder chronisch erkrankter.

Doch zum guten Schluss: Wenn man das so sagen kann, zieht der Freundeskreis Kreise; auch in Bonn gründet sich gerade ein derartiges Netz. Das unversorgte Terrier-Mischlingsmädchen aus dem Tierheim Wesel, Debby, konnte in eine Familie vermittelt werden. Und Ina Theisen, die Rentnerin aus Krefeld, die freut sich, wenn sie im nächsten Sommer noch mit Kathi gemeinsam an den Wörthersee fahren kann: „Sie bedeutet mit alles, sie ist mein Lebensinhalt.“ Merkt man.

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