Natur

Dortmund legt riesige Insektenwiese am Westfalenstadion an

Bienensterben schreitet dramatisch voran

Weltweit gibt es immer weniger Bienenvölker. Im Winter sterben heute ein Drittel mehr Bienen als 2017. Hauptgründe sind Pestizide, Schädlinge und Monokulturen.

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Dortmund.  Rund um das Westfalenstadion werden 50.000 Quadratmeter Fläche für Insekten umgewandelt: In immer mehr Städten weicht grüner Rasen wilden Wiesen.

  • Die Stadt Dortmund wandelt gemeinsam mit dem BVB und Versicherer Signal Iduna rund 50.000 Quadratmeter Fläche zwischen B1 und Westfalenpark in eine wilde Wiese um.
  • Dort sollen sich künftig Insekten und Vögel ebenso ansiedeln wie kleine Säugetiere, etwa Igel.
  • Immer mehr Städte im Ruhrgebiet wollen so etwas gegen das Insektensterben tun – und wandeln immer mehr Rasenflächen in vielfältige Lebensräume um.

Die prominenteste Biene der Region soll summende Gesellschaft bekommen: Gemeinsam mit dem BVB-Maskottchen Emma hat die Stadt Dortmund das erste Feld einer riesigen Wildblumenwiese rund um BVB-Stadion und Messehallen eingesät.

Auf zunächst 50.000 Quadratmetern Fläche – umgerechnet mehr als sieben Fußballfelder – will die Stadt neue Lebensräume für Bienen, heimische Insekten, Vögel und kleine Säugetiere wie Igel schaffen. Unterstützt wird das Projekt von Borussia Dortmund und dem benachbarten Versicherer Signal Iduna, der dafür einen Großteil seiner Grünflächen hergibt. Mit an Bord ist auch die Kreisimkerschaft, die neben einem Bienen-Informationszentrum ein grünes Klassenzimmer plant. Dass sich die Städte auf ihren Grünflächen umorientieren müssen, machten die Imker deutlich: So sei das Insektenvorkommen in der Region in den vergangenen 25 Jahren um rund 75 Prozent geschrumpft.

Stadt Dortmund gründete erst Anfang 2020 ein neues Grünflächenamt

Erst Anfang des Jahres hatte Dortmund wieder ein eigenes Grünflächenamt bekommen. Dessen Leiter Ulrich Finger ist überzeugt, dass das Thema im gesamten Ruhrgebiet an Bedeutung gewinnt: „Wir werden in unserem Amt weitere Stellen schaffen, die sich ausschließlich mit Strategien auseinandersetzen, dem Klimawandel beizukommen“, sagte er.

Das betreffe auch Straßenbäume, die schon jetzt danach ausgewählt werden, wie hitzebeständig sie sind. Zudem müssten die Städte verstärkt Lebensräume für Insekten schaffen. Neben Wildblumenwiesen entstehen auf der Projektfläche in Dortmund auch Nistmöglichkeiten aus Steinhaufen und Totholz, in denen Käfer und Hummeln ihre Kinderstuben einrichten können. In Planung sind auch Rückzugsorte für Igel, „Schatten-Oasen“ für Nachtfalter und ein Naschgarten, aus dem sich die Menschen bedienen dürfen.

Finger verschweigt dabei nicht, dass „wilde Wiesen“ für die städtischen Grünämter weniger Arbeit bedeuten als kurz geschorene Rasenflächen: „Bislang mussten wir hier sechs Mal im Jahr mähen. Künftig kommen wir zwei Mal im Jahr zur Pflege vorbei.“

Noch amtierender OB Sierau: „Manche Bürger haben sich über Unkraut beschwert“

Nicht alle Bürger lieben das sich selbst überlassene Grün, wie Stadtoberhaupt Ullrich Sierau weiß. Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte – Sierau gibt sein Amt als Dortmunder Oberbürgermeister Ende Oktober ab – erinnert er an ein Wildblumen-Projekt vor einigen Jahren am Borsigplatz, wo sich mancher Bürger zunächst über das Unkraut beschwert habe. „Damit sich 25.000 heimische Arten hier wieder wohl fühlen“, so Sierau, „ist es die Diskussion aber wert.“

Auch in andere Ruhrgebietsstädten weichen die klassischen Grünstreifen mehr und mehr blühenden Flächen: Die Stadt Essen etwa wandelte im Jahr der Grünen Hauptstadt 2017 eine stillgelegte Spurbusstrecke in einen Blühstreifen um. Zudem sind dort entlang zahlreicher Hauptverkehrsachsen wie der B224 vielfältigere Pflanzenflächen geschaffen worden, die Platz für Insekten bieten.

In Essen-Altendorf wird dank Hochbeeten sogar auf verseuchter Fläche gegärtnert

Das begrüßt auch Susanne Wiegel von der Essener Bürgerinitiative „Transition Town – Stadt im Wandel“, in der zahlreiche Nachhaltigkeitsprojekte gebündelt werden. „Seit der Grünen Hauptstadt ist viel erreicht worden, auch in Kooperation mit dem städtischen Flächenamt Grün und Gruga“, sagt sie.

So stellte die Stadt Essen bislang 15 kommunale Flächen für Gemeinschaftsgärten zur Verfügung. Neben dem Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern spiele dort auch der Insektenschutz eine Rolle. Dass das selbst auf verseuchten Flächen geht, beweist der „Lorengarten“ auf der Fläche der früheren Krupp’schen Lorenfabrik in Essen-Altendorf: Auf 1000 Quadratmetern wird dort in Hochbeeten gegärtnert – und natürlich gesummt.

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