Diesel-Skandal

Diesel: Kundin klagt – und bekommt ihr Geld zurück

Die Kundin kaufte sich für Pferd und Hund einen schweren Audi.

Die Kundin kaufte sich für Pferd und Hund einen schweren Audi.

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Ruhrgebiet.   Marie Müller glaubte an ihren sauberen Audi. Nach dem Abgas-Skandal klagte sie gegen den VW-Konzern und einigte sich. Doch sie muss schweigen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Betrogen fühlt sich Marie Müller* . Sie ist eine Beziehung eingegangen, die mehr versprach, als sie gehalten hat. So sieht sie es – und zog gegen den Vertragspartner vor Gericht. Marie Müller ist eine von 50.000, die den Automobilkonzern Volkswagen nach dem Abgas-Skandal verklagt haben. Sie bekam ihr Geld zurück.

Mit Hund und Pferd raus in die Natur, das liebt Marie Müller. Jeden Weg, der nicht gefahren werden muss, läuft sie, versucht, so ökologisch nachhaltig zu leben, wie es geht. „Als ich mir ein neues Auto zulegt habe, habe ich schon sehr darauf geachtet, dass es vernünftige Werte hat“, sagt sie. Ein SUV musste es sein, denn sie ist mit dem Pferd regelmäßig unterwegs. „Da muss ich nicht nur ziehen, sondern auch durch unwegsames Gelände“, erklärt sie. Müller suchte lange, verglich alle Werte in Frage kommender Gebrauchtwagen.

Werbung versprach den „saubersten Diesel aller Zeiten“

Und entschied sich letztlich für einen Audi, gebaut 2015. „In der Werbung wurde der sauberste Diesel aller Zeiten versprochen. Das war für mich der Hauptgrund, den Wagen zu kaufen.“

Wurde ich betrogen? Diese Frage schoss Müller durch den Kopf, als die ersten Meldungen zum Dieselskandal kamen. Auf einer Internetseite tippte sie ihre Fahrgestellnummer ein. „Bis dahin dachte ich wirklich, ich fahre einen sauberen Diesel. Dann musste ich feststellen, mein Fahrzeug ist auch betroffen. Das war ein Schlag für mich.“ Wenig später erhielt sie zwar ein Software-Update für ihren Wagen, doch das Vertrauen war weg – ins Auto, gegenüber Audi „und auch gegenüber dem Gesetzgeber. Man vertraut doch darauf, dass ein Konzern nicht mit falschen Angaben wirbt, sondern dass das auch kontrolliert wird.“

Die Klage gegen VW umfasste mehr als 200 Seiten

Mit Recht und Gesetz kennt sich Müller gut aus, sie arbeitet bei einer Behörde. Für sie war klar: Hier wurde gegen Gesetze verstoßen, ich bin das Opfer, also wehre ich mich. Knapp zwei Jahre dauerte das Verfahren. Müller fand es kompliziert, vor Gericht nachzuweisen, dass sie auf der Grundlage falscher Bedingungen und Versprechungen gekauft hatte. „Es kam alles nur bröckchenweise ans Tageslicht. In den USA hat der Konzern alles zugegeben.“ Sie konfrontierte ihren Händler damit: „Ich habe gefragt, was haben Sie nun vor? Ich war richtig sauer.“ Doch eine Antwort gab es nicht. Ihre Klage wurde mehr als 200 Seiten lang.

Ihr Fahrzeug sei mangelhaft, stand darin, es sei unrealistisch, dass die VW-Spitze nichts von den Vorgängen gewusst habe, die Schädigung der Kundin sei vorsätzlich erfolgt. Marie Müller las viel über den Abgas-Skandal, sie wollte wissen, worauf sie sich einließ. „Man ist schon ein wenig aufgeregt, einen solch riesigen Konzern verklagt man als normaler Bürger ja nicht jeden Tag.“ Doch Müller stand hinter ihrer Entscheidung. „Gerechtigkeit ist mir sehr wichtig. Ich betrüge nicht und ich will nicht betrogen werden“, sagt sie vehement.

Hohe Strafen für Verstöße gegen Schweige-Abkommen

Nachdem ein Gütetermin platzte, gab das Landgericht der Klägerin Recht. „Sittenwidrigkeit“, steht im Urteil, „arglistige Täuschung“. Eigentlich, so die Richter, habe das Kraftfahrzeugbundesamt dieses und viele weitere Fahrzeuge sofort stilllegen müssen. VW legte Berufung ein. Bevor es zu einer weiteren Entscheidung des Oberlandesgerichts gekommen wäre, einigten sich die Beteiligten jedoch außergerichtlich. „Es wird Stillschweigen vereinbart, wer dagegen verstößt, muss mit einer Vertragsstrafe in Höhe von mehreren Tausend Euro rechnen.“ Deshalb erzählt Marie Müller nur anonym, dass VW ihr den Kaufpreis von rund 25.000 Euro abzüglich Zinsen und Abnutzung zurückzahlte.

Der Traum vom sauberen Diesel platzte für Marie Müller wie eine Seifenblase. „Ich war richtig erleichtert, als ich den Wagen zurückgebracht habe.“ Nach langen Überlegungen entschied sie sich trotzdem wieder für einen Diesel. Dieses Mal für einen Schweden, „schauen wir mal, ob die treuer sind“.

* Name geändert

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben