Kriminalgeschichten

Duisburger Kommissar schreibt als „wahrer Schimanski“

Keine Lust auf „Sesselfurzer und Schaumschläger“: Heinz Sprenger arbeitet heute an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Mülheim.

Foto: Fabian Strauch

Keine Lust auf „Sesselfurzer und Schaumschläger“: Heinz Sprenger arbeitet heute an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Mülheim. Foto: Fabian Strauch

Mülheim.   Heinz Sprenger hat einst Mafia-Morde aufgeklärt. Jetzt hat der Top-Fahnder außer Dienst seine spektakulärsten Fälle in einem Buch verewigt.

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Mitten im Gespräch legt das Handy los und ruckelt über den Schreibtisch. „Tatort“-Titelmusik. Passt zu Heinz Sprenger. Der Ermittler a.D. schmunzelt kaum merklich unter seinem sauber gestutzten Schnäuzer und drückt den Anrufer weg. Wo waren wir stehen geblieben? Warum sich ein ehemals Erster Kriminalhauptkommissar in seinem frischen Buch, einem netten Sammelsurium seiner spannendsten Fälle, „Der echte Schimanski“ nennt. Nur weil er aus Duisburg kommt und weil sich’s so besser verkauft?

„Es ist dieser Einsatz mit Haut und Haaren, den wir, glaube ich, gemeinsam haben, dieses alles dem Beruf unterordnen“, erzählt Sprenger mit zarter Ruhrpottmelodie im Ton, „und auch mal anzuecken, wenn es der Gerechtigkeit hilft.“ Mit Schimis „asozialer Art“ mag er sich freilich nicht identifizieren: „Ich bin keiner, der Pullen wegwirft, ich heb’ den Müll auf.“

Bis zu 16 Stunden Arbeit am Tag

45 Jahre lang hat Heinz Sprenger das getan, heute ist er 63 und Pensionär. Bis zu 15, 16 Stunden am Tag hat er gearbeitet, wie er sagt, „die Frau oft nur zum Schlafen gesehen“. In seinem schmucklosen Büro in der Mülheimer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, wo nun der Nachwuchs von seiner Erfahrung profitiert, hat er ein paar Zeitungsartikel an die Wand getackert.

„100 Prozent Aufklärungsquote“ heißt eine Schlagzeile, und eine italienische Zeitung feiert ihn für seinen größten Erfolg: Heinz Sprenger hat die Duisburger Mafia-Morde aufgeklärt, die Killer der kalabrischen N’Drangheta überführt, die sechs Leichen vor der Pizzeria „Da Bruno“ an jenem blutigen 15. August 2007 hinterließen.

In Lumpenjacke auf der Straße

Sprenger schaffte Ruhe in der Rockerzene, klärte Auftragsmorde als Chef des Duisburger Kriminalkommissariats 11 auf. Um einen Erpresser zu schnappen, setzte er sich in einer Lumpenjacke auf die Straße und ließ sich von Halbstarken mit Dosen bewerfen, ohne seine Tarnung aufzugeben. Noch heute kennt er jeden Gefängnis-Entlassungstermin, der mit seiner Arbeit zusammenhängt. Angst habe er nicht. „Aber eine Antenne für Gefahren.“ Früher sei er ohne Waffe „nicht mal einkaufen gegangen“.

Man darf es festhalten, ohne ihm zu arg zu schmeicheln: Der kleine, unscheinbare Mann mit dem scharfen Blick galt als Star unter den deutschen Top-Fahndern. Er weiß es, und sein Lächeln, wenn man das Lob zitiert, signalisiert: Er genießt es auch ein bisschen.

Der Job hat sich bei ihm eingebrannt

Sprenger schätzt Klartext nicht nur im Interview, in dem er typgerecht über „Sesselfurzer“ schimpft, die einem mit Vorschriften die Arbeit erschwerten, Staatsanwälte „mit einer Kernarbeitszeit von elf bis dreizehn Uhr“ oder „Schaumschläger aus Brüssel“.

Auch mit Vorgesetzten geriet er aneinander. Als sein 14-köpfiges Team „bei 14 800 Überstunden“ immer öfter Arbeit anderer Abteilungen übernehmen sollte, die aus Sprengers Sicht nicht engagiert genug waren, quittierte er 2010 überraschend den Dienst in Duisburg: „Ich hab’ aus Ärger in den Sack gehauen, sonst hätte ich meine Glaubwürdigkeit verloren.“ Der erfahrene Kriminalist wurde Dienstgruppenleiter auf einem Revier in Mülheim. Als ob Carlo Ancelotti zu Rot-Weiß Oberhausen wechselte.

„Ich muss von diesem Polizisten-Bazillus loskommen“

Sprenger glaubt, dass die Kommissariate ohnehin ausbluten werden, weil viele Kollegen keine Chance auf Beförderung sähen. Sein Orakel: „Die Aufklärungsquoten werden den Bach runtergehen.“ Seine Kritik: Leistungsträger werden nicht gefördert. Manches mag nach Schablone klingen, Sprengers Erfolge aber sprechen für sein Einschätzungsvermögen.

Nun hat er das alles hinter sich, der Job indes hat sich eingebrannt. „Ich muss versuchen, von diesem Polizisten-Bazillus loszukommen“, räumt er ein. Immer noch sortiere er Menschen in Schubladen ein, „und wenn ich einen ohne Helm auf dem Moped sehe, denke ich, es ist vermutlich geklaut.“

Zurück zum Handy-Ton: Was hält Heinz Sprenger vom „Tatort“? „Die meisten sind der größte Scheiß.“ Klingt schwer nach Schimanski. Also dem falschen jetzt.

Das Buch

Heinz Sprengers Buch „Der wahre Schimanski – meine spektakulärsten Fälle als Duisburger Chefermittler“ (Riva-Verlag, 204 Seiten, 19,99 Euro) erscheint am 20. März.

Sprengers Lieblings-Ermittler beim „Tatort“ sind Richy Müller (Stuttgart) und Stefan Gubser (Luzern).

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