Fernsehen

Dreharbeiten zum Tatort Dortmund: Kein Friedensgipfel mit OB

Ausnahmsweise mal fröhlich: Jörg Hartmann, Anna Schudt, Aylin Tezel und Rick Okon (v.l.n.r.) beim Settermin in einem Dortmunder Hochaus. Gedreht wird derzeit Fall 15.

Ausnahmsweise mal fröhlich: Jörg Hartmann, Anna Schudt, Aylin Tezel und Rick Okon (v.l.n.r.) beim Settermin in einem Dortmunder Hochaus. Gedreht wird derzeit Fall 15.

Foto: Lars Heidrich

Dortmund.  In Dortmund wird am Rathaus eine neue Tatort-Folge gedreht. Warum der Oberbürgermeister nicht vorbeischaute und Aylin Tezel wirklich ausscheidet

11Uhr, es regnet. Grau ist der Himmel, diesig der Tag, trostlos wirkt die Stadt. Viel trostloser als sie ist. Selbst auf den nahe gelegenen Westenhellweg ist nichts los. Als hätten sie das Wetter bestellt beim WDR. Weil sie ja gerade wieder einen Tatort in Dortmund drehen. Den ersten nach der heftigen Kritik des Oberbürgermeisters Ullrich Sierau – aber nicht den letzten.

Den ganzen Morgen haben sie im alten Hansa-Haus mitten in den Innenstadt gefilmt. „Wilde Verfolgungsjagd“, sagt Anna Schudt alias Kommissarin Martina Bönisch. Mehr darf sie nicht verraten. Der WDR selbst sagt noch, dass es um Kinderhandel geht. Kein leichtes Thema. Natürlich nicht. Ist ja Dortmund, ist ja Kommissar Faber. „Wer immer nur die schönen Seiten des Lebens sehen will“, wird sein Darsteller Jörg Hartmann später sagen, „der ist beim Tatort meist nicht gut aufgehoben. Wir zeigen nun mal auch Abgründe.“

Schärfe von Sieraus Kritik hat den WDR überrascht

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau will zwar nicht nur die schönen Seiten des Labens sehen, wenn der WDR in seiner Stadt ermitteln lässt, ist er aber schon längere Zeit unzufrieden. Nach der letzten Folge „Zorn“ im Januar war er sogar richtig sauer. „Maximal lächerlich“, sei sie gewesen, „voller Klischees“, „fernab jeglicher Realität“. Eigentlich schon „Mobbing der ansässigen Bevölkerung“.

„Die Kritik hat uns nicht überrascht“, sagt Tatort-Redakteur Frank Tönsman. „Wir waren aber verwundert über die Schärfe.“ Produzentin Sonja Goslicki erlebt das allerdings nicht zum ersten Mal. „Alle Städte wollen einen Tatort haben. Dabei ist ihnen nicht klar, dass der Tatort die dunkle Seite beleuchtet. Mit Schimanski in Duisburg war das die ersten Jahre ganz ähnlich.“

Jörg Hartmann: Dortmund ist eine geile Stadt

„Ich hatte nach der Kritik Befürchtungen wir wären nicht mehr willkommen bei den Menschen dieser Stadt“, sagt Jörg Hartmann. Unbegründete Sorgen: „Wir sind gut aufgenommen worden wie immer“, hat er festgestellt und einmal mehr gemerkt: „Dortmund ist einfach eine geile Stadt“. Wenn auch eine, in der die Menschen schon mal im Trainingsanzug ein Bier trinken. „Das ist kein Klischee, das gibt es überall im Land“, sagt Hartmann.

Das hätte er auch Sierau gesagt, der nur wenige Meter neben dem gestrigen Drehort sein Amtszimmer hat. Schon vor Wochen hat Hartmann in auf ein „lecker Pilsken“ eingeladen, um mal zu reden über die Sache. Gestern ist vom OB allerdings nichts zu sehen. „Hat zur Zeit wohl Termine, die wichtiger sind“, mutmaßt der Hauptdarsteller.

Oberbürgermeister konnte nicht kommen

Hat er, wie Stadtpressesprecher Frank Bußmann bestätigt. „Der Oberbürgermeister ist zur Zeit auf der Internationalen Immobilienmesse „Mipim“ in Cannes.“ Aufgeschoben sei aber nicht aufgehoben, versichert Bußmann und ist überzeugt, dass sich beide Seiten zum Gespräch treffen. „Wir müssen nur einen Termin finden, an dem alle Beteiligten können.“

Die Mittagspause ist vorbei, da stellen sich die TV-Ermittler für die Fotografen auf. Noch sind sie zu viert, doch Ende des Jahres wird Aylin Tezel, die die junge Kommissarin Nora Dalay spielt, zum letzten Mal eine Episode drehen.

Neue Projekte

Das habe aber nichts mit der Kritik des Bürgermeisters zu tun. Auch nicht damit, dass sie Sieraus Meinung teilt. „Ich kann zu Dortmund kaum etwas sagen“, erzählt sie. Zwei, vielleicht drei Tage jeder Folge würden vor Ort gedreht aber da sei kaum Zeit, sich etwas anzusehen. „Ich kenne die Stadt fast gar nicht.“

Ärger mit den Kollegen, versichert sie weiter, habe es auch nicht gegeben. Im Gegenteil: „Sie werden mir sehr fehlen.“ Nach fast acht Jahren als Tatort-Ermittlerin sei „einfach der Zeitpunkt gekommen, um Abschied zu nehmen und sich neuen Projekten zu widmen“.

Gibt es eine Nachfolgerin für Aylin Tezel?

Erste Angebote gib es schon, denn zum Glück, sagt Tezel, sie durch die prominente Rolle nicht in eine Schublade gepackt worden. Welche Projekte in Planung sind, sagt Tezel nicht. „Dafür ist es noch zu früh.“ Auch auf die Frage, wie sie laut Drehbuch aus der Reihe aussteigt, schweigt die 35-Jährige. Notgedrungen. „Ich weiß es nämlich selbst noch nicht.“

Wie auch immer, der Tatort aus Dortmund wird ohne Tezel weitergehen. Er sitze gerade an den Folgen, die 2020 gedreht werden sollen, verrät Tönsmann, will aber nicht sagen, ob jemand Neues zum Team stößt. Hinter vorgehaltener Hand aber ist beim WDR zu hören, dass das Team aus dem Ruhrgebiet auch künftig ein Quartett sein wird.

„Weiter geht es.“ ruft jemand am frühen Nachmittag. Die nächsten Szenen werden vor dem RAG-Hochhaus unter freiem Himmel gedreht.

Es regnet.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben